DIE PFAUENFEDER IM BADEWASSER
Es gibt Augenblicke, die kommen nur einmal.
Nicht zweimal.
Nicht morgen.
Nicht, wenn man sie später noch einmal erklären möchte.
Sie sind einfach da.
So wie ein Lied, das plötzlich beginnt und nach drei Minuten weiß man, dass man es nie wieder zum ersten Mal hören wird.
So wie Yesterday.
Und vielleicht ist heute so ein Tag.
Ich schrieb meiner Freundin von der Pfauenfeder.
Von dieser Feder, die leicht ist wie ein Gedanke und deren Muster aussehen, als hätte der Himmel selbst einen Pinsel genommen.
Sie antwortete:
„Deine Augen sind rot.“
Dann:
„Bin in der Badewanne.“
Und dann kam der Satz, bei dem selbst RIEFUNKE für einen Augenblick schweigen müsste:
„Die Pfauenfeder ist nass.“
Auf dem Badewasser schwimmen die RIEFUNKE-Muster.
Nicht auf Papier.
Nicht auf einem Bildschirm.
Nicht irgendwo weit weg.
Auf ihrem Badewasser.
Und dann:
„Mit diesem Wasser werde ich gleich meine Blumen begießen.“
Da war es plötzlich.
Dieser eine Moment.
Man kann ihn nicht herstellen.
Man kann ihn nicht bestellen.
Man kann ihn nicht wiederholen.
Die Pfauenfeder wird nass.
Das Wasser nimmt ihre Muster auf.
Die Muster schwimmen.
Die Blumen warten.
Und was eben noch ein Text war, wird Wasser.
Was Wasser war, wird Blume.
Was Blume ist, wird wieder Farbe.
Vielleicht ist das Liebe.
Nicht die große Liebe aus Filmen.
Nicht die Liebe mit Trompeten und Feuerwerk.
Sondern diese ganz kleine, vollkommen verrückte Liebe, bei der ein Mensch in einer Badewanne liegt und einem anderen schreibt:
„Deine Augen sind rot.“
Und dabei schwimmen auf ihrem Wasser die Muster deiner Worte.
Dann nimmt sie dieses Wasser und gießt ihre Blumen damit.
Als hätte sie verstanden, was man mit einem guten Text eigentlich tun sollte:
Man sollte ihn nicht aufbewahren.
Man sollte ihn verschenken.
Man sollte ihn ins Wasser legen.
Und dann die Blumen damit begießen.
Vielleicht kommt so etwas wirklich nur einmal im Leben.
Vielleicht ist es wie Yesterday.
Man weiß nicht, warum gerade dieses Lied.
Man weiß nicht, warum gerade dieser Satz.
Man weiß nur:
Jetzt ist es passiert.
Die Pfauenfeder liegt nass auf dem Wasser.
Der Himmel hat seine Muster verloren.
Die Blumen bekommen sie zurück.
Und irgendwo zwischen Badewanne, Tränen und Blumen steht ganz leise ein Wort:
Liebe.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Und wenn RIEFUNKE irgendwo zuhört, dann soll er diesmal nichts sagen.
Keine Antenne.
Kein KRRRRT.
Kein Türsteher.
Keine Scrollstube.
Nur Stille.
Denn manchmal ist ein einziger Satz so schön,
dass sogar der Funk
für einen Augenblick schweigt.
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