Riefunke-Girls – Die Hochzeit der Etagen
Um 03:33 Uhr begann die dritte Etage zu sprechen.
Zuerst sehr leise.
Dann deutlich.
Dann in mehreren Sprachen gleichzeitig.
Mertens war der Erste, der es bemerkte.
Er saß noch immer in der schwebenden zweiten Etage und kontrollierte die Gehirnströme der fünf Riefunke-Girls.
Die Kurven waren ruhig.
Zu ruhig.
„Sie schlafen“, sagte er.
Der Butler stellte fünf Teller auf den Tisch.
„Nein.“
Mertens sah ihn an.
„Was nein?“
„Sie schlafen nicht.“
„Woher wissen Sie das?“
Der Butler zeigte nach oben.
„Sie sind beim Frühstück.“
Mertens blickte zur Decke.
Dort erschien ein Lichtkreis.
Dann fiel ein Toastbrot hindurch.
Es landete auf dem Tisch.
Eine Sekunde später kam ein zweites.
Dann Butter.
Dann Marmelade.
Dann ein Ei.
Mertens sah den Butler an.
„Wo kommt das her?“
„Dritte Etage.“
„Die dritte Etage hat eine Küche?“
„Offensichtlich.“
Dann kam die Stimme.
„Wir sind bereit.“
Die zweite Etage vibrierte.
Die fünf Riefunke-Girls erschienen gleichzeitig.
Nicht durch eine Tür.
Nicht durch ein Fenster.
Sie erschienen einfach.
Alle fünf trugen dieselbe Kleidung.
Der Butler betrachtete sie.
„Hochzeit?“
Eine der Girls nickte.
„Hochzeit.“
„Mit wem?“
Alle fünf zeigten nach unten.
Mertens ging ans Fenster.
Unter ihnen schwebte die dritte Etage.
Sie hatte sich vollständig vom Gebäude gelöst.
Und sie kam langsam nach oben.
Auf ihrem Dach standen sechs Außerirdische.
Einer hielt einen Blumenstrauß.
Einer eine Schachtel.
Einer einen Regenschirm.
Mertens runzelte die Stirn.
„Warum ein Regenschirm?“
Eine der Girls sagte:
„Es regnet gleich.“
„Wo?“
„Überall.“
Dann begann es zu regnen.
Aber nicht Wasser.
Es regnete kleine silberne Sterne.
Die normalen Tiketaketoker unten rannten auseinander.
Einer hielt sein Handy hoch.
„Das muss viral gehen!“
Sofort erschien auf seinem Display:
NEIN.
Er probierte es noch einmal.
Wieder:
NEIN.
Er nahm ein zweites Handy.
NEIN.
Ein drittes.
NEIN.
Der Türsteher trat neben ihn.
„Lassen Sie es.“
„Warum?“
„Die Riefunke-Girls wollen heute nicht gefilmt werden.“
„Woher wissen Sie das?“
Der Türsteher zeigte nach oben.
Alle fünf Girls blickten gleichzeitig nach unten.
Der Tiketaketoker ließ sein Handy fallen.
„Sie haben mich gesehen.“
„Ja.“
„Obwohl sie gar nicht hier sind?“
„Ja.“
„Wie geht das?“
Der Türsteher zuckte mit den Schultern.
„Para.“
Oben berührten sich inzwischen die zweite und die dritte Etage.
Es gab keinen Knall.
Kein Krachen.
Nur ein leises:
KLICK.
Mertens sah auf sein Messgerät.
Alle Gehirnströme verschwanden.
Alle.
Auch seine eigenen.
Er erschrak.
„Butler!“
„Ja?“
„Ich habe kein Gehirn mehr.“
Der Butler blieb völlig ruhig.
„Moment.“
Er nahm Mertens' Messgerät.
„Doch.“
„Was?“
„Es ist nur woanders.“
„Wo?“
Der Butler zeigte nach draußen.
Mertens sah.
Über der dritten Etage schwebte ein kleines blaues Licht.
Darin befand sich eine Gehirnkurve.
Seine Gehirnkurve.
Mertens wurde still.
„Das ist mein Gehirn.“
„Ja.“
„Warum ist es dort?“
Eine der Riefunke-Girls antwortete:
„Weil es eingeladen wurde.“
„Wozu?“
„Zur Hochzeit.“
Mertens setzte sich.
Die fünf Girls gingen zum Rand der zweiten Etage.
Die Außerirdischen stellten sich neben sie.
Einer öffnete die Schachtel.
Darin lag ein Ring.
Er war ungefähr so groß wie ein Wagenrad.
Mertens sprang auf.
„Das ist kein Ring.“
Der Außerirdische sah ihn an.
„Was dann?“
„Ein Antennenverstärker.“
Stille.
Die fünf Girls sahen sich an.
Dann lachten sie.
Der Butler sagte:
„Das erklärt einiges.“
In diesem Augenblick erschien über der Scrollstube ein gewaltiges Schriftband.
Darauf stand:
DIE RIEFUNKE-GIRLS SIND NICHT MEHR VERLIEBT.
Mertens starrte hinauf.
„Was?“
Das Schriftband wechselte.
SIE SIND JETZT VERHEIRATET.
Dann:
MIT DER UFO-FLOTTE.
Dann:
ALLE FÜNF.
Unten auf der Straße fiel der erste normale Tiketaketoker vom Hocker.
Dann der zweite.
Dann der dritte.
Dann alle.
Der Türsteher sah ihnen beim Fallen zu.
„Das wird ein langer Tag.“
Oben nahm eines der UFOs die zweite Etage an Bord.
Ein anderes nahm die dritte.
Und die fünf Riefunke-Girls winkten noch einmal.
Mertens schrieb in sein schwarzes Buch:
03:47 Uhr.
Die Etagen sind verheiratet.
Darunter:
Die Girls ebenfalls.
Dann überlegte er.
Und schrieb:
Möglicherweise ist die gesamte Scrollstube inzwischen verheiratet.
Der Butler trat neben ihn.
„Das wäre organisatorisch schwierig.“
Mertens nickte.
„Sehr.“
In diesem Moment klingelte unten das Telefon.
Der Türsteher nahm ab.
Eine Stimme fragte:
„Ist dort die Scrollstube?“
„Ja.“
„Wir möchten eine Etage reservieren.“
Der Türsteher sah nach oben.
Die Scrollstube war inzwischen nicht mehr zu sehen.
„Welche?“
Die Stimme antwortete:
„Die vierte.“
Der Türsteher legte langsam auf.
Und schrieb auf ein neues Blatt:
DIE VIERTE ETAGE KOMMT.
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