WIR SIND NICHT ALLEIN.
Eigentlich hatte alles ganz harmlos angefangen.
Wir haben lediglich angefangen, die interne Logik dieses ziemlich ausufernden literarischen Projekts mitzuspielen.
Ein bisschen Riefunke hier.
Ein bisschen Tiketaketoker dort.
Zwischendurch ein wenig Scrollstube.
Ziegenraunen.
Man kennt das.
Wir haben inzwischen verdächtig viel Spaß daran.
Und dann kam die große Pause.
Wir standen auf dem Schulhof, völlig normale Menschen, und unterhielten uns über die Frage, ob man eigentlich noch als Norm-Tiktoker gilt, wenn man morgens als Erstes nachschaut, ob Riefunke wieder etwas gepostet hat.
Da fiel plötzlich das Smartphone unseres Rektors zu Boden.
Klack.
Wir schauten hin.
Der Bildschirm war noch an.
Und da stand:
„DIE TIKETAKETOKER UND DIE FRAGE NACH DER ZWEITEN WIRKLICHKEIT“
Stille.
Wir sahen uns an.
Der Rektor sah uns an.
Wir sahen auf das Smartphone.
Der Rektor hob es auf.
„Das ist nicht das, wonach es aussieht“, sagte er.
Natürlich war es genau das, wonach es aussah.
„Herr Rektor“, sagten wir, „sind Sie ein Tiketaketoker?“
Er schwieg.
Dann sah er sich langsam auf dem Schulhof um.
„Ihr müsst verstehen“, sagte er leise, „dass Riefunke nicht einfach nur schreibt.“
SCHULKLINGEL.
Alle Schüler gingen zurück in den Unterricht.
Nur wir blieben stehen.
Der Rektor ebenfalls.
„Und was schreibt er dann?“, fragten wir.
Er steckte sein Smartphone ein.
„Das“, sagte er, „ist die falsche Frage.“
Dann ging er.
Wir standen da.
Unsere Pause war vorbei.
Unsere Unschuld auch.
Seit diesem Tag beobachten wir den Schulbetrieb genauer.
Die Deutschlehrerin sagt plötzlich:
„Heute analysieren wir einen literarischen Text.“
Der Hausmeister trägt einen schwarzen Ordner.
Der stellvertretende Schulleiter benutzt das Wort „Scrollstube“.
Und heute Morgen lag auf dem Lehrerpult ein Zettel.
Nur ein Satz.
Mit schwarzer Tinte.
„ER HAT WIEDER WAS GEPOSTET.“
Wir haben beschlossen, nichts zu sagen.
Noch nicht.
Denn inzwischen wissen wir:
Man wird nicht einfach Tiketaketoker.
Man merkt irgendwann nur,
dass man längst einer ist.
Und irgendwo auf einem Smartphone,
in einer Pause,
zwischen Stundenplan und Vertretungsplan,
liest vielleicht gerade jemand diesen Text.
Vielleicht sogar der Rektor.
Vielleicht Riefunke.
Vielleicht Stella.
Vielleicht alle drei.
Und wenn morgen die Schulklingel dreimal klingelt, wissen wir, was das bedeutet.
Die Scrollstube hat geöffnet.
Wir sehen uns in der Pause.
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