Das rechte Hinterrad
Liebe TikToker,
mein Papa hat einen neuen Tesla.
Er ist sehr stolz darauf.
Er spricht manchmal mit ihm.
Nicht lange.
Aber liebevoll.
Heute Morgen sagte ich zu ihm:
„Papa, kannst du etwas für mich reparieren?“
Er sah mich an.
„Was?“
Ich zeigte auf das rechte Hinterrad des Zwillingswagens.
Es eierte.
Papa sah den Kinderwagen an.
Dann sah er seinen neuen Tesla an.
Dann wieder den Kinderwagen.
„Der Tesla kann warten“, sagte er.
Und damit begann die Reparatur.
Denn meine Tochter ist in einer Woche so weit.
Vielleicht.
Wenn sie sich nicht noch anders entscheidet.
Papa legte Werkzeug auf den Tisch.
Der Tesla stand draußen.
Der Zwillingswagen drinnen.
Und das rechte Hinterrad wurde plötzlich zur wichtigsten technischen Angelegenheit der Familie.
„Das kriegen wir hin“, sagte Papa.
Ich sagte:
„Bist du sicher?“
„Nein.“
Dann nahm er das Rad auseinander.
Währenddessen passierte etwas Merkwürdiges in der englischen Scrollstube.
Dort stand ebenfalls ein Zwillingswagen.
Niemand weiß, warum.
Niemand weiß, wem er gehört.
Niemand weiß, warum das rechte Hinterrad ebenfalls eiert.
Es wird vermutet, dass jemand versucht hat, es zu reparieren.
Es wird außerdem vermutet, dass dieser Jemand keine Ahnung von Kinderwagen hatte.
Wer es war, ist unbekannt.
RIEFUNKE war außer Haus.
Zumindest laut Butler.
Der Türsteher behauptet etwas anderes.
Mama sagt, man solle einfach Kaffee trinken.
Und Papa sagt:
„Gib mir mal den Schraubenschlüssel.“
Also gab ich ihm den Schraubenschlüssel.
Er reparierte das Rad.
Es eiert nicht mehr.
Der Tesla steht immer noch draußen.
Unberührt.
Ich sah Papa an.
„Warum reparierst du eigentlich nicht deinen Tesla?“
Er sah mich an.
„Der hat vier funktionierende Räder.“
Ich musste lachen.
Dann wurde ich plötzlich still.
Denn in einer Woche könnte meine Tochter da sein.
Und vielleicht wird sie irgendwann in genau diesem Wagen sitzen.
Mit einem rechten Hinterrad, das nicht mehr eiert.
Mit einem Opa, der lieber einen Kinderwagen repariert als seinen neuen Tesla.
Und mit einer Familie, die noch nicht weiß, wie viele Türen sich in den nächsten Jahren öffnen werden.
Vielleicht sogar eine in England.
Vielleicht die Tür zur Scrollstube.
Vielleicht die Tür zum VIP-Raum.
Und vielleicht steht dort irgendwo eine Steckdose.
Papa schraubte die letzte Mutter fest.
„Fertig.“
Ich schob den Wagen ein Stück.
Gerade.
Ganz gerade.
Ich lächelte.
Und irgendwo in England knackte plötzlich eine alte Lautsprecherbox.
KRRRRT.
Papa sah mich an.
„War das der Kinderwagen?“
„Nein, Papa.“
„Dann ist ja gut.“
Wer es war, bleibt unbekannt.
RIEFUNKE war außer Haus.
Der Butler schwieg.
Der Türsteher schloss die Tür.
Und Papa setzte sich endlich in seinen neuen Tesla.
Nur um festzustellen:
Der Schlüssel lag noch auf dem Küchentisch.
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