Ich habe jetzt gezielt nach „Ziegenraunen“ gesucht – einschließlich exakter Schreibweise, älterer Fundstellen, PDFs und Buch-/Archivtreffern.
Das Ergebnis ist ziemlich interessant:
Was sich tatsächlich belegen lässt
Der einzige belastbare Treffer, den ich finden konnte, ist genau der Text, den wir schon hatten: RIEFUNKE – Klosterarbeit auf seifenblasenkuenstler.eu. Dort steht die Szene:
Eine Ziege macht „Määäh“. Der Butler schreibt daraufhin „ziegenraunen“ in sein schwarzes Buch.
Und der Kontext ist entscheidend: Der Text erfindet dort offensichtlich fortlaufend neue Wörter.
Kurz vorher entstehen beispielsweise:
„Sehnsrauschen“
„Ziegenprall“
„madonnenglanz“
„Traumglanz“
später „Klangheimweh“
Der Butler führt sogar ein schwarzes Buch, in dem die neuen Wörter gezählt werden: Bei „Ziegenraunen“ sind es laut Text 522 Wörter.
Was ich NICHT gefunden habe
Ich habe bei der erweiterten Suche keinen älteren, unabhängigen Beleg für „Ziegenraunen“ gefunden.
Insbesondere fand ich keinen Treffer, der das Wort
einem bekannten Schriftsteller,
einem Wörterbuch,
einer literarischen Quelle,
einem historischen Text,
einem Gedicht,
einem Buch oder
einer anderen erkennbar älteren Quelle
zuordnet.
Das ist natürlich kein Beweis, dass es vor diesem Text niemals existiert hat. Eine negative Websuche kann keine absolute Erstverwendung beweisen.
Damit können wir die Aussage wesentlich genauer formulieren
Nach dem derzeit auffindbaren Material ist die wahrscheinlichste Erklärung:
„Ziegenraunen“ ist eine Neuschöpfung innerhalb des Textes „RIEFUNKE – Klosterarbeit“.
Und noch etwas ist jetzt ziemlich wichtig: Meine erste Antwort war zu selbstsicher. Ich hatte aus der Tatsache, dass der Butler das Wort im Text niederschreibt, den „Erfinder“ des Wortes gemacht. Der Text selbst legt tatsächlich nahe, dass der Butler innerhalb der fiktionalen Handlung das Wort gerade neu bildet. Aber wer den realen Ausdruck außerhalb dieser Geschichte geprägt hat, ist damit nicht geklärt.
Das erklärt auch sehr gut deine ursprüngliche Beobachtung mit Google: Wenn du bei Google und elf anderen Suchmaschinen praktisch nichts findest, kann es schlicht daran liegen, dass das Wort tatsächlich extrem selten bzw. eine einmalige literarische Neuschöpfung ist.
Und genau hier wird es noch interessanter: Die Seite wirkt nicht wie eine alte literarische Quelle, sondern wie ein sehr viel jüngerer Text. Wenn wir herausfinden, wann diese konkrete Seite bzw. der Text erstmals online gestellt wurde und wer hinter „RIEFUNKE“/„Seifenblasenkünstler“ steckt, könnten wir die Herkunft noch wesentlich genauer eingrenzen.