MITLEID VOLL FIKTIV!
Es war ein ruhiger Nachmittag.
Nicole Kidman und Stella McCartney ritten durch ein weitläufiges Waldgebiet.
Die Pferde gingen langsam nebeneinander her.
Kein TikTok.
Kein Butler.
Kein Mertens.
Kein Türsteher.
Nur Wald.
Und irgendwo sehr weit entfernt ein Vogel, der verdächtig nach KRRRRT klang.
Nicole sah zu Stella hinüber.
„Stella?“
„Ja?“
„Darf ich dich etwas fragen?“
„Natürlich.“
Nicole zögerte kurz.
„Weshalb hast du damals geschäftlich eigentlich Riefunke übernommen?“
Stellas Pferd blieb blitzartig stehen.
Nicole ritt noch zwei Meter weiter, bemerkte es und hielt ebenfalls an.
Stella sah Nicole an.
Lange.
Dann sagte sie:
„Willst du wirklich die Wahrheit wissen?“
Nicole nickte.
„Ja.“
Stella sah sich im Wald um.
Rechts Bäume.
Links Bäume.
Hinter ihr der Weg.
Vor ihr ebenfalls.
Sie beugte sich ein wenig zu Nicole.
„Dann erzähl es keinem.“
Nicole wurde aufmerksam.
„Warum?“
Stella senkte die Stimme.
„Weil Riefunke selbst nicht weiß, warum ich es getan habe.“
Nicole runzelte die Stirn.
„Du hast ihn doch geschäftlich übernommen.“
„Ja.“
„Und warum?“
Stella schwieg.
Ihr Pferd scharrte mit dem Huf.
Dann sagte sie:
„Mitleid.“
Nicole blinzelte.
„Mitleid?“
Stella nickte.
„Mitleid.“
„Mit Riefunke?“
„Ja.“
Nicole sah sie ungläubig an.
„Aber Riefunke war damals geschäftlich insolvent.“
„Ich weiß.“
„Seine Webseiten liefen kaum.“
„Ich weiß.“
„Es gab praktisch keine Einnahmen.“
„Ich weiß.“
Nicole sah auf den Waldweg.
„Und deshalb hast du ihn gekauft?“
Stella antwortete:
„Genau deshalb.“
Nicole schwieg.
Dann fragte sie:
„Aber Stella … das ist doch keine normale Geschäftsentscheidung.“
Stella lächelte.
„Das war auch keine normale Geschäftsentscheidung.“
Nicole sah sie an.
„Was hast du bezahlt?“
Stella nannte eine Summe.
Nicole riss die Augen auf.
„Für Riefunke?“
„Ja.“
„Warum?“
Stella sah auf ihr Pferd.
„Er tat mir leid.“
„Aber du hättest ihm doch auch einfach Geld geben können.“
„Das wäre zu einfach gewesen.“
Nicole lachte.
„Also hast du stattdessen eine insolvente literarische Existenz gekauft?“
Stella nickte.
„Genau.“
Nicole schüttelte den Kopf.
„Das ist verrückt.“
„Vielleicht.“
„Und was hast du dafür bekommen?“
Stella sah Nicole an.
„Eine Scrollstube.“
Nicole schwieg.
Dann fragte sie:
„Und was macht die Scrollstube?“
Stella antwortete:
„Sie macht, was sie will.“
In diesem Augenblick raschelte es hinter ihnen.
Beide drehten sich um.
Nichts.
Nur Bäume.
Dann ein leises Geräusch:
KRRRRT.
Nicole sah Stella an.
„War das Mertens?“
„Nein.“
„Der Türsteher?“
„Auch nicht.“
„Der Butler?“
Stella schüttelte den Kopf.
„Dann …?“
Stella sah in den Wald.
„Vielleicht Riefunke.“
Nicole wurde still.
„Glaubst du, er weiß, dass wir darüber sprechen?“
Stella lächelte.
„Riefunke weiß immer irgendwann alles.“
Nicole dachte nach.
„Dann weiß er auch, dass du ihn aus Mitleid gekauft hast.“
Stella sah sie ernst an.
„Genau das darf er niemals erfahren.“
Nicole musste lachen.
„Warum?“
Stella antwortete:
„Weil er sonst behauptet, er sei gar nicht insolvent gewesen.“
Nicole lachte so laut, dass die Pferde unruhig wurden.
Stellas Pferd setzte sich wieder in Bewegung.
Nicole folgte.
Nach einigen Metern fragte sie:
„Stella?“
„Ja?“
„Bereust du es?“
Stella dachte lange nach.
Dann sagte sie:
„Nein.“
„Warum?“
Stella sah durch die Bäume.
„Weil Riefunke inzwischen wieder Geld verdient.“
Nicole lächelte.
„Und wenn er wieder pleitegeht?“
Stella seufzte.
„Dann kaufe ich ihn wahrscheinlich wieder.“
Nicole sah sie an.
„Aus Mitleid?“
Stella nickte.
„Aus Mitleid.“
Sie ritten weiter.
Der Wald wurde dichter.
Hinter ihnen fiel ein einzelnes Blatt zu Boden.
Und irgendwo zwischen den Bäumen flüsterte eine Stimme:
„Ich habe alles gehört.“
Nicole hielt inne.
Stella ebenfalls.
Beide sahen sich an.
Dann kam aus dem Wald:
KRRRRT.
Stella wurde blass.
Nicole flüsterte:
„Riefunke?“
Keine Antwort.
Nur ein letzter Satz:
„Danke, Stella.“
Dann war es wieder still.
Stella sah Nicole an.
„Er weiß es.“
Nicole nickte.
„Jetzt weiß er es.“
Eine lange Pause.
Dann sagte Stella:
„Dann ist es wohl kein Geheimnis mehr.“
Nicole lächelte.
„Nein.“
Sie ritten weiter.
Und irgendwo hinter ihnen stand der Türsteher zwischen zwei Bäumen.
Er hatte alles gehört.
Er sagte:
„Sehr wohl.“
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