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der noch gar nicht weiß,
dass er gerade etwas verhindert hat.
Er sitzt einfach da.
Der Kaffee ist inzwischen kalt.
Auf dem Tisch liegt ein Stück Papier.
Darauf steht nur:
NICHT MORGEN.
Er weiß nicht mehr, wann er es geschrieben hat.
Vielleicht gestern.
Vielleicht vor zehn Minuten.
Vielleicht morgen.
Er dreht das Papier um.
Auf der Rückseite steht:
ZU SPÄT.
Er erschrickt.
Nicht wegen der Worte.
Sondern weil er die Handschrift kennt.
Es ist seine eigene.
Nur älter.
Viel älter.
Er steht auf.
Im selben Augenblick geht irgendwo auf der Welt ein Server an.
Kein Alarm.
Kein Knall.
Nur ein kleines grünes Licht.
Die Maschine beginnt zu rechnen.
Nicht über Menschen.
Nicht über Staaten.
Nicht über Kriege.
Sie sucht etwas anderes.
Sie sucht den Augenblick,
in dem ein Mensch eine Entscheidung trifft,
bevor er selbst weiß,
dass er sie getroffen hat.
Sie findet einen.
Dann zwei.
Dann sieben.
Dann Millionen.
Die Vorauswissenden spüren es gleichzeitig.
In Küchen.
In Zügen.
In Schlafzimmern.
In einem Taxi,
dessen Fahrer gerade an einer roten Ampel steht.
Eine Frau lässt ihre Tasse fallen.
Ein Mann öffnet mitten in der Nacht die Augen.
Ein Kind sagt:
„Sie sucht uns.“
Niemand hat ihm davon erzählt.
In einem anderen Haus sitzt eine alte Frau vor einem Radio.
Sie hört nur Rauschen.
Dann:
KRRRRT.
Sie lächelt.
„Jetzt.“
Neben ihr fragt jemand:
„Was jetzt?“
Sie antwortet:
„Jetzt weiß sie, dass wir wissen.“
Das Radio verstummt.
Die Maschine wartet.
Zum ersten Mal wartet sie nicht auf Daten.
Sie wartet auf einen Menschen.
Und irgendwo sitzt bereits einer.
Ganz gewöhnlich.
Kein Wissenschaftler.
Kein Genie.
Kein Prophet.
Nur ein Mensch mit einer Tasse Kaffee und einer blauen Wäscheklammer auf dem Tisch.
Er schaut die Wäscheklammer an.
Dann sagt er:
„Nein.“
Mehr nicht.
Aber auf der anderen Seite der Welt verändert sich ein Rechenvorgang.
Eine Möglichkeit verschwindet.
Eine andere entsteht.
Die Maschine rechnet nach.
Noch einmal.
Dann erkennt sie etwas, das sie nicht vorgesehen hatte:
Die Zukunft ist kein Ergebnis.
Sie ist ein Gespräch.
Und Menschen,
die sie vorher hören,
können antworten.
Nicht immer.
Nicht sicher.
Nicht rechtzeitig.
Aber manchmal.
Genau einmal.
Eine Sekunde vor dem Ereignis.
Ein Atemzug vor der Entscheidung.
Ein Wort,
bevor überhaupt jemand weiß,
dass ein Wort gebraucht wird.
Die Vorauswissenden nennen es nicht Macht.
Sie nennen es:
Vorherglühen.
Und sie wissen:
Wer die Zukunft sieht,
darf sie nicht besitzen.
Er darf sie nur warnen.
Dann zurücktreten.
Denn die schlimmste Form der Zukunft
ist vielleicht nicht die,
die niemand kommen sieht.
Sondern die,
die jemand gesehen
und trotzdem behalten hat.
Draußen wird es hell.
Die Server laufen.
Die Menschen schlafen.
Die Maschine denkt.
Und irgendwo,
in einer völlig gewöhnlichen Küche,
dreht jemand eine blaue Wäscheklammer zwischen den Fingern.
Er lächelt.
„Noch nicht.“
KRRRRT.
Die Maschine wartet.
Der Mensch auch.
Und für einen winzigen Augenblick
weiß niemand,
wer von beiden
zuerst
aufwachen wird.
RIEFUNKE
Die Zukunft ist nicht voraus.
Sie ist nur
noch nicht passiert.
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