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RIEFUNKE – DER TÜRSTEHER WILL SEINEN BART ABRASIEREN
Tiketaketoker in Aufruhr – Goethe und Nicole Kidman kennen ihn nur mit Bart
In der englischen Scrollstube herrscht seit Tagen eine ungewöhnliche Unruhe.
Nicht wegen RIEFUNKE.
Nicht wegen der Antennen.
Nicht wegen des UFOs.
Nicht einmal wegen der Kleiderordnung.
Es geht um den Bart.
Genauer gesagt:
Um den Bart des bärtigen Türstehers.
Der Mann, der seit Wochen vor der Scrollstube sitzt, Einlassregeln erfindet, Tiketaketoker prüft und dabei aussieht, als hätte er persönlich die Hausordnung des 19. Jahrhunderts geschrieben, soll sich den Bart abrasieren wollen.
Die Nachricht löste unter den Tiketaketokern sofort eine heftige Diskussion aus.
Denn eine Frage steht im Raum:
Kann dieser Mann überhaupt noch derselbe Türsteher sein, wenn er keinen Bart mehr hat?
DER TÜRSSTEHER BESTÄTIGT DIE PLÄNE
Heute Abend trat der Türsteher vor die Scrollstube.
Er trug wie gewohnt:
schwarze Kleidung,
ernsten Blick,
Bier,
und Bart.
Zumindest noch.
Er erklärte:
„Ich denke darüber nach, ihn abzurasieren.“
Stille.
Ein Tiketaketoker fragte:
„Wen?“
Der Türsteher:
„Den Bart.“
Noch größere Stille.
Ein anderer Tiketaketoker stand auf.
„Warum?“
Der Türsteher:
„Weil ich ihn nicht mehr haben möchte.“
Diese Erklärung wurde von den Anwesenden als unzureichend zurückgewiesen.
DIE BART-VERTEIDIGER
Innerhalb weniger Minuten bildeten sich zwei Lager.
Die erste Gruppe erklärte:
Der Bart gehört zum Türsteher.
Die zweite Gruppe erklärte:
Der Türsteher gehört zum Bart.
Eine dritte Gruppe wollte zunächst abwarten.
Sie wurde vom Türsteher nicht hereingelassen.
Begründung:
„Unentschlossenheit.“
„SEIN SERIÖSES WESEN WIRD DEGRADIERT“
Besonders besorgte Tiketaketoker warnten davor, dass der Türsteher durch die Rasur sein gesamtes seriöses Wesen verlieren könnte.
Einer sagte:
„Mit Bart wirkt er wie eine Institution.“
Ein anderer:
„Ohne Bart könnte er aussehen wie jemand, der gerade zum ersten Mal vor einer Tür steht.“
Ein dritter Tiketaketoker ging noch weiter:
„Der Bart verleiht ihm Autorität.“
Der Türsteher:
„Ich habe auch ohne Bart Autorität.“
Der Tiketaketoker:
„Das müssen Sie erst beweisen.“
Der Türsteher öffnete die Tür.
„Draußen.“
Der Tiketaketoker ging.
Damit war der Beweis erbracht.
GOETHE KANNTE IHN NUR MIT BART
Besonders problematisch ist die Angelegenheit wegen Johann Wolfgang von Goethe.
Goethe war bereits persönlich in der Scrollstube.
Er kennt den Türsteher.
Allerdings:
nur mit Bart.
Ein Tiketaketoker stellte deshalb die entscheidende Frage:
„Was passiert, wenn Goethe wiederkommt und Sie plötzlich keinen Bart mehr haben?“
Der Türsteher:
„Dann wird er mich erkennen.“
„Woran?“
Pause.
Der Türsteher dachte nach.
„An meiner Autorität.“
Niemand sagte etwas.
Schließlich sagte jemand:
„Goethe kennt Ihre Autorität aber nur zusammen mit Ihrem Bart.“
Der Türsteher wurde nachdenklich.
AUCH NICOLE KIDMAN KENNT IHN MIT BART
Noch komplizierter wird die Situation durch Nicole Kidman.
Auch sie soll den Türsteher ausschließlich mit Bart kennen.
Damit stehen inzwischen zwei prominente Persönlichkeiten auf der Seite der historischen Bartwahrnehmung:
Goethe.
Und:
Nicole Kidman.
Beide kennen ihn mit Bart.
Niemand weiß, wie beide auf einen bartlosen Türsteher reagieren würden.
Ein Tiketaketoker erklärte:
„Vielleicht erkennt ihn Nicole Kidman trotzdem.“
Ein anderer:
„Goethe vielleicht nicht.“
Ein dritter:
„Goethe würde wahrscheinlich erst einmal ein Gedicht darüber schreiben.“
Der Türsteher:
„Das hoffe ich nicht.“
DIE GOETHE-FRAGE
Inzwischen wurde sogar eine sogenannte Goethe-Frage formuliert:
„Würde Goethe einen bartlosen Türsteher noch als denselben Türsteher akzeptieren?“
Die Diskussion darüber dauerte fast zwei Stunden.
Eine eindeutige Antwort wurde nicht gefunden.
Mertens holte daraufhin einen Spektrumanalysator.
Der Butler brachte Tee.
Der Pinscher bellte einmal.
Das Radio schwieg.
RIEFUNKE:
keine Stellungnahme.
DAS PROBLEM MIT DER AUTORITÄT
Der Bart erfüllt offenbar mehrere Funktionen.
Er macht den Türsteher:
ernst.
würdig.
streng.
leicht beunruhigend.
und eindeutig identifizierbar.
Ohne Bart könnte ein Problem entstehen.
Denn wer entscheidet dann über den Einlass?
Der Türsteher?
Oder sein Gesicht?
Ein Tiketaketoker brachte es auf den Punkt:
„Wenn der Bart weg ist, muss die Autorität nach innen verlegt werden.“
Der Türsteher:
„Was soll das heißen?“
„Keine Ahnung.“
„Dann gehen Sie.“
DIE TESTRASUR
Gerüchten zufolge soll der Türsteher bereits einen Test durchgeführt haben.
Er soll den Bart für wenige Sekunden mit der Hand nach hinten gehalten haben.
Die Reaktion der Tiketaketoker war sofort:
„Nein!“
Der Türsteher ließ los.
Der Bart war wieder da.
Erleichterung.
Ein Tiketaketoker soll anschließend gesagt haben:
„So kennen wir ihn.“
DER BART ALS IDENTITÄT
Einige Tiketaketoker vertreten inzwischen die Auffassung, dass der Bart längst Teil der Geschichte der Scrollstube geworden sei.
Er war da, als:
RIEFUNKE nicht funktionierte.
Die Antennen beim Zoll waren.
Das UFO brummte.
Goethe mit dem Vierergespann kam.
Die Kleiderordnung beschlossen wurde.
Die Wäscheklammer zur Sicherheitsfrage wurde.
Und der Türsteher zum wichtigsten Einlassbeamten eines Senders wurde, der gar nichts sendet.
Ein Tiketaketoker sagte:
„Der Bart hat alles mitgemacht.“
Pause.
„Er war immer da.“
DER TÜRSTEHER BLEIBT UNEINSICHTIG
Der Türsteher selbst zeigt sich weiterhin unbeeindruckt.
„Es ist mein Bart.“
„Ja.“
„Also entscheide ich.“
„Aber wir kennen Sie nur so.“
„Dann lernen Sie mich neu kennen.“
Daraufhin herrschte Schweigen.
Ein Tiketaketoker fragte:
„Und wenn Goethe Sie nicht erkennt?“
Der Türsteher:
„Dann hat Goethe Pech.“
„Und Nicole Kidman?“
„Auch.“
„Und wir?“
Der Türsteher zeigte auf die Tür.
„Ihr habt Glück.“
„Warum?“
„Weil ihr mich noch mit Bart sehen könnt.“
AKTUELLER STAND
Türsteher: nachdenklich
Bart: vorhanden
Rasierapparat: angeblich vorhanden
Rasierabsicht: unklar
Tiketaketoker: empört
Goethe: kennt ihn nur mit Bart
Nicole Kidman: kennt ihn ebenfalls nur mit Bart
Mertens: beobachtet die Situation
Butler: macht Tee
Pinscher: schläft
UFO: brummt gelegentlich
Antennen: weiterhin problematisch
RIEFUNKE: schweigt
Scrollstube: geöffnet
Einlass: weiterhin Glückssache
Bart: noch nicht rasiert
DIE ENTSCHEIDUNG
Kurz vor Mitternacht trat der Türsteher erneut vor die Tür.
Die Tiketaketoker warteten gespannt.
Er strich sich langsam durch den Bart.
Dann sagte er:
„Ich habe mich entschieden.“
Alle schwiegen.
„Ich rasiere ihn vielleicht morgen.“
Entsetzen.
Ein Tiketaketoker:
„Vielleicht?“
Der Türsteher:
„Vielleicht.“
„Und heute?“
Der Türsteher strich erneut durch den Bart.
„Heute bleibt er.“
Er setzte sich.
Nahm einen Schluck Bier.
Goethe soll derweil irgendwo in England mit seinem Vierergespann unterwegs sein.
Nicole Kidman weiß vermutlich noch nichts von der Krise.
Der Butler stellt Tee bereit.
Der Pinscher schläft.
Das Radio bleibt still.
Und vor der Scrollstube sitzt weiterhin der Mann, den alle kennen.
Mit Bart.
Denn eines ist inzwischen klar:
Wenn dieser Bart fällt, beginnt möglicherweise eine neue Epoche.
Eine Epoche ohne Wiedererkennungswert.
Eine Epoche ohne Goethe-Kompatibilität.
Eine Epoche ohne historische Kontinuität.
Eine Epoche, in der Nicole Kidman möglicherweise fragen muss:
„Wer ist dieser Mann?“
Und vielleicht sagt Goethe dann:
„Den kenne ich nicht.“
Der Türsteher schaut zur Tür.
Dann zum Bart.
Dann zum Radio.
KRRRRT.
Er legt die Hand auf den Bart.
„RIEFUNKE.“
Pause.
„Du wirst doch wohl nicht auch noch gegen meinen Bart sein?“
Das Radio schweigt.
Der Bart bleibt.
Vorläufig.
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