Solarzelle über dem Notzelt
Der reale Bau der Empathieschule hatte sich weiter verzögert.
Die norwegische Holzbauweise erwies sich als aufwendig.
Die acht Wäscheklammerkinderchen wollten trotzdem nicht länger warten.
Die drei Herren aus Berlin wohnten noch immer im Notzelt.
Dort war es inzwischen ziemlich dunkel geworden.
Kinderchen Nummer 6 betrachtete das Zelt.
Dann betrachtete es den Himmel.
Dann hatte es eine Idee.
Am nächsten Morgen wurde über dem Notzelt eine Solarzelle installiert.
Niemand wusste genau, woher sie kam.
Aber sie funktionierte.
Ab sofort hatten die drei Herren Licht.
Der erste Herr war beeindruckt.
„Das ist sehr nachhaltig.“
Kinderchen Nummer 6 nickte.
„Ja.“
Der zweite Herr fragte:
„Und wofür ist das Licht?“
Kinderchen Nummer 6 antwortete:
„Für Goethe.“
Stille.
Am Abend lagen drei Goethetexte im Notzelt.
Die drei Herren saßen darunter.
Das Licht der Solarzelle leuchtete auf die Seiten.
Einer begann vorzulesen.
Der zweite hörte zu.
Der dritte sah aus dem Zelt.
Es regnete noch immer.
Aus der Scrollstube kam der Butler.
Er betrachtete die Solarzelle.
„Sehr wohl.“
Dann sah er in das Notzelt.
„Kulturell angemessen.“
Kinderchen Nummer 6 stand daneben.
„Wenn die Schule fertig ist, brauchen wir mehr Solarzellen.“
„Wofür?“, fragte der Butler.
Kinderchen Nummer 6 dachte kurz nach.
„Für die Empathie.“
Der Butler nickte.
„Sehr wohl.“
Im Notzelt blätterte einer der Herren weiter.
Draußen regnete es.
Über ihnen funktionierte die Solarzelle.
Und irgendwo im Kinderzimmer wurde bereits überlegt, ob man Goethe auch mit Solarstrom kaufen könne.
KRRRRT.
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