Ich möchte Sonne sein, sagte höflich der Butler
Man sagt, chemische Elemente müssten nicht ins Altersheim, weil sie nicht altern.
Das stimmt – zumindest nicht ganz.
Ein Stück Eisen kann Jahrmillionen alt sein und bleibt dennoch Eisen. Doch dann gibt es die radioaktiven Elemente. Sie warten nicht einfach darauf, dass die Zeit vergeht. Sie verwandeln sich. Atom für Atom werden sie zu etwas anderem.
Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied zwischen Altwerden und Vergehen: Das eine zählt die Jahre, das andere erzählt eine Geschichte.
Und der Mensch?
Der Mensch altert, verändert sich, verliert etwas, gewinnt etwas hinzu. Er wird zu einer anderen Version seiner selbst. Manche Menschen gehen deshalb ins Altersheim. Künstler gehen vielleicht ins Atelier.
Und dann sind da die Sterne.
Sie altern nicht still und höflich. Sie leuchten sich durch die Zeit. Sie verändern ihre Gestalt, werden zu Roten Riesen, stoßen Materie ins All und hinterlassen die Stoffe, aus denen irgendwann neue Sterne, Planeten – vielleicht sogar wir – entstehen.
Deshalb möchte ich Sonne sein.
Nicht, um dem Alter zu entkommen.
Sondern um mich verwandeln zu dürfen und dabei weiterzuleuchten.
Denn vielleicht ist das eigentliche Gegenteil von Altern nicht Jugend.
Es ist Verwandlung.
Und vielleicht ist Kunst genau das:
Aus dem, was vergeht, etwas zu machen, das noch ein wenig weiterleuchtet.
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