GOETHE UND DIE WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN
Nummer 1 bis 8 und die Zukunft, die schon vergeben war
Ein pazifistisches RIEFUNKE-Spektakel über Kinderrechte, Verantwortung und die merkwürdige Vorstellung, dass ausgerechnet diejenigen am wenigsten mitreden dürfen, die am längsten mit den Folgen leben müssen
Goethe saß in seinem Lehnstuhl.
Auf seinem Schoß saßen Nummer 1, Nummer 2, Nummer 3, Nummer 4, Nummer 5, Nummer 6, Nummer 7 und Nummer 8.
Nummer 1 betrachtete einen Globus.
Nummer 2 drehte ihn.
Nummer 3 suchte das Land, in dem es die größten Kekse gab.
Nummer 4 erklärte, dass dies eine geopolitisch unzureichende Fragestellung sei.
Nummer 5 wollte wissen, ob es dort auch Schokoladenkekse gebe.
Nummer 6 suchte die Ozeane.
Nummer 7 suchte die Grenzen.
Nummer 8 betrachtete die Erde von oben.
„Goethe?“
„Ja, mein Kind?“
„Wem gehört eigentlich die Zukunft?“
Goethe nahm seine Brille ab.
„Das ist eine bemerkenswert große Frage für einen so kleinen Schoß.“
„Wir sind acht“, sagte Nummer 1.
„Das macht den Schoß nicht größer.“
„Dann musst du eben enger zusammensitzen“, sagte Nummer 3.
Goethe rückte zurecht.
„Nun gut. Warum fragst du?“
Nummer 8 zeigte auf den Globus.
„Die Erwachsenen entscheiden, was mit der Erde geschieht. Aber wir müssen später damit leben.“
Nummer 2 nickte.
„Sie entscheiden über Kriege, obwohl wir die Toten noch nicht einmal kennen.“
Nummer 4 ergänzte:
„Sie verbrauchen Dinge, die wir später vielleicht brauchen.“
Nummer 6 sagte:
„Und wenn wir fragen, warum sie das tun, sagen sie, wir seien zu klein, um es zu verstehen.“
Nummer 5 hob den Finger.
„Das ist besonders ärgerlich, wenn man groß genug ist, um den Müll wegzuräumen.“
Nummer 7 grinste.
„Oder klein genug, um unter dem Konferenztisch die richtigen Fragen zu stellen.“
Goethe lächelte.
„Vielleicht solltet ihr die Erwachsenen einmal einladen.“
Nummer 1 sprang auf.
„Eine Versammlung!“
Nummer 2 rief:
„Mit Tagesordnung!“
Nummer 3 fragte:
„Mit Keksen?“
Nummer 4 antwortete:
„Ohne Kekse wird die Beschlussfähigkeit gefährdet.“
Und so wurde eine Einladung geschrieben.
EINLADUNG AN ALLE ERWACHSENEN
Wir möchten mit euch über die Zukunft sprechen.
Ihr dürft eure Anzüge anziehen.
Ihr dürft eure Aktenordner mitbringen.
Ihr dürft eure wichtigen Gesichter aufsetzen.
Aber bitte bringt auch die Bereitschaft mit, Fragen zu beantworten.
Mit friedlichen Grüßen
Nummer 1, Nummer 2, Nummer 3, Nummer 4, Nummer 5, Nummer 6, Nummer 7 und Nummer 8.
PS: Wer behauptet, wir seien zu klein, muss erklären, wie groß man sein muss, um einen Krieg zu verstehen.
Am nächsten Morgen erschienen drei Erwachsene.
Ein Politiker.
Ein Wirtschaftsvertreter.
Und ein General.
Der Politiker trug eine Mappe.
Der Wirtschaftsvertreter trug einen Taschenrechner.
Der General trug eine Uniform.
Alle drei sahen so aus, als hätten sie schon sehr viele Sitzungen überstanden.
Der Politiker begann.
„Meine lieben Kinder, es freut mich, dass ihr euch für die Zukunft interessiert.“
Nummer 3 hob die Hand.
„Warum klingt das, als hättest du nicht damit gerechnet?“
Der Politiker lächelte unsicher.
„Nun ja. Kinder haben andere Interessen.“
„Welche denn?“, fragte Nummer 8.
„Spielen. Lernen. Freunde finden.“
Nummer 1 nickte.
„Das tun wir tatsächlich.“
Nummer 2 ergänzte:
„Und wir machen uns Sorgen.“
Der Politiker räusperte sich.
„Das ist verständlich. Aber die großen Entscheidungen sind kompliziert.“
Nummer 4 beugte sich vor.
„Sind sie komplizierter als die Folgen?“
Der Politiker blätterte in seiner Mappe.
Er fand keine passende Antwort.
Der Wirtschaftsvertreter übernahm.
„Die Zukunft muss sorgfältig geplant werden. Wir brauchen Wachstum, Arbeitsplätze, Investitionen und stabile Rahmenbedingungen.“
Nummer 5 fragte:
„Und wenn das Wachstum etwas kaputt macht, das wir später brauchen?“
„Dann muss man die Vor- und Nachteile abwägen.“
Nummer 6 runzelte die Stirn.
„Wer wägt sie ab?“
„Die Verantwortlichen.“
„Und wer entscheidet, wer die Nachteile tragen muss?“
Der Wirtschaftsvertreter legte seinen Taschenrechner auf den Tisch.
„Das hängt von vielen Faktoren ab.“
Nummer 7 beugte sich zu Nummer 8.
„Das ist Erwachsenensprache für: Ich möchte gerade nicht antworten.“
Der General räusperte sich.
„Auch die Sicherheit unserer Zukunft ist wichtig. Deshalb müssen wir auf Bedrohungen vorbereitet sein.“
Nummer 1 fragte:
„Wie bereitet man sich auf Frieden vor?“
Der General sah das Kind an.
„Indem man dafür sorgt, dass ein möglicher Gegner keinen Angriff wagt.“
Nummer 2 nickte nachdenklich.
„Und wenn der Gegner genau dasselbe macht?“
„Dann entsteht Abschreckung.“
Nummer 3 meldete sich.
„Und wenn beide immer mehr Waffen bauen, weil sie Angst voreinander haben?“
„Dann kann ein gefährliches Wettrüsten entstehen“, sagte der General.
Nummer 4 sah ihn an.
„Wissen die Erwachsenen das vorher oder erst hinterher?“
Der General schwieg.
Goethe beobachtete die Szene.
Dann fragte er:
„Meine Herren, darf ich wissen, wer bei Ihren Entscheidungen eigentlich für die Kinder spricht?“
Der Politiker antwortete:
„Wir vertreten die Interessen der Bevölkerung.“
„Auch die Interessen derjenigen, die noch nicht wählen dürfen?“
„Grundsätzlich ja.“
Nummer 8 fragte:
„Wie merken wir, dass das stimmt?“
Der Politiker blickte auf seine Mappe.
„Indem wir unsere Entscheidungen erklären und uns demokratischer Kontrolle stellen.“
Nummer 1 nickte.
„Dann möchten wir die Erklärungen hören.“
Der Politiker lächelte.
„Das ist natürlich nicht immer so einfach.“
Nummer 5 flüsterte:
„Jetzt kommt wieder die komplizierte Sache.“
Nummer 6 flüsterte zurück:
„Vielleicht sollten wir einen Übersetzer einstellen.“
Goethe hob die Hand.
„Vielleicht beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wenn ihr heute eine Entscheidung trefft, deren Folgen in fünfzig Jahren sichtbar werden, wer sollte dann berücksichtigt werden?“
Der Wirtschaftsvertreter antwortete:
„Natürlich auch die Menschen, die dann leben.“
„Wie können diese Menschen ihre Interessen vertreten?“, fragte Goethe.
„Sie können es heute nicht selbst tun“, sagte der Politiker.
Nummer 7 sprang auf.
„Dann brauchen wir Stellvertreter für die Zukunft!“
Nummer 4 schüttelte den Kopf.
„Nicht nur einen. Sonst behauptet am Ende jeder, er allein wisse, was die Zukunft will.“
Nummer 8 nickte.
„Wir brauchen Menschen, die langfristige Folgen prüfen, öffentlich erklären, was sie herausgefunden haben, und sich nicht nur nach dem nächsten Wahltag richten.“
Der Politiker sah überrascht aus.
„Das ist tatsächlich ein ernstzunehmender Vorschlag.“
Nummer 3 grinste.
„Wir sind ja auch eine ernstzunehmende Versammlung.“
„Mit Keksen“, ergänzte Nummer 5.
„Die Kekse sind kein offizieller Bestandteil der Tagesordnung“, sagte Nummer 4.
„Sie sollten es werden.“
Goethe lachte.
Dann wurde Nummer 1 ernst.
„Herr Politiker, darf ich dich etwas fragen?“
„Natürlich.“
„Wenn ihr wisst, dass ein Krieg Menschen das Leben kosten kann, warum wartet ihr manchmal so lange, bis ihr versucht, ihn zu verhindern?“
Der Politiker sah zum General.
Der General sah zum Fenster.
Der Wirtschaftsvertreter beschäftigte sich plötzlich sehr intensiv mit seinem Taschenrechner.
Schließlich sagte der Politiker:
„Weil Staaten unterschiedliche Interessen haben. Weil Regierungen unter Druck stehen. Weil manche glauben, mit Stärke mehr erreichen zu können als mit Verhandlungen. Und weil Entscheidungen oft schwieriger sind, als sie von außen aussehen.“
Nummer 8 nickte.
„Das erklärt manches. Aber es macht nicht alles richtig.“
„Nein“, sagte Goethe. „Eine Erklärung ist noch keine Rechtfertigung.“
Nummer 2 fragte:
„Und wenn ein Krieg schon begonnen hat?“
Der General antwortete diesmal ohne Zögern.
„Dann müssen Menschen geschützt werden. Humanitäre Hilfe muss die Betroffenen erreichen. Es muss nach Möglichkeiten gesucht werden, die Gewalt zu begrenzen und zu beenden.“
Nummer 6 sah ihn an.
„Und wer sorgt dafür, dass das nicht nur schöne Worte bleiben?“
Der General dachte nach.
„Dafür braucht es Kontrolle, klare Regeln und Menschen, die Verstöße melden und untersuchen.“
Nummer 7 notierte:
DIE ZUKUNFT BRAUCHT MEHR ALS GUTE ABSICHTEN. SIE BRAUCHT ÜBERPRÜFBARE TATEN.
Der Wirtschaftsvertreter betrachtete die Kinderchen.
„Ihr stellt sehr viele Fragen.“
Nummer 3 strahlte.
„Wir haben noch mehr.“
„Das habe ich befürchtet.“
Nummer 5 rückte näher.
„Wenn eine Firma viel Geld verdient, aber dabei die Umwelt beschädigt, wer muss dann für die Folgen bezahlen?“
„Das hängt unter anderem von den Gesetzen und den konkreten Umständen ab“, sagte der Wirtschaftsvertreter.
Nummer 4 ergänzte:
„Dann sollten die Gesetze verhindern, dass die Kosten einfach auf andere abgewälzt werden.“
Der Wirtschaftsvertreter nickte langsam.
„Ja. Unternehmen müssen Verantwortung für ihre Auswirkungen übernehmen.“
Nummer 8 fragte:
„Und wenn es billiger ist, die Zukunft zu beschädigen?“
Der Wirtschaftsvertreter seufzte.
„Dann müssen Regeln dafür sorgen, dass der kurzfristige Vorteil nicht auf Kosten der Allgemeinheit geht.“
Nummer 1 sah Goethe an.
„Es ist merkwürdig.“
„Was?“
„Wenn wir Kinder fragen, was gerecht ist, verstehen wir die Frage sofort. Aber wenn Erwachsene entscheiden, wird daraus plötzlich ein riesiger Aktenordner.“
Goethe lachte.
„Aktenordner können nützlich sein. Doch sie dürfen niemals dazu dienen, eine einfache moralische Frage unter Papier zu begraben.“
Nummer 2 sah den Politiker an.
„Wir verlangen ja gar nicht, dass ihr alles perfekt macht.“
„Was verlangt ihr dann?“, fragte er.
Nummer 8 antwortete:
„Dass ihr die Folgen eurer Entscheidungen ernst nehmt. Dass ihr uns zuhört. Dass ihr erklärt, warum ihr etwas tut. Und dass ihr eure Meinung ändern könnt, wenn ihr merkt, dass ihr euch geirrt habt.“
Der Politiker schloss seine Mappe.
„Das ist eine vernünftige Forderung.“
Nummer 7 grinste.
„Dann schreiben wir sie auf.“
Die acht Wäscheklammerkinderchen berieten sich.
Nummer 1 wollte mit dem Recht auf Mitsprache beginnen.
Nummer 2 verlangte eine Verpflichtung zu langfristigem Denken.
Nummer 3 bestand auf einer Kekspause.
Nummer 4 wollte klare Begriffe.
Nummer 5 verlangte, dass niemand die Kekse allein verteilt.
Nummer 6 schlug öffentliche Kontrollen vor.
Nummer 7 wollte unbequeme Fragen ausdrücklich zulassen.
Nummer 8 fasste alles zusammen.
Dann schrieben sie:
DIE ERKLÄRUNG DER WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN
Artikel 1: Die Zukunft ist kein Privatbesitz.
Keine Generation darf so handeln, als gehörten ihr alle Möglichkeiten der kommenden Generationen.
Artikel 2: Kinder haben ein Recht auf Gehör.
Sie müssen nicht jede Entscheidung allein treffen. Aber Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, dürfen nicht ohne ernsthafte Berücksichtigung ihrer Interessen getroffen werden.
Artikel 3: Frieden ist eine Aufgabe aller Generationen.
Wer über Krieg und Frieden entscheidet, muss die Folgen für Kinder, Familien und kommende Generationen berücksichtigen.
Artikel 4: Macht braucht Kontrolle.
Wer weitreichende Entscheidungen trifft, muss erklären können, warum sie notwendig sind und welche Folgen sie haben.
Artikel 5: Langfristige Schäden dürfen nicht einfach weitergereicht werden.
Weder Umweltzerstörung noch untragbare Lasten noch die Folgen vermeidbarer Konflikte dürfen bedenkenlos den Nachkommenden überlassen werden.
Artikel 6: Irrtümer müssen korrigierbar sein.
Wer erkennt, dass eine Entscheidung Schaden verursacht, muss bereit sein, sie zu überprüfen und nach Möglichkeit zu ändern.
Artikel 7: Unbequeme Fragen sind erlaubt.
Niemand darf eine berechtigte Frage allein deshalb abweisen, weil sie von einem Kind kommt.
Artikel 8: Die Zukunft braucht Menschen, die heute Verantwortung übernehmen.
Nicht irgendwann. Nicht erst nach der nächsten Krise. Sondern dort, wo Entscheidungen getroffen werden.
Als sie fertig waren, reichte Nummer 8 das Papier dem Politiker.
Er las es sorgfältig.
Dann reichte er es dem Wirtschaftsvertreter.
Dann dem General.
Der General blieb bei Artikel 3 stehen.
Der Wirtschaftsvertreter las Artikel 5 noch einmal.
Der Politiker legte das Papier auf seine Mappe.
„Ich kann nicht versprechen, dass wir alles davon sofort umsetzen.“
Nummer 1 nickte.
„Das haben wir auch nicht verlangt.“
„Aber ich kann versprechen, dass ich die Erklärung mitnehme und darüber sprechen werde.“
Nummer 7 hob die Augenbrauen.
„Und wann hören wir wieder von dir?“
Der Politiker lächelte unsicher.
„Eine gute Frage.“
Nummer 4 antwortete:
„Dann schreiben wir einen Termin ins Protokoll.“
Der Politiker musste lachen.
„Ihr lasst wirklich nicht locker.“
Nummer 5 schüttelte den Kopf.
„Nicht bei der Zukunft.“
Die Erwachsenen verabschiedeten sich.
Als die Tür geschlossen war, saßen die acht Wäscheklammerkinderchen wieder auf Goethes Schoß.
Nummer 3 fragte:
„Goethe, haben wir etwas erreicht?“
Goethe überlegte.
„Ihr habt Fragen gestellt, die beantwortet werden müssen. Ihr habt Forderungen formuliert, die geprüft werden sollten. Und ihr habt den Erwachsenen gezeigt, dass man Verantwortung nicht dadurch loswird, dass man die Betroffenen für zu klein erklärt.“
Nummer 6 fragte:
„Aber werden sie sich daran halten?“
„Das wird sich erst zeigen.“
Nummer 8 betrachtete den Globus.
„Dann müssen wir weiterfragen.“
„Ja“, sagte Goethe.
Nummer 1 drehte den Globus vorsichtig.
„Und wenn wir irgendwann selbst erwachsen sind?“
Goethe lächelte.
„Dann müsst ihr euch daran erinnern, wie es war, als ihr noch auf meinem Schoß saßt und euch gefragt habt, warum die Erwachsenen so viele Entscheidungen treffen, ohne die Kinder zu fragen.“
Nummer 2 nickte.
„Damit wir später nicht dieselben Fehler machen.“
Nummer 4 ergänzte:
„Oder wenigstens bereit sind, sie zu erkennen.“
Nummer 7 sagte:
„Und wenn wir sie erkennen, müssen wir etwas ändern.“
Nummer 5 hob den Finger.
„Und die Kekse gerechter verteilen.“
Nummer 3 sah ihn streng an.
„Du denkst schon wieder nur an die Kekse.“
„Nein“, sagte Nummer 5. „Ich denke an die nächste Generation von Keksessern.“
Goethe brach in Gelächter aus.
Alle acht stimmten ein.
Dann wurde Nummer 8 still.
„Goethe?“
„Ja, mein Kind?“
„Glaubst du, dass die Erwachsenen irgendwann verstehen werden, dass die Zukunft nicht ihnen allein gehört?“
Goethe strich ihr über den Kopf.
„Manche werden es verstehen. Manche werden es vergessen. Und manche werden erst dann darüber nachdenken, wenn die Folgen ihrer Entscheidungen sichtbar werden.“
„Und was machen wir bis dahin?“, fragte Nummer 1.
Goethe sah auf den Globus.
„Ihr lernt. Ihr fragt. Ihr widersprecht, wenn es nötig ist. Ihr hört anderen zu. Ihr schützt die Schwächeren. Und wenn ihr eines Tages selbst entscheiden könnt, dann denkt daran, dass Macht kein Freibrief ist, die Interessen anderer zu übergehen.“
Nummer 6 blickte auf die Erde.
„Dann gehört die Zukunft niemandem allein.“
„Genau“, sagte Goethe.
Nummer 2 lächelte.
„Aber wir dürfen sie mitgestalten.“
Goethe nickte.
„Und das ist vielleicht die wichtigste Antwort.“
Draußen wurde es Abend.
Auf den Straßen gingen Erwachsene nach Hause.
Sie trugen Aktenordner, Einkaufstaschen und ihre täglichen Sorgen.
Manche hatten heute wichtige Entscheidungen getroffen.
Andere hatten Entscheidungen aufgeschoben.
Und vielleicht gab es unter ihnen einige, die sich plötzlich an acht kleine Wäscheklammerkinderchen erinnerten, die ihnen eine Erklärung überreicht hatten.
Eine Erklärung, die nicht behauptete, Kinder wüssten alles.
Eine Erklärung, die nicht verlangte, Erwachsene müssten verschwinden.
Eine Erklärung, die nur an etwas erinnerte, das eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Wer über die Zukunft entscheidet, darf nicht vergessen, für wen sie weitergehen soll.
Goethe schloss die Augen.
Nummer 1 kuschelte sich an seinen Arm.
Nummer 2 gähnte.
Nummer 3 träumte von Schokoladenkeksen.
Nummer 4 dachte über Generationengerechtigkeit nach.
Nummer 5 plante eine faire Kekssteuer.
Nummer 6 betrachtete den Globus.
Nummer 7 schrieb noch einen letzten Satz auf.
Und Nummer 8 flüsterte:
„Die Zukunft ist noch nicht fertig.“
Goethe lächelte.
„Nein, mein Kind.“
Dann deckte er die acht Wäscheklammerkinderchen zu.
„Und genau deshalb müssen wir gut auf sie aufpassen.“
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