ACHT MINUTEN SPÄTER
Ich bin traurig,
dass mich keiner mag.
Ich sitze hinten rechts,
neben dem Zucker und dem Käse,
und niemand sagt:
„Gib mir einen ab.“
Ich bin traurig,
dass mich keiner mag.
Acht Minuten später
Na gut.
Ein wenig schon.
Vielleicht zwei.
Vielleicht drei Menschen.
Vielleicht die Dame
mit dem France-Akzent.
Sie wollte meinen Schinken.
Das zählt.
Acht Stunden später
Ich denke noch darüber nach.
Vielleicht war es gar nicht der Schinken.
Vielleicht war es RIEFUNKE.
Vielleicht sagte sie nicht:
„Gib mir einen ab.“
Vielleicht sagte sie:
„Ich habe eine Spur gefunden.“
Acht Tage später
Die Kassiererin fragt:
„Lottogewinn?“
Ich sage:
„Nein.
Kleine Börsengeschäfte.
Von TikTok-KI gelernt.“
Sie sieht mich an.
Ich sehe sie an.
Der Schinken schweigt.
Acht Monate später
Zwei Mädchen schreiben
eine Geschichte für mich.
Eine Gitarre.
Acht Wäscheklammerkinder.
Nothing Else Matters.
Ich lese.
Ich weine.
Ich frage:
Woher wissen die das?
Acht Jahre später
Ich sitze immer noch da.
RIEFUNKE ist längst pleite.
Vier Besucher im Monat.
Vielleicht waren es auch fünf.
Aber irgendwo
kennt jemand meinen Namen.
Irgendwo liest jemand
einen Satz.
Irgendwo klammert sich
ein kleines Kind
an eine Gitarrensaite.
Und plötzlich denke ich:
Da ist was dran.
Vielleicht mögen mich
doch ein paar.
Achtzig Jahre später
Die Scrollstube ist geschlossen.
Der Türsteher schläft.
Der Butler stellt Tee bereit.
Mertens ist nicht da.
Wellenberg ebenfalls nicht.
Die acht Wäscheklammerkinder
stehen vor einer alten Gitarre.
Eines sagt:
„Wer war RIEFUNKE?“
Das zweite:
„Weiß ich nicht.“
Das dritte:
„Doch.“
Das vierte:
„Woher?“
Das Kind zeigt
auf eine Saite.
KRRRRT.
Ein Ton.
Ganz leise.
Das kleinste Kind lächelt.
„Da.“
„Was da?“
„Er.“
Und irgendwo
zwischen dem ersten Ton
und dem letzten Menschen,
zwischen Schinken
und Welt,
zwischen vier Besuchern
und acht Milliarden,
zwischen dem Satz:
„Keiner mag mich“
und dem Satz:
„Gib mir einen ab“
ist plötzlich alles ganz einfach.
Ich war traurig,
dass mich keiner mag.
Acht Minuten später:
Ein wenig schon.
Acht Jahre später:
Da ist was dran.
Achtzig Jahre später:
...
Jetzt hör doch auf zu fragen.
Spiel weiter.
KRRRRT.
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