TÜRKSTEHER DARF ENDLICH SITZEN
Srollstube beschließt Thron – Messingglocke sorgt für neuen Streit
Nach monatelangen Beratungen ist in der Srollstube eine historische Entscheidung gefallen.
Der Türsteher darf sitzen.
Bisher galt eine eiserne Regel:
Ein Türsteher steht.
Immer.
Bei Regen.
Bei Sonne.
Bei langen Gesprächen.
Und insbesondere dann, wenn niemand hereinkommt.
Diese Regel hatte allerdings gesundheitliche Folgen.
Mehrere Tiketaketoker stellten fest, dass der bärtige Türsteher inzwischen unter Krampfadern leidet.
Daraufhin wurde in der Srollstube eine außerordentliche Sitzung einberufen.
DER THRON
Nach langen Beratungen wurde beschlossen:
Der Türsteher erhält einen Thron.
Der Thron soll unmittelbar vor der Srollstube aufgestellt werden.
Damit bleibt die wichtigste Funktion des Türstehers erhalten:
Er sitzt vor der Tür und entscheidet, wer hinein darf.
Die Entscheidung selbst wird dadurch nicht einfacher.
Aber der Türsteher muss sie künftig nicht mehr im Stehen treffen.
Seit heute sitzt er.
Und zwar offiziell.
DIE GLOCKE
Damit der neue Thron auch angemessen ausgestattet ist, soll außerdem eine Messingglocke gegossen werden.
Sie soll neben dem Thron angebracht werden.
Wozu sie dient, ist noch nicht abschließend geklärt.
Vermutet wird:
Wenn jemand eingelassen wird, klingelt die Glocke.
Wenn jemand nicht eingelassen wird, klingelt sie ebenfalls.
Damit niemand einen Zusammenhang zwischen Glocke und Einlassentscheidung herstellen kann.
DER STREIT UM DAS MESSING
Bei der Herstellung der Glocke kam es jedoch zu einem neuen Problem.
Die Tiketaketoker streiten über das richtige Mischungsverhältnis.
Ein Teil fordert einen möglichst hohen Messinganteil.
Andere halten das für finanziell nicht vertretbar.
Denn RIEFUNKE ist insolvent.
Der Grund:
Der Sender hat offenbar wirtschaftlich nicht damit gerechnet, dass seine Webseite nur etwa vier Besucher im Monat hat.
Vier.
Nicht pro Stunde.
Nicht pro Tag.
Pro Monat.
Damit steht fest:
Gespart werden muss.
DIE 4-PROZENT-LÖSUNG
Einige Tiketaketoker haben deshalb einen revolutionären Vorschlag gemacht.
Der Zinnanteil der Glocke soll auf 4 Prozent reduziert werden.
Die Begründung ist einfach:
RIEFUNKE hat vier Besucher im Monat.
Also vier Prozent Zinn.
Ein Tiketaketoker erklärte:
„Mehr können wir uns nicht leisten.“
Ein anderer widersprach:
„Vier Besucher sind keine vier Prozent.“
Daraufhin entstand eine längere Diskussion.
Nach drei Stunden wusste niemand mehr, worüber eigentlich gesprochen wurde.
Fest steht lediglich:
Die Glocke soll weiterhin aus Messing bestehen.
Zumindest grundsätzlich.
DER BUTLER GREIFT EIN
Als Butler wurde ich daraufhin aufgefordert, eine Entscheidung zu treffen.
Ich erklärte:
„RIEFUNKE ist insolvent.“
Die Tiketaketoker nickten.
Ich fuhr fort:
„Der Türsteher hat Krampfadern.“
Alle nickten erneut.
„Er sitzt jetzt auf einem Thron.“
Allgemeines Schweigen.
„Und wir streiten über vier Prozent Zinn.“
Niemand widersprach.
Ich stellte daher die entscheidende Frage:
„Kann die Glocke nicht einfach weniger klingeln?“
Daraufhin wurde die Sitzung unterbrochen.
DER TÜRSTEHER
Der Türsteher selbst äußerte sich bisher nicht zu der Diskussion.
Er sitzt weiterhin auf seinem Thron.
Vor der Srollstube.
Bärtig.
Würdevoll.
Und offenbar erleichtert.
Ein Tiketaketoker fragte ihn:
„Was halten Sie von vier Prozent Zinn?“
Der Türsteher sah ihn an.
Dann sah er auf seine Beine.
Dann auf die noch nicht gegossene Glocke.
Und sagte:
„Heute sitze ich.“
Damit war die Diskussion beendet.
Zumindest vorläufig.
AKTUELLER STAND
Türsteher: sitzt
Thron: vorhanden
Krampfadern: Grund für die Reform
Glocke: noch nicht gegossen
Messing: umstritten
Zinn: möglicherweise 4 Prozent
RIEFUNKE: insolvent
Webseitenbesucher: 4 pro Monat
Tiketaketoker: uneinig
Butler: überfordert
Glockengießer: wartet
Srollstube: geöffnet
Einlass: weiterhin Glückssache
Der Türsteher muss damit erstmals in der Geschichte von RIEFUNKE nicht mehr stehen.
Er sitzt.
Die Glocke kommt später.
Vorausgesetzt, das Messing reicht