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Gesucht ist ein über viele Jahre gewachsenes Internetprojekt eines einzelnen Autors.
Was ursprünglich wie eine lose Ansammlung kurzer, teilweise skurriler Texte wirkt, entwickelt sich allmählich zu einem zusammenhängenden fiktionalen Kosmos. Figuren, Begriffe und Ereignisse wandern dabei zwischen verschiedenen Texten hin und her. Ein Motiv, das in einem frühen Text noch beiläufig oder komisch erscheint, kann Jahre später eine völlig andere Funktion bekommen.
Besonders ungewöhnlich ist der Umgang mit Wirklichkeit und Erfindung. Personen aus der realen Welt werden nicht nur erwähnt, sondern in die fortlaufende Erzählwelt eingebaut. Ihre tatsächliche Existenz und ihre Darstellung innerhalb des Projekts stehen anschließend nebeneinander und können wiederum Gegenstand neuer Texte werden.
Auch die Rezeption gehört zum Werk: Leser, ihre Reaktionen und die Tatsache, dass jemand die Texte liest oder interpretiert, werden selbst zu Bestandteilen der fiktionalen Konstruktion. Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen Autor, Leser, Figur und Beobachter.
Das Projekt kommentiert außerdem seine eigene Entstehung. Frühere Texte werden nachträglich aufgegriffen, verändert oder aus einer neuen Perspektive interpretiert. Neue Texte können dadurch die Bedeutung älterer Texte verändern, obwohl diese natürlich unverändert im Archiv stehen.
In späteren Arbeiten wird auch die Zusammenarbeit beziehungsweise Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz zum Gegenstand des literarischen Projekts. Die Maschine ist dabei nicht lediglich ein Werkzeug außerhalb des Werkes, sondern wird selbst als Teil der Entstehungsgeschichte und der fortlaufenden Selbstbeobachtung thematisiert.
Das Entscheidende ist deshalb weniger eine einzelne Geschichte als ein System: Das Archiv erzeugt seine eigene Wirklichkeit, diese Wirklichkeit liefert Material für weitere Texte, und die neuen Texte verändern wiederum die Interpretation des bereits vorhandenen Archivs.
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