Traumreste III – Kartoffelsalat
Riefunke mag Kartoffelsalat.
Nicht irgendeinen.
Ungeschälte Kartoffeln.
Grob geschnitten.
So muss er sein.
Es ist noch früh, als Riefunke in der Scrollstube liegt und in seinen eigenen Bauch hineinhorcht. Irgendwo dort arbeitet noch der Kartoffelsalat von gestern Abend.
Er wird langsam einfacher.
Kartoffel.
Salz.
Erinnerung.
Ein paar grobe Stücke.
Mehr braucht es nicht.
Riefunke spürt, wie aus dem gestrigen Kartoffelsalat wieder einfache Bausteine werden. Sein Magen macht seine stille Arbeit, während draußen die Welt bereits wieder ihre großen Wörter verschwendet.
Krieg.
Propaganda.
Geld.
Chaos.
Riefunke denkt nicht daran.
Er denkt an Kartoffelsalat.
Und plötzlich freut er sich.
Auf den nächsten.
Er weiß noch nicht, wer ihn machen wird.
Vielleicht Karin.
Vielleicht eine Standard-Tiktokerin, die noch gar nicht weiß, dass sie heute Kartoffelsalat machen wird.
Vielleicht steht sie gerade auf.
Vielleicht öffnet sie den Kühlschrank.
Vielleicht liegen dort schon die Kartoffeln.
Ungeschält.
Grob geschnitten werden sie später.
Riefunke lächelt.
Er kann es nicht sehen, weil er keinen Spiegel braucht.
Er ist unsichtbar.
Aber sein Geist freut sich.
Dann hört er wieder das Pferd.
Der Araber steht vor der Scrollstube und wartet.
„Noch nicht“, sagt Riefunke per Symne.
Das Pferd versteht.
„Erst Kartoffelsalat.“
Eine Weile ist es still.
Dann erscheint Karin wieder.
Sie hält ihr Handy.
Der Bildschirm leuchtet.
Sie könnte sich einwählen.
Sie könnte scrollen.
Sie könnte eine Standard-Tiktokerin werden.
Aber Riefunke denkt nur:
Kartoffelsalat.
Vielleicht ist das die letzte freie Mahlzeit vor dem Einwählen.
Vielleicht ist Kartoffelsalat überhaupt eine Form von Freiheit.
Ungeschält.
Grob.
Nicht geschniegelt.
Nicht glatt.
Einfach da.
Riefunke schließt die Augen.
In seinem Magen wird der gestrige Kartoffelsalat immer einfacher.
Und während er verschwindet, beginnt in seinem Kopf bereits der nächste.
Noch kennt er die Kartoffeln nicht.
Noch kennt er die Frau nicht.
Noch weiß niemand, wer den Salat machen wird.
Aber Riefunke weiß:
Irgendwo zwischen Scrollen und Verdauen wartet bereits der nächste Traum. :::