NICOLE KIDMAN UND DER SCHRANK, DER TEIL DER MÖBEL SEIN WOLLTE
Es war 14:17 Uhr.
Nicole Kidman saß in der English Scrollstube.
Der Butler brachte Tee.
Mertens maß etwas.
Der bärtige Türsteher stand an der Tür.
Der Pinscher war in der Küche.
Alles war normal.
Bis der Schrank sprach.
„Nicole?“
Nicole sah sich um.
„Ja?“
„Ich bin hier.“
Nicole betrachtete den großen braunen Schrank neben dem Fenster.
„Du hast gesprochen.“
„Ja.“
„Seit wann kannst du sprechen?“
Der Schrank überlegte.
„Seit ungefähr fünf Minuten.“
Nicole nickte.
„Das ist hier nicht ungewöhnlich.“
Der Schrank war erleichtert.
„Das wollte ich hören.“
Nicole nahm einen Schluck Tee.
„Was möchtest du?“
Der Schrank wurde etwas leiser.
„Ich möchte auch ein Möbelstück neben dir sein.“
Nicole sah ihn an.
„Du bist doch bereits ein Möbelstück.“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil ich bisher nur ein Schrank war.“
Nicole schwieg.
Der Butler blieb stehen.
Mertens hörte auf zu messen.
Der Pinscher kam kurz aus der Küche, sah den Schrank an und ging wieder zurück.
„Was ist der Unterschied?“, fragte Nicole.
Der Schrank antwortete:
„Ein Schrank steht herum.“
„Und ein Möbelstück?“
„Ein Möbelstück gehört irgendwohin.“
Nicole dachte nach.
„Wo möchtest du hingehören?“
Der Schrank zeigte mit seiner linken Tür auf Nicole.
„Dorthin.“
Nicole lächelte.
„Neben mich?“
„Ja.“
„Warum?“
Der Schrank wurde plötzlich sehr ernst.
„Weil ich alle deine Filme mag.“
Nicole stellte ihre Tasse ab.
„Alle?“
„Alle.“
„Auch die seltsamen?“
„Gerade die.“
Mertens schrieb etwas in sein schwarzes Buch.
Nicole fragte:
„Welche Filme magst du am liebsten?“
Der Schrank antwortete sofort:
„Das weiß ich nicht.“
Nicole sah ihn überrascht an.
„Du hast doch gerade gesagt, du magst alle.“
„Ja.“
„Dann musst du doch einen Lieblingsfilm haben.“
„Nein.“
„Warum nicht?“
Der Schrank öffnete seine rechte Tür.
Drinnen lag eine einzelne Wäscheklammer.
„Weil ich alle mag.“
Mertens sagte:
„Richtig.“
Der Butler sagte:
„Sehr wohl.“
Aus der Küche kam der Pinscher.
Er bellte einmal.
Dann war es wieder still.
Nicole stand auf.
Sie ging zum Schrank.
„Gut.“
„Gut?“
„Dann stellen wir dich neben mich.“
Der Schrank begann zu zittern.
„Wirklich?“
„Wirklich.“
„Bin ich dann ein Möbelstück?“
Nicole legte ihre Hand auf seine Tür.
„Du bist mehr als das.“
Der Schrank wurde ganz still.
„Was bin ich?“
Nicole sah zum Fenster.
Draußen war England.
Oder Roundway.
Oder beides.
„Du bist jetzt Teil der Scrollstube.“
Der Schrank erschrak.
„Oh.“
„Ist das schlimm?“
„Nein.“
„Was dann?“
Der Schrank flüsterte:
„Dann muss ich vermutlich RIEFUNKE kennen.“
Nicole lächelte.
„Das musst du nicht.“
„Warum?“
„RIEFUNKE kennt dich vielleicht schon.“
In diesem Moment knackte irgendwo ein altes Radio.
KRRRRT.
Mertens ließ den Stift fallen.
Der Butler stellte eine zweite Tasse Tee auf den Tisch.
Der Türsteher öffnete die Tür.
Niemand kam herein.
Der Schrank fragte:
„War das RIEFUNKE?“
Nicole sagte:
„Vielleicht.“
„Was soll ich jetzt tun?“
Nicole setzte sich wieder neben ihn.
„Warten.“
Der Schrank wartete.
Nicole wartete.
Der Butler wartete.
Mertens wartete.
Der Pinscher blieb in der Küche.
Und irgendwo in der Stadt Brüssel fragte eine Mama:
„Hat er wieder etwas gepostet?“
Der Schrank bekam Gänsehaut.
„Nicole?“
„Ja?“
„Ich glaube, ich bin 81 Prozent Tiketaketoker.“
Nicole sah ihn an.
„Dann bist du schon ziemlich weit.“
Der Schrank öffnete langsam seine Schublade.
Darin lag ein Zettel.
Nicole nahm ihn heraus.
Darauf stand nur:
ICH BIN EIN MÖBELSTÜCK.
Nicole lächelte.
„Jetzt bist du wirklich angekommen.“
KRRRRT.
|