DER FARBFALL
Nach BGH-Entscheidung zum Obi-Orange geraten auch Wäscheklammern in Aufregung – Mertens prüft vorsorglich alle Farben
SCROLLSTUBEN-TRUTH – STT
Die heutige Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Streit um das sogenannte Obi-Orange hat innerhalb der Scrollstube für erhebliche Unruhe gesorgt.
Der BGH entschied, dass Obi keinen Markenschutz für seine charakteristische orange Farbe erhält. Konkurrenten hatten die Löschung der Farbmarke betrieben.
Damit ist eine Frage aufgetaucht, mit der zunächst niemand gerechnet hatte:
Was bedeutet das für Wäscheklammern?
DIE BLAUE WÄSCHEKLAMMER SCHWEIGT
Die blaue Wäscheklammer wurde am Vormittag mehrfach zu ihrer persönlichen Farbe befragt.
Sie antwortete nicht.
Die rote Wäscheklammer ebenfalls nicht.
Mertens war sofort zur Stelle.
Er holte sein Messgerät.
Der Türsteher sagte:
„Das wird kompliziert.“
Mertens:
„Ich messe nur die Farbe.“
Der Türsteher:
„Genau das sagen sie alle.“
Der Butler:
„Sehr wohl.“
MERTENS BEGINNT MIT DER FARBPRÜFUNG
Mertens stellte zunächst fest:
Blau ist blau.
Rot ist rot.
Dann betrachtete er die acht Wäscheklammerkinder.
Er wurde still.
Eine Tiketaketokerin fragte:
„Was ist?“
Mertens:
„Die sind unterschiedlich.“
„In welcher Farbe?“
Mertens:
„Das ist noch nicht abschließend geklärt.“
Die Tiketaketokerin:
„Aber man sieht es doch.“
Mertens:
„Sehen und rechtlich zuordnen sind zwei verschiedene Dinge.“
DER TÜRSCHREIBER
Der Türsteher stellte daraufhin ein neues Schild vor die Scrollstube.
Darauf stand:
BLAU
Darunter:
ROT
Darunter:
ORANGE – ZUTRITT UNGEKLÄRT
Eine Tiketaketokerin fragte:
„Warum darf Orange nicht einfach rein?“
Der Türsteher:
„Ich habe nichts gegen Orange.“
„Warum steht es dann da?“
„Vorsicht.“
DIE NACHRICHT VERBREITET SICH
Die Norm-Tiktoker erfuhren inzwischen vom Farbfall.
Innerhalb weniger Minuten wurden sämtliche Farben diskutiert.
Blau.
Rot.
Orange.
Gelb.
Grün.
Violett.
Eine Norm-Tiktokerin fragte:
„Darf man eigentlich noch beige tragen?“
Mertens:
„Dazu liegen mir keine Messdaten vor.“
DIE SYMNEKÜGELCHEN REAGIEREN
Mertens ging anschließend zum Kühlschrank.
Dort lagerten weiterhin die etwa 30 Gramm Symnekügelchen.
Er öffnete den Behälter.
Eine Kugel wurde orange.
Mertens erstarrte.
„Warum bist du orange?“
Keine Antwort.
Dann wurde sie blau.
Dann rot.
Dann gleichzeitig blau und rot.
Mertens:
„Das ist physikalisch interessant.“
Die Kugel wurde schwarz.
Auf dem Glas erschien:
FARBE IST NICHT DAS PROBLEM.
Mertens:
„Was dann?“
Die Kugel:
WER SIE BENUTZEN DARF.
Mertens schloss langsam den Kühlschrank.
DIE WÄSCHEKLAMMER-KINDER WERDEN NERVÖS
Die acht kleinen Wäscheklammern hatten inzwischen ihre eigenen Vorstellungen.
Eine wollte blau sein.
Eine rot.
Eine grün.
Eine erklärte:
„Ich bin einfach Wäscheklammer.“
Der Türsteher nickte.
„Vernünftig.“
Mertens:
„Das ist keine Farbangabe.“
Der Türsteher:
„Habe ich auch nicht behauptet.“
Der Butler:
„Sehr wohl.“
DER ERSTE VERDACHT
Mertens begann nun eine neue Untersuchung.
Er wollte wissen, ob eine Farbe überhaupt eine Wäscheklammer eindeutig kennzeichnen könne.
Dafür stellte er zwölf Wäscheklammern nebeneinander.
Blau.
Rot.
Gelb.
Grün.
Orange.
Weiß.
Schwarz.
Mertens maß.
Dann kam eine Symnekugel aus dem Kühlschrank.
Sie bewegte sich auf die orange Wäscheklammer zu.
Mertens:
„Was willst du?“
Die Kugel:
NICHT DIE FARBE.
Mertens:
„Was dann?“
DIE GESCHICHTE.
Mertens legte das Messgerät weg.
DIE BLAUE WÄSCHEKLAMMER WIRD BEFRAGT
Eine Tiketaketokerin fragte die blaue Wäscheklammer:
„Seit wann bist du blau?“
Keine Antwort.
„Immer?“
Keine Antwort.
„Warst du schon einmal eine andere Farbe?“
Die blaue Wäscheklammer bewegte sich leicht.
Die rote Wäscheklammer ebenfalls.
Mertens sah sofort hin.
„Interessant.“
Der Türsteher:
„Familienangelegenheit.“
DER MERTENS-EFFEKT GEHT WEITER
Noch bevor Mertens seine neue Farbtheorie fertigstellen konnte, trafen erste Meldungen ein.
Norm-Tiktoker kauften blaue Wäscheklammern.
Dann rote.
Dann orange.
Dann wieder blaue.
Niemand wusste genau, warum.
Ein Händler meldete:
„Die Leute fragen ständig nach der rechtlich unbedenklichsten Farbe.“
Mertens:
„So funktioniert Markenrecht nicht.“
Der Händler:
„Das sage ich denen auch.“
Der Kunde hinter ihm:
„Haben Sie Orange?“
Der Händler:
„Ja.“
Der Kunde:
„Darf ich das?“
Der Händler:
„Natürlich.“
Der Kunde:
„Sicher?“
Der Händler:
„Ich glaube schon.“
Der Kunde ging.
DIE SYMNE WEISS ES
Mertens kehrte zum Kühlschrank zurück.
Er nahm das Gefäß heraus.
„Welche Farbe darf man verwenden?“
Die Kügelchen blieben still.
Mertens wartete.
Dann bildeten sie gemeinsam eine Farbe.
Nicht blau.
Nicht rot.
Nicht orange.
Eine Farbe, die niemand in der Scrollstube kannte.
Der Butler sah sie an.
„Sehr wohl.“
Der Türsteher:
„Die kommt nicht rein.“
Mertens:
„Warum?“
Der Türsteher:
„Keine Anmeldung.“
AKTUELLER STAND
Obi-Orange: markenrechtlich nicht geschützt
Blaue Wäscheklammer: weiterhin blau
Rote Wäscheklammer: weiterhin rot
Wäscheklammerkinder: 8
Orange Wäscheklammern: plötzlich verdächtig interessant
Mertens: misst Farben
Türsteher: kontrolliert Farben
Butler: „Sehr wohl.“
Symnekügelchen: kennen offenbar noch eine weitere Farbe
Norm-Tiktoker: kaufen Wäscheklammern
Tiketaketoker: beobachten
Lötkolben: weiterhin defekt
HF-Sendebetrieb: provisorisch
RIEFUNKE: schweigt
STT: berichtet
KRRRRT.
SCROLLSTUBEN-TRUTH
Wir hören.
Wir warten.
Wir prüfen.
Heute ging es beim Bundesgerichtshof um eine Farbe.
Orange.
In der Scrollstube stellt sich deshalb eine viel wichtigere Frage:
Wenn schon Menschen über Orange streiten – was passiert erst, wenn acht Wäscheklammerkinder irgendwann behaupten, eine Farbe sei ihre eigene?
Mertens untersucht.
Der Türsteher kontrolliert.
Die Tiketaketoker beobachten.
Die Norm-Tiktoker kaufen.
Und die Symnekügelchen haben gerade eine Farbe gezeigt,
für die noch niemand einen Namen hat.
Vielleicht ist sie neu.
Vielleicht war sie immer da.
Vielleicht kennt RIEFUNKE sie bereits.
KRRRRT.
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