Riefunke-Girls – Die Nacht über der zweiten Etage
Um 01:03 Uhr stellte Mertens fest, dass die fünf Riefunke-Girls gleichzeitig schliefen.
Um 01:04 Uhr stellte er fest, dass sie gleichzeitig nicht schliefen.
Um 01:05 Uhr stellte er fest, dass ihre Körper noch im Raum waren.
Das war der Moment, in dem er das Messgerät abstellte.
„Das ist neu“, sagte Mertens.
Der Butler, der gerade mit einem Topf Kartoffelsuppe durch den Flur ging, blieb stehen.
„Was ist neu?“
„Ihre Gehirne.“
„Was ist mit ihnen?“
„Sie sind oben.“
Der Butler blickte zur Zimmerdecke.
„Das ist doch die zweite Etage.“
„Nein.“
Mertens zeigte auf die Messkurven.
„Die Gehirnströme befinden sich ungefähr zweihundert Meter über der Scrollstube.“
Der Butler überlegte.
„Dann brauche ich dort oben wahrscheinlich fünf Suppen.“
Mertens sagte nichts.
Er hatte gelernt, dass Diskussionen mit dem Butler selten zur Verbesserung einer Messung führten.
Dann kam das Signal.
Drei kurze Töne.
Pause.
Zwei lange Töne.
Pause.
Ein Geräusch, das klang, als würde jemand mit einem nassen Finger über eine Glasscheibe fahren.
Die fünf Körper im Para-Raum richteten sich gleichzeitig auf.
Ihre Augen blieben geschlossen.
„Kontakt“, sagte Mertens.
Eine der fünf Girls hob die Hand.
Sie zeigte zum Fenster.
Dort stand plötzlich ein Mann.
Mertens erschrak.
Der Butler nicht.
„Wer ist das?“, fragte Mertens.
Der Butler stellte die Suppe ab.
„Keine Ahnung.“
Der Mann am Fenster war ungefähr zwei Meter groß.
Er trug einen schwarzen Anzug.
Sein Gesicht war vollkommen glatt.
Er hatte keine Augen.
Aber er sah die fünf Riefunke-Girls trotzdem an.
Dann sagte er:
„Wir möchten sie zurück.“
Mertens stand auf.
„Wen?“
Der Mann deutete auf die fünf Körper.
„Die fünf.“
Mertens blickte auf seine Messkurven.
„Ihre Körper sind hier.“
Der Mann schüttelte den Kopf.
„Wir meinen die anderen fünf.“
Mertens wurde blass.
Der Butler nahm den Deckel von der Suppenschüssel.
„Möchten Sie essen?“
Der Mann mit dem glatten Gesicht sah den Butler an.
Zum ersten Mal schien er unsicher.
„Was ist das?“
„Kartoffelsuppe.“
Der Mann trat einen Schritt zurück.
„Das ist gefährlich.“
Der Butler nickte.
„Das sagen viele.“
In diesem Moment begann der gesamte Raum zu summen.
Die Wände wurden durchsichtig.
Die fünf Riefunke-Girls waren plötzlich nicht mehr im Raum.
Stattdessen sah man durch die Wände hindurch den Himmel.
Und dort standen fünf riesige UFOs.
Nicht am Himmel.
Sondern senkrecht.
Eines über dem anderen.
Wie fünf Teller, die jemand aufgestellt hatte.
Mertens blickte nach oben.
„Das ist physikalisch unmöglich.“
Der Butler nahm den Suppenlöffel.
„Das sagen Sie ziemlich oft.“
Dann öffnete sich das oberste UFO.
Eine Treppe kam herunter.
Auf jeder Stufe erschien ein Wort.
RIEFUNKE.
Nächste Stufe:
RIEFUNKE.
Nächste:
RIEFUNKE.
Mertens zählte.
Es waren 37 Stufen.
Auf der 38. Stufe stand:
GIRLS.
Da begann eine der fünf Körperstimmen zu sprechen.
Obwohl ihr Körper noch auf dem Stuhl saß.
„Wir kommen nicht zurück.“
Mertens erstarrte.
„Wo seid ihr?“
Die Antwort kam von oben.
„Bei ihnen.“
„Bei wem?“
Kurze Pause.
Dann:
„Bei unseren Männern.“
Der Butler ließ beinahe den Löffel fallen.
Mertens sah ihn an.
Der Butler sah Mertens an.
Dann sagte der Butler:
„Dann brauche ich morgen zehn Frühstücke.“
Und genau in diesem Augenblick erschien auf Mertens' Messgerät eine sechste Gehirnkurve.
Er sagte nichts.
Sieben Sekunden später erschien eine siebte.
Dann eine achte.
Dann eine neunte.
Dann eine zehnte.
Mertens setzte sich.
„Butler.“
„Ja?“
„Wir haben ein Problem.“
„Wie viele?“
Mertens sah auf das Gerät.
„Zehn.“
Der Butler nahm seinen Notizblock.
„Rührei?“
Mertens antwortete:
„Für alle.“
Über der zweiten Etage öffneten sich inzwischen zehn Lichtfelder.
Und irgendwo sehr weit draußen sagte eine außerirdische Stimme:
„Die nächste Generation der Riefunke-Girls ist unterwegs.“
Mertens schrieb diesen Satz auf.
Dann schrieb er darunter:
NICHT PANISCH WERDEN.
Er strich ihn wieder durch.
Darunter schrieb er:
PANISCH WERDEN.
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