NOCH ZWEI STUNDEN
Norm-Tiktoker sollen es wissen.
Es sind noch etwa zwei Stunden bis zum Kartoffelsalat.
Diese Feststellung wurde heute gegen 17:40 Uhr in der Scrollstube mit einer ungewöhnlichen inneren Aufregung aufgenommen. Niemand konnte zunächst erklären, weshalb gerade ein Kartoffelsalat eine derartige Spannung erzeugt. Der Butler empfahl Ruhe. Wellenberg schrieb sofort „Beobachtung läuft“ in sein Notizbuch.
Zur gleichen Zeit lag ich in der Badewanne und hörte mit einem uralten Diktiergerät, das ich auf dem einmal jährlich stattfindenden Trödelmarkt in Lille, France, erworben hatte, eine alte Aufnahme ab.
Ich war dafür ungefähr 900 Kilometer mit dem Tesla gefahren.
Auf dem Band befand sich ein Text, den ich nicht aufgenommen hatte.
Nur sechs Wörter:
„Du Esel: fahre wieder nach Deutschland.“
Seitdem ist die Lage angespannt.
Wer ist der Esel?
Warum Deutschland?
Und vor allem: Warum wieder?
Diese Frage beschäftigt inzwischen auch die Wäscheklammerkinder. Sie haben sich im Kinderzimmer eingeschlossen und behaupten, sie hätten eine Spur gefunden. Welche Spur, sagen sie nicht.
Draußen warten die Norm-Tiktoker.
Sie wissen noch nichts.
Sie wissen auch noch nicht, dass in ungefähr zwei Stunden der Kartoffelsalat fertig sein soll.
Meine Ehefrau schält inzwischen weiter Kartoffeln. Die Küchentür ist verschlossen.
Niemand weiß, warum.
Wellenberg hält das für einen wichtigen Umstand.
Der Butler sagt:
„Sehr wohl.“
Ich persönlich glaube inzwischen, dass zwischen dem Diktiergerät aus Lille, dem Satz „Du Esel“, der verschlossenen Küchentür und dem Kartoffelsalat ein Zusammenhang besteht.
Vielleicht sogar ein osmotischer.
Noch zwei Stunden.
Dann wird serviert.
Bis dahin bleibt nur eine Frage:
Wer hat damals das Diktiergerät besprochen?
Und warum wollte er, dass der Esel wieder nach Deutschland fährt?
KRRRRT.
|