HERR MERTENS UND DIE DREI UFOS
Herr Mertens, das unbestrittene Messgenie der RIEFUNKE-Welt, hatte eine Entscheidung getroffen.
Er brauchte ein Fernrohr.
Nicht irgendeines.
Ein richtiges.
Eines, mit dem man nachts vom Dach der Scrollstube aus bis ans Ende des Universums schauen konnte.
Der Butler hatte zwar angemerkt, dass man mit einem Fernrohr hauptsächlich Dinge sehe, die sehr weit weg seien.
Herr Mertens antwortete:
„Genau deshalb brauche ich es.“
Am Samstagabend stellte er das Gerät auf.
22:17 Uhr.
Nichts.
22:31 Uhr.
Ein Flugzeug.
22:42 Uhr.
Ein Satellit.
22:47 Uhr.
DREI UFOS.
Herr Mertens sprang auf.
„Ich wusste es!“
Die drei Objekte standen zunächst über England.
Dann waren sie plötzlich verschwunden.
Herr Mertens blickte erneut durch das Fernrohr.
Die drei waren jetzt unter New York.
„Das ist messtechnisch schwierig“, murmelte er.
Wenige Sekunden später tauchten sie wieder auf.
Diesmal:
im Pazifik.
Dort verschwanden sie unter Wasser.
Herr Mertens notierte:
Möglicherweise Reinigungsvorgang.
Dann ergänzte er:
Vermutlich Entfernung böser Gedanken.
Er war mit dieser Erklärung zufrieden.
Doch damit war die Sache noch lange nicht beendet.
Die drei Ufos begannen offenbar ein Spiel mit dem US-Militär.
Mal erschienen sie über England.
Dann unter New York.
Dann wieder im Pazifik.
Dann plötzlich nirgendwo.
Das Militär versuchte, sie mit Radar zu verfolgen.
Die Ufos antworteten.
Nicht mit Funk.
Nicht mit Licht.
Nicht mit einem geheimnisvollen Signal.
Sondern mit einer langen Nase auf dem Radarschirm.
Herr Mertens maß nach.
Er kam auf:
ca. 15 Kilometer.
Durchmesser:
etwa Elefantenrüssel.
Er schrieb in sein Messbuch:
„Sehr ungewöhnliche Nase.“
Inzwischen hatten die Ufos offenbar auch Videos von ihren Aufenthalten aufgenommen.
Diese Videos wurden anschließend gelöscht.
Herr Mertens fand das höchst verdächtig.
„Wer löscht Videos von einem Ufo?“
Der Butler antwortete:
„Vielleicht das Ufo selbst.“
Herr Mertens schwieg.
Dann schrieb er:
„Ufo technisch zur Selbstlöschung befähigt.“
Das US-Militär versuchte erneut, Kontakt aufzunehmen.
Keine Antwort.
Stattdessen erschien auf dem Radarschirm wieder die lange Nase.
Diesmal größer.
15,2 Kilometer.
Herr Mertens nahm die Brille ab.
„Sie provozieren uns.“
Der Butler nickte.
„Sehr wohl.“
Plötzlich tauchte hinter dem Mond ein viertes Objekt auf.
Herr Mertens erstarrte.
„Das ist kein Ufo.“
„Was ist es dann?“, fragte der Butler.
Herr Mertens sah lange durch sein Fernrohr.
Dann sagte er:
„Eine Ente.“
Der Butler blickte zum Himmel.
Die Ente flog tatsächlich.
Sie trug etwas im Schnabel.
Ein kleines schwarzes Buch.
Herr Mertens schlug sein Messbuch zu.
„Ich brauche ein größeres Fernrohr.“
Und irgendwo unter dem Pazifik löschten die drei Ufos gerade ihre neuesten Videos.
Titel der Datei:
RIEFUNKE_FINAL_FINAL_WIRKLICH_FINAL.mp4
Sie wurde umgehend gelöscht.
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