RIEFUNKE – DIE TELEPATHISCHE SCHOKOLADENINSPEKTION
England.
Später Abend.
In der Scrollstube war es ungewöhnlich ruhig.
Der Butler brachte Tee.
Der Türsteher saß vor der Tür.
Mertens überprüfte zum dritten Mal seinen Spektrumanalysator.
Und im Kinderzimmer lagen acht Wäscheklammerkinder auf dem Teppich.
In der Mitte:
eine Zeichnung von Nicole Kidmans Flugzeug.
Vorne:
COCKPIT
Mitte:
SITZE
Hinten:
MÖGLICHE SCHOKOLADENFABRIK
Eines der Kinder zeigte darauf.
„Wir müssen nachsehen.“
„Wie?“
„Telepathisch.“
Stille.
Wellenberg, der gerade vorbeikam, blieb stehen.
„Wie bitte?“
„Wir klinken uns in Nicoles Flugzeug ein.“
Wellenberg sah auf die Zeichnung.
„Telepathisch?“
„Ja.“
„Und was genau wollt ihr dort machen?“
Das kleinste Kind antwortete:
„Nach der Fabrik suchen.“
Wellenberg setzte sich.
„Und wenn keine Fabrik vorhanden ist?“
Die Kinder sahen ihn an.
„Dann suchen wir besser.“
Wellenberg schwieg.
Mertens kam herein.
„Was ist los?“
Wellenberg zeigte auf die Zeichnung.
Mertens sah sie an.
„Ah.“
„Sie wollen telepathisch in ein Flugzeug.“
„Ja.“
„Um eine Schokoladenfabrik zu finden.“
„Ja.“
Mertens nickte.
„Logisch.“
Wellenberg:
„Nein.“
Mertens:
„Für RIEFUNKE schon.“
Der Butler:
„Sehr wohl.“
LONDON
Zur gleichen Zeit saßen Nicole Kidman und Stella McCartney in einer Hotelsauna.
Die Tür war geschlossen.
Auf einem kleinen Tisch standen Wasser, Tee und zwei Handtücher.
Stella sagte:
„Ich glaube, wir brauchen etwas Neues.“
Nicole nickte.
„Für die Scrollstube?“
„Vielleicht.“
„Keine Jeans.“
Stella lachte.
„Offensichtlich nicht.“
Nicole lehnte sich zurück.
„Der Türsteher würde sie nicht einmal ansehen.“
„Außer Goethe trägt sie.“
Nicole grinste.
„Goethe darf alles.“
Stella nahm einen Schluck Wasser.
„Wir brauchen etwas, das Tiketaketoker tragen können.“
„Mit Antennen?“
„Natürlich.“
„Und Wäscheklammern?“
„Unbedingt.“
Nicole dachte nach.
„Weiße Schokolade als Tasche?“
Stella sah sie an.
Pause.
„Das ist gar nicht so schlecht.“
Beide lachten.
IM KINDERZIMMER
Die acht Wäscheklammerkinder hatten inzwischen die Telepathie vorbereitet.
Alle saßen im Kreis.
Eine blaue Wäscheklammer lag in der Mitte.
Wellenberg stand daneben.
„Warum liegt die da?“
„Antenne.“
„Für Telepathie?“
„Natürlich.“
Wellenberg sah Mertens an.
Mertens zuckte mit den Schultern.
„Ich würde es nicht ausschließen.“
Wellenberg seufzte.
„Gut.“
Er setzte sich dazu.
„Was muss ich tun?“
Die Kinder sahen ihn überrascht an.
„Du machst mit?“
Wellenberg:
„Ich beobachte.“
Das kleinste Kind:
„Du musst die Augen schließen.“
Wellenberg schloss die Augen.
„Und jetzt?“
„An Nicole denken.“
Wellenberg öffnete die Augen wieder.
„Warum?“
„Sonst finden wir das Flugzeug nicht.“
Er schloss die Augen erneut.
LONDON
Nicole sagte gerade:
„Ich glaube, die Kinder vermuten inzwischen wirklich eine Schokoladenfabrik in meinem Flugzeug.“
Stella lachte.
„Warum?“
„Weil ich ihnen immer weiße Schokolade mitbringe.“
„Das ist doch süß.“
„Sie haben sogar einen Lageplan gezeichnet.“
Stella:
„Wo soll die Fabrik sein?“
Nicole:
„Hinten.“
„Natürlich.“
„Mit eigener Produktion.“
Stella grinste.
„Und wahrscheinlich ein Förderband.“
Nicole:
„Mit weißer Schokolade.“
TELEPATHISCHER EMPFANG
Im Kinderzimmer geschah plötzlich etwas.
Das kleinste Kind hob den Kopf.
„Ich habe was.“
Alle wurden still.
„Was?“
„Warm.“
Ein anderes:
„Ich auch.“
Wellenberg:
„Das ist vermutlich die Heizung.“
„Nein.“
„Woher weißt du das?“
„Das ist London.“
Wellenberg öffnete langsam die Augen.
„Das ist keine wissenschaftliche Methode.“
Mertens:
„Aber immerhin konsistent.“
Dann sagte ein Kind:
„Ich höre Stimmen.“
Alle schlossen wieder die Augen.
Eine Stimme:
„Neue Kleider.“
Die Kinder rissen die Augen auf.
„STELLA!“
Wellenberg:
„Moment.“
Eine zweite Stimme:
„Keine Jeans.“
Die Kinder jubelten.
Mertens griff nach seinem Spektrumanalysator.
„Das ist interessant.“
Wellenberg:
„Was haben Sie jetzt wieder gemessen?“
Mertens:
„Nichts.“
„Warum ist das interessant?“
„Weil ich nichts gemessen habe.“
Wellenberg sah ihn an.
„Das ist nicht interessant.“
„Für mich schon.“
DIE SUCHE NACH DER FABRIK
Die Kinder konzentrierten sich erneut.
„Hinterer Flugzeugbereich.“
„Links.“
„Nein, rechts.“
„Da ist eine Tür!“
„Mach sie auf!“
Wellenberg sprang auf.
„Nein!“
Die Kinder öffneten natürlich keine Tür.
Sie waren schließlich telepathisch.
Aber plötzlich sagte eines:
„Ich sehe Maschinen.“
Alle verstummten.
„Welche Maschinen?“
„Große.“
„Was machen sie?“
Pause.
„Sie machen …“
Alle warteten.
„Kleider.“
Stille.
Das kleinste Kind:
„Keine Schokolade?“
„Nein.“
„Bist du sicher?“
„Ja.“
Wellenberg atmete auf.
„Sehr gut.“
Dann kam die nächste Stimme:
„Aber ganz hinten steht etwas.“
Alle Kinder:
„WAS?“
„Eine Kiste.“
„Was ist drin?“
Lange Pause.
Dann:
„Schokolade.“
Die Kinder sprangen auf.
„WIR WUSSTEN ES!“
Wellenberg:
„Moment!“
Mertens:
„Ich wusste es.“
Wellenberg:
„Sie wussten gar nichts.“
Mertens:
„Aber ich hatte eine Vermutung.“
Der Butler:
„Sehr wohl.“
HOTELSAUNA
Nicole nahm ihr Handtuch.
„Ich glaube, wir sollten wirklich etwas für die Kinder entwerfen.“
Stella nickte.
„Vielleicht eine Kollektion.“
„Für Tiketaketoker?“
„Natürlich.“
Nicole lächelte.
„Mit einer großen Tasche.“
„Wofür?“
„Schokolade.“
Stella lachte.
„Dann brauchen wir eine ziemlich große Tasche.“
Nicole:
„Acht Kinder.“
Stella:
„Acht Kinder.“
Beide sahen sich an.
Dann sagte Stella:
„Und vielleicht eine Wäscheklammer als Verschluss.“
Nicole:
„Blau.“
Stella:
„Blau.“
ZURÜCK IN DER SCROLLSTUBE
Die acht Wäscheklammerkinder lagen wieder auf dem Teppich.
Wellenberg schrieb seinen Bericht.
TELEPATHISCHER VERSUCH
Ziel: Flugzeug von Nicole Kidman.
Zweck: Auffinden einer vermuteten Schokoladenfabrik.
Ergebnis: Schokolade möglicherweise vorhanden.
Verifikation: nicht erfolgt.
Wellenberg setzte den Stift ab.
Mertens sah auf den Bericht.
„Und?“
Wellenberg:
„Keine belastbare Evidenz.“
Das kleinste Kind kam zu ihm.
„Aber wir haben sie gesehen.“
Wellenberg lächelte.
„Das glaube ich euch.“
Das Kind sah ihn an.
„Wirklich?“
„Dass ihr etwas wahrgenommen habt, ja.“
„Und dass da Schokolade war?“
Wellenberg zögerte.
Dann:
„Das weiß ich nicht.“
Das Kind grinste.
„Noch nicht.“
Wellenberg musste lachen.
Draußen über England zog ein Flugzeug durch die Nacht.
Im Inneren saß niemand in einer Schokoladenfabrik.
Oder vielleicht doch.
Ganz hinten stand eine kleine Kiste.
Weiße Schokolade.
Daneben lag ein Stück Stoff.
Blau.
Und daran:
eine Wäscheklammer.
KRRRRT.
Das Transistorradio in der Scrollstube knackte.
Der Türsteher hob den Kopf.
„RIEFUNKE.“
Wellenberg sah zum Radio.
Die acht Kinder sahen sich an.
Mertens griff nach dem Spektrumanalysator.
Der Butler öffnete sein schwarzes Buch.
Und das kleinste Wäscheklammerkinder sagte:
„Ich hab's euch doch gesagt.“
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