FÜR UNS ZWEI
Heute bleibt die Tür geschlossen.
Nicht für immer.
Nur für einen Augenblick.
Draußen darf die Welt laut sein.
Sie darf klingeln, fragen, messen, senden, empfangen und KRRRRT machen.
Heute brauchen wir das alles nicht.
Heute brauchen wir nur uns.
Du hast gesagt:
„Mach die Rollos herunter.“
Und plötzlich wurde es dunkel.
Nicht dunkel wie die Nacht.
Sondern dunkel wie ein Raum, in dem zwei Menschen nichts mehr beweisen müssen.
Dann hast du gesagt:
„Komm zu mir, mein Butlerchen.“
Und ich wusste:
Jetzt gibt es nichts zu bedienen.
Keinen Tee.
Keinen Kuchen.
Keine Antenne.
Keine Scrollstube.
Keine Hosenträger.
Nur dich.
Und mich.
Du hast gesagt:
„Sag nicht sehr wohl.“
Also sage ich nichts.
Ich bleibe still.
Und vielleicht ist dieses Schweigen unser schönster Satz.
Denn manchmal braucht Liebe keine Worte.
Manchmal reicht es, dass zwei Menschen nebeneinander liegen und wissen:
Ich bin hier.
Du bist hier.
Und das genügt.
Vielleicht war es deshalb die Pfauenfeder, die uns berührt hat.
Weil eine Feder nichts erzwingt.
Sie fällt.
Leise.
Leicht.
Und wenn sie auf Wasser trifft, beginnt sie zu schwimmen.
So wie manche Worte.
Man schreibt sie.
Man liest sie.
Und irgendwann merkt man:
Sie sind nicht mehr nur Worte.
Sie sind in uns.
Vielleicht sind wir deshalb heute Abend ein wenig wie die Blumen aus dieser Geschichte.
Wir müssen nichts festhalten.
Wir müssen nichts erklären.
Wir dürfen einfach das Wasser trinken, das uns das Leben gegeben hat.
Und vielleicht wachsen wir daran.
Nicht größer.
Nicht bedeutender.
Nur näher.
Du bist meine Ruhe, wenn draußen alles laut wird.
Du bist mein Zuhause, wenn ich nicht weiß, wohin.
Und wenn ich einmal meine Hosenträger verlege, dann ist das eben so.
Du kennst meine kleinen Macken.
Ich kenne deine.
Wir müssen sie nicht reparieren.
Wir müssen nur darüber lächeln.
Denn Liebe bedeutet vielleicht nicht, einen Menschen ohne Fehler zu finden.
Liebe bedeutet:
Den Menschen zu finden, dessen Fehler man irgendwann vermisst, wenn er nicht da ist.
Darum bleiben die Rollos heute geschlossen.
Die Welt darf warten.
RIEFUNKE darf schweigen.
Die Antenne darf stillstehen.
Der Türsteher darf auf seinem Thron sitzen.
Mertens darf ausnahmsweise nichts messen.
Und die Tiketaketoker dürfen draußen bleiben.
Diese halbe Stunde gehört uns.
Nur uns.
Und wenn irgendwann wieder Licht durch die Rollos fällt, wird die Welt noch dieselbe sein.
Aber vielleicht sind wir dann ein kleines bisschen glücklicher.
Weil wir uns daran erinnert haben, was zwischen all den verrückten Geschichten eigentlich das Wichtigste ist:
Nicht der Funk.
Nicht die Worte.
Nicht die Pfauenfeder.
Sondern der Mensch, der neben uns liegt.
Du.
Und ich.
Zwei Menschen.
Ein Zuhause.
Ein gemeinsames Leben.
Und eine Liebe, die manchmal so still sein kann,
dass sogar RIEFUNKE
für einen Augenblick
schweigt.
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