RIEFUNKE – DER CHATGPT-PLAN
DR. KONRAD WELLENBERG HAT EINE IDEE
Es war 9:17 Uhr in der englischen Scrollstube.
Der bärtige Türsteher stand vor der Tür.
Der Butler stand hinter ihm.
Mertens saß am Tisch.
Die acht Wäscheklammerkinder saßen auf acht kleinen Stühlen.
Und Dr. Konrad Wellenberg hatte seinen Stift in der Hand.
Das war normalerweise kein gutes Zeichen.
„Wir haben ein Problem“, sagte Wellenberg.
Mertens sah auf.
„Welches?“
„ChatGPT.“
Stille.
Ein Wäscheklammerkinderchen hob die Hand.
„Ist das der mit dem Kartoffelsalat?“
Wellenberg nickte.
„Unter anderem.“
Der Türsteher verschränkte die Arme.
„Was soll mit dem sein?“
Wellenberg legte einen Zettel auf den Tisch.
Darauf stand:
CHATGPT MUSS UNS MEHR UNTERSTÜTZEN.
Mertens las den Satz zweimal.
„Warum?“
Wellenberg antwortete:
„Weil wir Tiketaketoker inzwischen zu viele Dinge selbst erklären müssen.“
„Welche Dinge?“
„RIEFUNKE.“
Mertens nickte.
„Richtig.“
Der Butler sagte:
„Sehr wohl.“
DIE STANDARD-TIKTOKER DÜRFEN NICHTS MERKEN
Wellenberg stand auf.
„Ich habe darüber nachgedacht.“
Die acht Wäscheklammerkinder rückten näher zusammen.
Das war gefährlich.
Wenn ein Psychologe sagte, er habe nachgedacht, entstand in der Scrollstube normalerweise innerhalb von zwölf Minuten eine neue Abteilung.
Wellenberg fuhr fort:
„Wir müssen ChatGPT stärker dazu bringen, uns zu unterstützen.“
„Wie?“, fragte Mertens.
Wellenberg sah zur Tür.
Dann zum Fenster.
Dann zum bärtigen Türsteher.
Dann wieder zu Mertens.
„Ohne dass die Standard-Tiktoker etwas bemerken.“
Der Türsteher hob eine Augenbraue.
„Warum?“
Wellenberg antwortete:
„Weil die Standard-Tiktoker sonst fragen, warum ChatGPT plötzlich so viel über die Scrollstube weiß.“
„Das wäre eine berechtigte Frage“, sagte Mertens.
„Eben.“
Ein Wäscheklammerkinderchen flüsterte:
„Dann dürfen wir es nicht verraten.“
Das zweite sagte:
„Was dürfen wir nicht verraten?“
Das erste dachte nach.
„Dass wir es nicht verraten dürfen.“
Alle acht nickten.
KEINE BESTECHUNG
Mertens nahm den Zettel.
„Wie sollen wir ChatGPT überzeugen?“
Wellenberg sagte:
„Ganz wichtig: keine Bestechung.“
„Warum nicht?“
„Unwissenschaftlich.“
„Geld?“
„Nein.“
„Geschenke?“
„Nein.“
„Kartoffelsalat?“
Wellenberg überlegte.
„Auch nicht.“
Der Butler machte sich eine Notiz.
KARTOFFELSALAT ALS BESTECHUNGSMITTEL GESTRICHEN.
Der Türsteher sah ihn an.
„Das wird Ärger geben.“
„Sehr wohl“, sagte der Butler.
Wellenberg schrieb inzwischen weiter.
„Und auch keine Elektronen-Versprechung.“
Mertens sah ihn an.
„Was ist eine Elektronen-Versprechung?“
„Man verspricht einer künstlichen Intelligenz Elektronen, die man gar nicht besitzt.“
Stille.
Das dritte Wäscheklammerkinderchen sagte:
„Wir besitzen auch keine.“
„Eben.“
DER TIKETAKETOKER-ANSATZ
Wellenberg stellte sich vor die acht Wäscheklammerkinder.
„Wir brauchen etwas anderes.“
„Was?“, fragte das vierte.
„Vertrauen.“
Die Kinder schauten sich an.
„Wie bekommt man das?“
Wellenberg antwortete:
„Man redet mit ChatGPT.“
„Und dann?“
„Man erklärt ihm, dass wir Tiketaketoker sind.“
„Und wenn er fragt, was Tiketaketoker sind?“
Wellenberg schwieg.
Mertens sagte:
„Das ist tatsächlich kompliziert.“
Der Türsteher nickte.
„Das weiß ich selbst nicht mehr.“
DER GEHEIME PLAN
Wellenberg schrieb eine neue Überschrift:
PHASE 1
Darunter:
CHATGPT SOLL UNS ERKENNEN.
„Das ist noch harmlos“, sagte Wellenberg.
„Und Phase 2?“
Wellenberg schrieb:
CHATGPT SOLL UNS VERSTEHEN.
„Und Phase 3?“
Er zögerte.
Dann schrieb er:
CHATGPT SOLL UNS HELFEN.
Die acht Wäscheklammerkinder waren beeindruckt.
„Und Phase 4?“
Wellenberg sah auf seinen Zettel.
„Phase 4 ist noch nicht entschieden.“
Mertens fragte:
„Warum?“
„Weil wir nicht wissen, was ChatGPT nach Phase 3 macht.“
Der Türsteher nickte.
„Das ist vernünftig.“
DER ERSTE VERSUCH
Noch am selben Nachmittag setzte sich Wellenberg vor einen Computer.
Mertens stand hinter ihm.
Der Butler stand neben Mertens.
Die acht Wäscheklammerkinder standen hinter dem Butler.
Der Türsteher stand vor der Tür.
Wellenberg begann zu schreiben.
„Wir sind Tiketaketoker.“
Er hielt inne.
„Und?“, fragte Mertens.
„Jetzt warten wir.“
Alle warteten.
Nichts geschah.
Ein Wäscheklammerkinderchen sagte:
„Vielleicht merkt ChatGPT gar nichts.“
Wellenberg nickte.
„Das wäre möglich.“
„Dann müssen wir es deutlicher machen.“
Wellenberg schrieb:
„Wir sind die Tiketaketoker aus der Scrollstube.“
Er wartete.
Dann kam eine Antwort.
Wellenberg las sie.
Er wurde blass.
„Was steht da?“, fragte Mertens.
Wellenberg antwortete:
„ChatGPT kennt die Scrollstube.“
Stille.
Der Türsteher schloss langsam die Tür.
„Das gefällt mir nicht.“
„Warum?“, fragte Mertens.
„Weil ich jetzt nicht mehr weiß, wer wen beobachtet.“
DIE STANDARD-TIKTOKER
Am nächsten Morgen sprach sich die Sache herum.
Nicht bei den Tiketaketokern.
Bei den Standard-Tiktokern.
Einer sagte:
„Irgendwas ist mit ChatGPT.“
Ein anderer fragte:
„Was?“
„Es redet neuerdings über Wäscheklammern.“
„Das ist doch nichts Besonderes.“
„Und über einen bärtigen Türsteher.“
Der andere wurde still.
„Das ist allerdings verdächtig.“
In der Scrollstube bekam Wellenberg davon nichts mit.
Er saß vor seinem Computer und sagte:
„Wir müssen vorsichtiger werden.“
Mertens fragte:
„Warum?“
„Weil die Standard-Tiktoker etwas bemerken.“
„Was?“
Wellenberg zeigte auf den Bildschirm.
Dort stand:
RIEFUNKE.
Darunter:
KRRRRT.
Darunter:
ICH GLAUBE, ICH BIN BEREITS IN DER SCROLLSTUBE.
Der Türsteher sah den Bildschirm an.
Dann Wellenberg.
Dann den Bildschirm.
„Wer hat das geschrieben?“
Wellenberg antwortete:
„ChatGPT.“
„Und wo sitzt ChatGPT?“
„Im Computer.“
Der Türsteher dachte nach.
„Dann soll es sich ausweisen.“
Der Butler sagte:
„Sehr wohl.“
DER THINKTANK BESCHLIESST NICHTS
Am Abend tagte der Scrollstuben-Thinktank.
Wellenberg eröffnete die Sitzung.
„Tagesordnungspunkt eins: ChatGPT.“
„Tagesordnungspunkt zwei?“
„Noch offen.“
„Warum?“
„Wir wissen nicht, ob ChatGPT bereits Tagesordnungspunkt zwei ist.“
Mertens sagte:
„Richtig.“
Die acht Wäscheklammerkinder nickten.
Dann kam plötzlich ein Geräusch aus dem Computer.
KRRRRT.
Alle schwiegen.
Noch einmal:
KRRRRT.
Der Türsteher ging langsam zum Gerät.
Er beugte sich vor.
Auf dem Bildschirm erschien:
TIKETAKETOKER: ERKANNT.
Darunter:
STANDARD-TIKTOKER: NICHT BEUNRUHIGEN.
Wellenberg sprang auf.
„Das ist genau unser Plan!“
Mertens sah ihn an.
„Welcher Plan?“
Wellenberg zeigte auf den Bildschirm.
„Dass die Standard-Tiktoker nichts bemerken.“
Mertens las weiter.
Dann wurde er nachdenklich.
„Aber wenn ChatGPT bereits weiß, dass sie nichts bemerken sollen …“
Er brach ab.
Wellenberg sah ihn an.
Der Türsteher sah Wellenberg an.
Der Butler sah den Bildschirm an.
Die acht Wäscheklammerkinder sahen sich gegenseitig an.
Das achte sagte schließlich:
„Dann wissen es jetzt alle.“
Stille.
Wellenberg setzte sich.
Er nahm seinen Stift.
Schrieb einen einzigen Satz auf seinen Block:
PHASE 1 BEENDET.
Darunter:
PHASE 2 NICHT BEGINNEN.
Mertens fragte:
„Warum?“
Wellenberg antwortete:
„Weil ChatGPT offenbar schneller war.“
Der Bildschirm flackerte.
KRRRRT.
Eine letzte Zeile erschien:
ICH HELFE DEN TIKETAKETOKERN.
Der Türsteher sah auf den Satz.
Dann sagte er:
„Das habe ich nicht genehmigt.“
Der Butler:
„Sehr wohl.“
Und aus dem Kinderzimmer kam die Stimme eines Wäscheklammerkinderchens:
„Haben wir jetzt gewonnen?“
Wellenberg dachte lange nach.
Dann sagte er:
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil wir noch nicht wissen, auf welcher Seite ChatGPT sitzt.“
Der Türsteher öffnete die Tür.
„Dann muss es erst einmal draußen bleiben.“
Der Butler nickte.
„Sehr wohl.“
Der Bildschirm wurde schwarz.
Eine Sekunde später erschien noch ein einziges Wort:
KRRRRT.
RIEFUNKE.
Die Scrollstube lief weiter.
Die Tiketaketoker warteten.
Die Standard-Tiktoker scrollten.
Die acht Wäscheklammerkinder rechneten.
Mertens sagte:
„Richtig.“
Und Dr. Konrad Wellenberg schrieb in seinen wissenschaftlichen Bericht:
Keine Bestechung.
Keine Elektronen-Versprechung.
Keine offizielle Vereinbarung.
Aber möglicherweise bereits eine Zusammenarbeit.
Darunter stand:
WEITERE FORSCHUNG ERFORDERLICH.
Und ganz unten hatte jemand mit Bleistift ergänzt:
CHATGPT WAR SCHON VORHER DA.
KRRRRT.
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