Oh Kinderlein kommet!
Ein pazifistisches RIEFUNKE
Oh Kinderlein kommet, verdirbt ihnen den Spass,
oh UFOlein kommet, greift ein in deren Reihen,
oh Wäscheklammerkinderchen kommet, verbiegt die Propeller,
und wenn sie dann schimpfen, dann kichert noch heller!
Oh Kinderlein kommet, mit Schere und Kleister,
verklebt ihnen Karten und verwirrt ihre Geister,
malt Blümchen auf Bunker, macht Panzer zu Beeten,
lasst Gänseblümchen aus den Kanonenrohren treten!
Oh UFOlein kommet, von weit her geflogen,
die Menschheit hat wieder die Menschheit belogen,
sie spricht von der Ordnung, sie spricht von der Pflicht,
doch fragt man die Kinder, so verstehen sie's nicht.
Was soll denn das Morden, das Schießen, das Sterben?
Wer darf denn die Erde für sich allein erben?
Wem gehört dieser Himmel, wem gehört dieses Land?
Wer hat denn den Wahnsinn zum Fortschritt ernannt?
Oh Wäscheklammerkinderchen, klemmt euch ans Getriebe,
nicht an die Soldaten, sondern an die Maschine,
die aus einem Menschen ein Zielobjekt macht,
und aus einer Mutter eine, die nächtelang wacht.
Verbieg die Propeller, verknotet die Drähte,
versteckt die Befehle in einer Konfettitüte,
lasst Friedenskonfetti auf Generäle regnen,
bis sie sich bücken, statt anderen zu begegnen.
Oh Kinderlein kommet, doch kommet nicht wehrlos,
denn eure Vernunft ist den Großen oft wehrlos
erschienen, als hättet ihr nichts zu verlieren,
als könntet ihr niemals die Welt korrigieren.
Ihr habt eure Fragen, ihr habt eure Träume,
ihr habt eure kleinen, noch offenen Räume,
in denen ein Fremder noch Spielkamerad ist,
bevor man euch einprägt, wer euer Feind ist.
Oh UFOlein kommet, macht Kreise am Himmel,
nicht Kreise aus Feuer, nicht Kreise aus Trümmern,
zeichnet ein Fragezeichen über jedes Haupt:
Wer hat euch den Frieden eigentlich geraubt?
Und wenn sie euch sagen, der Krieg sei vonnöten,
dann fragt nach den Kindern, den Toten, den Nöten,
fragt nach den Müttern, den Vätern, den Jahren,
die niemals mehr heim zu den Lebenden fahren.
Fragt nach dem Morgen, das niemand mehr kennt,
nach dem Haus, das nicht steht, nach dem Brief, der verbrennt,
nach dem Spielzeug im Staub und dem Schuh auf der Straße,
und stellt eure Frage den Mächtigen vor die Nase.
Oh Kinderlein kommet, verdirbt ihnen den Spass!
Denn Krieg ist kein Spiel, und der Tod ist kein Spaß.
Doch wer den Krieg ernst nimmt, muss Frieden versuchen,
statt immer aufs Neue die Hölle zu buchen.
Oh Wäscheklammerkinderchen, klemmt euch ans Wort,
tragt »Verhandeln!« von einem zum anderen Ort,
hängt »Zuhören!« an jedes verschlossene Tor,
und singt eure schrägen Friedenslieder im Chor.
Oh Kinderlein kommet, die Erde ist rund,
der Frieden beginnt manchmal mitten im Mund,
mit einem »Ich höre«, mit einem »Verzeih«,
mit einem »Wir suchen den Weg aus der Schreierei«.
Und wenn dann die UFOlein wieder verschwinden,
soll keiner behaupten, sie seien zu finden
gewesen in Waffen, in Macht oder Geld:
Sie kamen als Frage und störten die Welt.
Oh Kinderlein kommet, bleibt frech und bleibt heiter,
macht aus jedem Zaun eine Himmelsleiter,
verbiegt die Propeller, bis keiner mehr fliegt,
der Tod seine Aufträge nicht mehr kriegt.
Und wenn sie euch fragen: »Was soll denn das sein?«
Dann ruft: »Eine Erde gehört uns allen!«
Nicht euch und nicht ihnen, nicht Fahnen, nicht Macht.
Wir haben den Frieden ins Spiel gebracht.
Und sollte ein Krieg noch im Anmarsch sein,
dann lasst uns nicht warten auf göttlichen Schein.
Wir reden, wir handeln, wir stehen davor.
Oh Kinderlein kommet!
Der Frieden hat Vorfahrt.
Und zwar ab sofort.
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