BREAKING:
ATIKTORIN GEHT IN DEN VERTRIEB
Slogan:
„Nimm es regelmäßig.“
Darunter in kleiner Schrift:
Keine Ahnung, wofür.
DER ERSTE ATIKTORIN-SHOP
Innerhalb von 24 Stunden eröffnete der erste Atiktorin-Shop.
Niemand wusste, wer ihn gegründet hatte.
Niemand wusste, was verkauft wurde.
Und niemand wusste, ob überhaupt etwas verkauft wurde.
Vor dem Laden stand lediglich ein Schild:
ATIKTORIN
gegen Norm-Tiktoker
Darunter:
100 % RIEFUNKE-geprüfte Unsicherheit
Wellenberg kam vorbei.
Er las das Schild.
Dann ging er hinein.
„Was verkaufen Sie hier?“
Der Verkäufer:
„Atiktorin.“
Wellenberg:
„Was ist das?“
„Atiktorin.“
„Das beantwortet meine Frage nicht.“
„Aber es beantwortet den Markt.“
Wellenberg schwieg.
„Wer hat Ihnen erlaubt, das zu verkaufen?“
Der Verkäufer zeigte auf ein Blatt Papier.
Darauf stand:
ERLAUBNIS ZUM VERKAUF VON ATIKTORIN
Darunter:
Unterschrift: Mertens
Wellenberg:
„Das ist keine Unterschrift.“
„Doch.“
„Da steht nur ‚Mertens‘.“
„Er hat wenig Zeit.“
MERTENS DISTANZIERT SICH
Mertens wurde inzwischen von mehreren Medien kontaktiert.
„Herr Mertens, sind Sie der Erfinder von Atiktorin?“
„Nein.“
„Aber Sie haben es empfohlen.“
„Das war eine spontane sprachwissenschaftliche Überlegung.“
„Sie haben gesagt, es sei revolutionär.“
„Das habe ich möglicherweise gesagt.“
„Und hilft es gegen Norm-Tiktoker?“
Mertens sah auf seinen Spektrumanalysator.
„Dafür gibt es keinerlei wissenschaftlichen Nachweis.“
Pause.
„Aber der Name ist hervorragend.“
WELLENBERG GREIFT EIN
Wellenberg erschien mit einem großen roten Ordner.
Auf dem Deckblatt stand:
ATIKTORIN – SACHLICHE PRÜFUNG
Er legte ihn auf den Tisch.
„Wir müssen hier Ordnung schaffen.“
Mertens:
„Warum?“
„Weil inzwischen Menschen glauben, Atiktorin sei ein echtes Präparat.“
Stille.
Der Butler:
„Sehr wohl.“
Wellenberg:
„Es handelt sich um eine fiktive RIEFUNKE-Erfindung.“
Mertens:
„Das steht doch auf dem Karton.“
Wellenberg nahm einen Karton.
Darauf stand:
ATIKTORIN
gegen Norm-Tiktoker
Darunter:
Inhalt: vermutlich irgendetwas
Wellenberg sah Mertens an.
„Das ist keine ausreichende Kennzeichnung.“
Mertens:
„Warum?“
„Weil ‚vermutlich irgendetwas‘ keine Inhaltsangabe ist.“
Mertens:
„Aber ehrlich.“
Wellenberg:
„Das ist der einzige vernünftige Punkt daran.“
DIE ACHT KINDER MISCHEN SICH EIN
Die acht Wäscheklammerkinder hatten inzwischen einen eigenen Vorschlag.
Sie wollten Atiktorin umbenennen.
Ihr Vorschlag:
NORMTIKTOKER-ABWEHR-EXTRAKT
Wellenberg:
„Nein.“
Zweiter Vorschlag:
TIKETAKETOKER-VITAMIN
„Nein.“
Dritter Vorschlag:
RIEFUNKE-PLUS
„Auch nein.“
Das kleinste Kind:
„Wäscheklammerin?“
Wellenberg sah es an.
Lange.
„Das besprechen wir später.“
DER TÜrSTEHER MACHT GESCHÄFTE
Vor der Scrollstube hatte der Türsteher inzwischen einen kleinen Tisch aufgestellt.
Darauf lagen:
blaue Wäscheklammern,
alte Transistorradios,
zwei Hosenträger,
eine Dose Dosenmilch
und ein Schild:
ATIKTORIN NICHT VORHANDEN
Ein Norm-Tiktoker blieb stehen.
„Warum verkaufen Sie Atiktorin nicht?“
Der Türsteher:
„Weil ich nicht weiß, was es ist.“
„Aber Mertens hat es erfunden.“
„Möglich.“
„Und Sie glauben nicht daran?“
Der Türsteher nahm einen Schluck Bier.
„Ich glaube an die Scrollstube.“
„Und an Atiktorin?“
„Nein.“
Der Norm-Tiktoker:
„Warum?“
Der Türsteher zeigte auf den Hamster.
Der Hamster saß hinter dem Schrank.
„Der glaubt auch nicht daran.“
DER HAMSTER WIRD ZUR IKONE
Inzwischen hatte jemand den Hamster gefilmt.
Das Video ging viral.
Titel:
„ATIKTORIN-HAMSTER FLÜCHTET VOR NORM-TIKTOKER!!!“
12 Millionen Aufrufe.
Dann 20 Millionen.
Dann 40 Millionen.
Der Hamster wusste davon nichts.
Er saß weiterhin hinter dem Schrank.
Ein Tiketaketoker fragte:
„Warum ist er so berühmt?“
Wellenberg:
„Weil jemand ein Video gemacht hat.“
„Kann der Hamster davon profitieren?“
Wellenberg:
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil er keinen TikTok-Account hat.“
Pause.
Die acht Kinder sahen sich an.
Das kleinste sagte:
„Noch nicht.“
Wellenberg:
„Nein.“
DER GROSSE MOMENT
Am Abend saßen alle vor dem Transistorradio.
Mertens.
Wellenberg.
Der Butler.
Der Türsteher.
Die acht Wäscheklammerkinder.
Die Ente.
Die Ziege.
Der Hamster.
Draußen warteten inzwischen mehrere Norm-Tiktoker.
Niemand wusste genau, worauf.
Dann:
KRRRRT.
Alle wurden still.
Das Radio knackte erneut.
KRRRRT.
Dann eine Stimme.
Sehr leise.
Nur ein Satz:
„Atiktorin gibt es nicht.“
Stille.
Mertens sah auf.
Wellenberg nickte.
Der Butler:
„Sehr wohl.“
Der Türsteher nahm einen Schluck Bier.
„Hab ich doch gesagt.“
Ein Norm-Tiktoker rief von draußen:
„Aber wir haben schon 40 Millionen Aufrufe!“
Der Türsteher öffnete das Fenster.
„Dann habt ihr wenigstens Reichweite.“
„Und was sollen wir jetzt machen?“
Der Türsteher dachte kurz nach.
„Scrollen.“
Das Fenster ging wieder zu.
Der Hamster kam langsam hinter dem Schrank hervor.
Die Ziege begann zu tanzen.
Die acht Kinder hielten ihre Wäscheklammern hoch.
Wellenberg nahm seinen roten Ordner.
Mertens schaltete den Spektrumanalysator ein.
Der Butler stellte Tee bereit.
Und RIEFUNKE?
RIEFUNKE sagte nichts mehr.
Denn inzwischen war allen klar:
Atiktorin war nie ein Medikament.
Es war ein Wort.
Ein Missverständnis.
Eine Erfindung.
Und inzwischen vermutlich das erfolgreichste Nicht-Produkt der gesamten RIEFUNKE-Wirtschaft.
ATIKTORIN.
Keine Wirkung.
Keine Zulassung.
Keine Inhaltsstoffe.
Aber:
100 % RIEFUNKE-Lore.
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