Die drei Herren aus Berlin
Es war herbstlich geworden.
Draußen regnete es.
Noch immer waren keine Lehrerverträge für die neue Empathieschule abgeschlossen worden.
Die acht Kinderchen warteten.
Der Butler wartete ebenfalls.
Er hatte inzwischen wieder Baldriantropfen.
Dann kamen drei Herren aus Berlin.
Sie kamen mit dem Fahrrad.
Alle drei trugen Krawatten.
Die Fahrräder waren nass.
Die Krawatten auch.
Der Türsteher sah sie an.
„Wohin?“
Der erste Herr sagte:
„Zur Befragung.“
„Warum?“
Der zweite Herr antwortete:
„Wir sollen ein schlechtes Gewissen haben.“
Der Türsteher dachte kurz nach.
„Haben Sie eins?“
Die drei Herren sahen sich an.
„Das wird noch untersucht.“
Damit begann die Befragung.
Sie dauerte.
Und dauerte.
Kinderchen Nummer 6 stellte die erste Frage:
„Wofür haben Sie ein schlechtes Gewissen?“
Der erste Herr schwieg.
Der zweite Herr sah auf seine Krawatte.
Der dritte Herr sagte:
„Das wissen wir noch nicht.“
Die Befragung wurde fortgesetzt.
Am Abend stand fest:
Die drei Herren würden bleiben.
Sie bekamen ein Notzelt.
Das Notzelt stand hinter der Scrollstube.
Es regnete weiter.
Zum Abendessen gab es Reissuppe.
Mit Lorbeer.
Mit Zwiebeln.
Und mit Aldi-Tomatenmark.
Der Butler verteilte die Teller.
„Sehr wohl.“
Die drei Herren aus Berlin saßen im Zelt.
Einer hielt seinen Teller mit beiden Händen.
„Ist das die Empathieschule?“
Der Butler schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Kurze Pause.
„Das ist die Vorbereitung.“
Kinderchen Nummer 6 kam vorbei.
Es sah in den Topf.
„Morgen machen wir mehr.“
„Mehr Suppe?“, fragte einer der Herren.
Kinderchen Nummer 6 sah ihn an.
„Mehr Empathie.“
Draußen fiel Regen auf das Notzelt.
Drinnen wurde weiter befragt.
Noch immer war nicht geklärt, ob die drei Herren tatsächlich ein schlechtes Gewissen hatten.
Aber alle drei waren sich inzwischen einig:
Die Reissuppe war gut.
KRRRRT.
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