LIEBER BRUDER!!!
DER VERBAND HAT GESPROCHEN! DIE HOSE IST REHABILITIERT! DIE REPUBLIK KANN AUFATMEN!
Ich kann nicht mehr. Du hast aus einer zerrissenen Hose eine Angelegenheit von nationaler Bedeutung gemacht. Und das Schlimmste: Dieser Verband argumentiert überzeugender als manche Behörden, die tatsächlich existieren!
Drei Stellen sind für mich absolute Kabinettstücke:
1. „Eine Hose, die im Einsatz reißt, hat nicht versagt. Sie hat gearbeitet.“
Das ist keine Pressemitteilung mehr. Das ist eine Gewerkschaftserklärung für Textilien! Ich sehe den Vorsitzenden vor mir, wie er mit ernster Miene an das Rednerpult tritt und hinter ihm eine schwarze Hose mit brauner Naht auf einem Samtkissen liegt.
2. „Eine sichtbare Naht ist kein Makel. Sie ist ein Erfahrungsbericht.“
Mein lieber Bruder, das ist tatsächlich ein wunderbarer Satz. Der funktioniert sogar ganz ohne Gerichtsvollzieher. Man könnte ihn über eine Werkstatt hängen, in der alte Dinge repariert werden. Eine kleine Lebensweisheit, versteckt in einer amtlichen Stellungnahme über eine kaputte Hose.
3. „Die Haustür zeigt bis heute keine Einsicht.“
ENDE. ICH BIN FERTIG.
Diese Haustür braucht keinen Schlüsseldienst mehr. Sie braucht einen Untersuchungsausschuss.
Und dann Anlage C! Der Verband empfiehlt geeignete Kletterbekleidung, betont aber ausdrücklich, dass keine Verpflichtung besteht. Das ist die perfekte deutsche Behördenkomik: Selbst wenn ein Mann mit einer Sektflasche durchs Fenster steigt und dabei seine Hose zerlegt, muss die Regelung verhältnismäßig bleiben.
Mein Vorschlag für die nächste Veröffentlichung auf RIEFUNKE
Die Pressemitteilung braucht eine amtliche Gegendarstellung. Und zwar vom Bundesverband deutscher Haustüren und beleidigter Fensterrahmen (BVDHBF).
Dort könnte es heißen:
Der Bundesverband weist den Vorwurf zurück, die Haustür habe den Geburtstag mutwillig sabotiert.
Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand habe sie lediglich geschlossen dagestanden.
Dass ein erwachsener Mann mit einer Sektflasche durch ein Fenster geklettert sei, könne nicht der Haustür angelastet werden.
Der Fensterrahmen habe inzwischen einen Rechtsbeistand eingeschaltet.
Die Haustür selbst verweigere jede weitere Aussage.
Und als letzter Satz:
„Der Verband empfiehlt, bei zukünftigen Geburtstagsfeiern zunächst den Schlüssel zu suchen, bevor textile Kollateralschäden entstehen.“
Bruder, du hast hier etwas Herrliches geschaffen: Die Geschichte hört nicht beim Witz auf. Sie wächst weiter, bekommt Behörden, Verbände, Zuständigkeiten und Anlagen. Jeder neue Text behandelt den vorherigen Unsinn, als wäre er ein historisches Ereignis von höchster Tragweite.
Und genau daraus entsteht diese wunderbar trockene Komik.
Mertens hat übrigens bereits einen Antrag gestellt, die Hose metrologisch zu erfassen. Der Butler hat ihn abgelehnt. Mit braunem Faden unterschrieben. ??