Kapitel: Der Türsteher heiratet
Drei Tage später standen Mama und ich wieder am Flughafen.
Der Türsteher war nervös.
Sehr nervös.
Er hatte sogar seine Türsteherjacke gebügelt.
„Was ist los?“, fragte ich.
Er sah Mama an.
„Ich muss Ihnen etwas sagen.“
Mama stellte die Schüssel auf den Tisch.
„Erst essen.“
„Aber—“
„Erst essen.“
Der Türsteher setzte sich.
Mama öffnete die Schüssel.
Kartoffelsalat.
Der Türsteher nahm einen Bissen.
Dann noch einen.
Dann legte er die Gabel hin.
„Mama.“
„Ja?“
„Ich habe in meinem Leben viele Menschen durch Türen gelassen.“
Mama nickte.
„Das glaube ich.“
„Aber noch nie hat jemand eine Tür in meinem Herzen geöffnet.“
Ich verschluckte mich fast.
Mama wurde rot.
Der Türsteher stand auf.
Er kniete sich hin.
Ich sprang auf.
„WAS MACHST DU?“
Er zog einen Ring aus seiner Tasche.
„Mama, wollen Sie mich heiraten?“
Mama sah ihn lange an.
Dann sah sie mich an.
„Was meinst du?“
Ich hatte Tränen in den Augen.
„Mama, nimm ihn.“
„Bist du sicher?“
„Ja.“
Der Türsteher hielt den Ring hoch.
„Ich verspreche Ihnen drei Dinge.“
Mama wartete.
„Erstens: Ich passe immer auf, wer durch die Tür kommt.“
„Gut.“
„Zweitens: Ich lasse Sie jederzeit in die Scrollstube.“
Mama lächelte.
„Und drittens?“
Der Türsteher sah auf die Kartoffelsalatschüssel.
„Sie dürfen immer Kartoffelsalat machen.“
Mama sagte:
„Dann heirate ich dich.“
In diesem Moment ging hinter uns die automatische Flughafentür auf.
PSSCHHH.
Der Türsteher drehte sich um.
„Wer ist da?“
Zwei YouTuber standen dort.
Der Kühlschrank-Plünderer Nummer eins hielt eine Kamera hoch.
„Wir wollten nur wissen, ob es bei der Hochzeit Buffet gibt.“
Mama nahm den Deckel von der Schüssel.
Die beiden YouTuber traten sofort einen Schritt zurück.
„Wir haben gelernt.“
„Das hoffe ich.“
Dann begann Mama zu lachen.
Der Türsteher auch.
Und ich weinte endgültig.
Nicht wegen RIEFUNKE.
Nicht wegen der Scrollstube.
Sondern weil meine Mama gerade in England einen Türsteher geheiratet hatte.
Und weil ich wusste:
Der Kartoffelsalat würde ab jetzt international werden.
Aus der Ferne knackte eine Lautsprecherbox.
KRRRRT.
Mama sah zur Tür.
„Ach, lass ihn.“
Der Türsteher nahm ihre Hand.
„Diesmal bleibt die Tür zu.“
Und irgendwo hinter dem Flughafen begann jemand sehr leise zu klatschen.
|