FUSSBALLVERBOT VOR DER SCROLLSTUBE
MEIN BÄRTIGER TÜRSTEHER GREIFT DURCH
Ab sofort ist das Fußballspielen auf dem Vorplatz der Scrollstube verboten.
Die Entscheidung traf heute mein bärtiger Türsteher.
Eine Begründung wurde nicht abgegeben.
Der Türsteher stand vor der Tür.
Er sah auf den Vorplatz.
Er sah auf den Ball.
Dann sagte er:
„Nein.“
Damit war die Sache geklärt.
DER VORFALL
Auslöser für das neue Verbot war ein Zwischenfall mit einem Norm-Tiktoker und einem YouTuber.
Beide hatten offenbar beschlossen, auf dem Vorplatz Fußball zu spielen.
Das Spiel begann harmlos.
Ein Ball wurde geschossen.
Der Ball flog.
Der YouTuber schoss zurück.
Der Norm-Tiktoker schoss ebenfalls.
Dann passierte es.
Eine Glasscheibe wurde zerstört.
Es handelte sich um die Glasscheibe zum Kinderzimmer der acht Wäschekammerkinder.
Die Kinder waren nach bisherigen Erkenntnissen gerade dabei, Wäsche zu sortieren.
Ob die Wäschekammerkinder überhaupt Fußball sehen wollten, ist nicht bekannt.
Sie sahen ihn trotzdem.
Durch das Fenster.
MERTENS SAGT: RICHTIG!
Herr Mertens wurde unmittelbar nach dem Vorfall um eine Stellungnahme gebeten.
Mertens sagte:
„Richtig!“
Danach machte er eine kurze Pause.
Dann fügte er hinzu:
„Auch der professionelle Fußball ist Betrug.“
Diese Aussage wurde von den anwesenden Tiketaketokern mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen.
Mertens erklärte weiter:
„Hier sind wir alle anständig.“
Damit war offenbar der Unterschied zwischen dem professionellen Fußball und dem Vorplatz der Scrollstube gemeint.
Beim professionellen Fußball gebe es Geld, Verträge, Stadien und sehr viele Menschen, die behaupteten, genau zu wissen, was gerade passiere.
Vor der Scrollstube gebe es dagegen:
einen Ball,
einen bärtigen Türsteher,
acht Wäschekammerkinder,
eine kaputte Glasscheibe
und keinerlei professionellen Fußball.
HIER GEHT GOETHE EIN UND AUS
Mertens wies außerdem darauf hin, dass die Scrollstube kein gewöhnlicher Ort sei.
„Hier geht Goethe ein und aus“, sagte er.
Ob Goethe tatsächlich durch die Tür gegangen ist, konnte zunächst nicht bestätigt werden.
Der Türsteher wollte sich dazu nicht äußern.
Er verwies auf seine Zuständigkeit.
Einlass.
Kein Fußball.
Sonst nichts.
AUCH NICOLE KIDMAN
Noch überraschender war die anschließende Feststellung:
Auch Nicole Kidman gehe in der Scrollstube ein und aus.
Ob sie einen VIP-Ausweis besitzt, ist nicht bekannt.
Ob sie überhaupt Fußball spielt, ist ebenfalls nicht bekannt.
Fest steht lediglich:
Sie darf offenbar durch die Tür.
Der Norm-Tiktoker hingegen darf künftig keinen Ball mehr über den Vorplatz schießen.
Damit ist die Rangordnung eindeutig.
Goethe:
rein.
Nicole Kidman:
rein.
Norm-Tiktoker mit Fußball:
raus.
YouTuber mit Schusskraft:
ebenfalls raus.
DIE ACHT WÄSCHEKAMMERKINDER
Für die acht Wäschekammerkinder wurde inzwischen eine neue Scheibe bestellt.
Die Kinder sollen künftig besonders geschützt werden.
Vor allem vor:
Fußbällen,
YouTubern,
Norm-TikTokern
und Personen, die behaupten, sie hätten den Ball nur ganz leicht geschossen.
Der bärtige Türsteher hat außerdem angekündigt, künftig besonders darauf zu achten, was auf dem Vorplatz geschieht.
Seine neue Regel lautet:
KEIN FUSSBALL.
Eine zweite Regel wurde bisher nicht bekannt gegeben.
PROFESSIONELLER FUSSBALL VERBOTEN?
Mertens ging unterdessen noch weiter.
Er schlug vor, den professionellen Fußball ebenfalls vor der Scrollstube zu verbieten.
Dies sei allerdings schwierig.
„Die kommen ja gar nicht hierher“, sagte er.
Das sei ein großer Vorteil.
Denn wer nicht komme, könne auch nichts kaputtmachen.
DIE NEUE ORDNUNG
Damit gilt ab sofort:
Fußball auf dem Vorplatz:
verboten.
Ball gegen die Glasscheibe:
verboten.
Glasscheibe der Wäschekammerkinder:
wird ersetzt.
Norm-Tiktoker:
unter Beobachtung.
YouTuber:
ebenfalls unter Beobachtung.
Mertens:
zufrieden.
Bärtiger Türsteher:
zuständig.
Goethe:
darf rein.
Nicole Kidman:
darf ebenfalls rein.
Wäschekammerkinder:
warten auf die neue Scheibe.
RIEFUNKE:
weiterhin nicht repariert.
Scrollstube:
geöffnet.
Fußball:
draußen.
FAZIT
Der Vorplatz der Scrollstube ist damit wieder ein anständiger Ort.
Hier wird nicht professionell Fußball gespielt.
Hier wird nicht professionell Fußball zerstört.
Hier wird überhaupt kein Fußball gespielt.
Hier geht Goethe ein und aus.
Hier geht Nicole Kidman ein und aus.
Hier stehen acht Wäschekammerkinder hinter einer hoffentlich bald wieder vorhandenen Glasscheibe.
Und hier entscheidet mein bärtiger Türsteher.
Er entscheidet über Einlass.
Er entscheidet über Fußball.
Er entscheidet über den Vorplatz.
Und wenn er „Nein“ sagt,
dann ist es
Nein.
Die Scrollstube bleibt damit das, was sie immer war:
Ein Ort ohne Programm.
Aber mit Türsteher.
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