DIE WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN REVOLUZEN!
Ein RIEFUNKE-Friedensspektakel in mehreren Lachsalven
Die Generäle hatten die Welt unter sich aufgeteilt.
Die einen bekamen die Berge, die anderen die Meere, die einen bekamen die Raketen, die anderen die Knöpfe, auf die man drücken musste, damit die Raketen losflogen.
Alles war ordentlich geregelt.
Bis auf die Wäscheklammerkinderchen.
Die standen nämlich nicht auf der Liste.
Und was nicht auf der Liste steht, existiert für Generäle bekanntlich nicht.
Ein schwerer Irrtum.
Denn während die Herren noch über Abschreckung, Vergeltung und strategische Notwendigkeiten konferierten, hockten drei Wäscheklammerkinderchen hinter einem Busch und kugelten sich vor Lachen.
„Guck mal, die Drohne!“
Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr.
Die Drohne kam näher.
Brrrrrrrrrrr — brrr — brrrrrrrr — klapperklapperklapper.
Sie flog eine Acht, die aussah wie eine betrunkene Schnecke, verlor ihre Orientierung und setzte sich schließlich auf einen Gartenzwerg.
„Der Propeller eiert!“
„Nein, der Propeller tanzt!“
„Dann soll er wenigstens Eintritt bezahlen!“
Die Kinderchen prusteten los.
Im Hauptquartier herrschte Alarmstufe Rot.
Auf den Bildschirmen erschien eine Fehlermeldung.
UNBEKANNTE STÖRUNG.
Darunter blinkte ein zweiter Satz:
MÖGLICHERWEISE HUMOR.
Der General sprang auf.
„Humor? Wer hat Humor befohlen?“
Niemand meldete sich.
Das war das Problem.
Humor lässt sich nicht befehlen.
Humor hält sich nicht an Dienstvorschriften.
Und Humor besitzt die unangenehme Eigenschaft, ausgerechnet dort aufzutauchen, wo er am wenigsten vorgesehen ist.
Währenddessen waren die Wäscheklammerkinderchen bereits beim nächsten Projekt.
Das Kanonenrohr.
Ein riesiges, finsteres, ausgesprochen wichtiges Kanonenrohr.
Es ragte in den Himmel, als wolle es dem lieben Gott persönlich erklären, wie die Welt zu funktionieren habe.
Die Kinderchen betrachteten es.
Sie betrachteten ihre Kaugummis.
Sie betrachteten wieder das Kanonenrohr.
„Meint ihr, das geht?“
„Probieren geht über Studieren!“
Und schon war der Kaugummi im Rohr.
Nicht irgendein Kaugummi.
Ein besonders zäher, rosafarbener, nach Erdbeeren schmeckender Friedenskaugummi.
Dann warteten sie.
Die Soldaten warteten.
Die Generäle warteten.
Der Himmel wartete.
Und schließlich kam der große Augenblick.
Ein Befehl erschallte.
Eine Taste wurde gedrückt.
Ein Offizier salutierte.
Der General hob das Kinn.
Nichts.
Noch einmal.
Nichts.
Der General wurde rot.
Der Oberst wurde blass.
Der Unteroffizier bekam Schluckauf.
Und irgendwo hinter dem Busch hörte man ein leises:
„Pffffft.“
Dann ein Kichern.
Dann ein Quieken.
Dann brach die gesamte Wäscheklammerkinderchenbrigade in ein derartiges Gelächter aus, dass sogar der Gartenzwerg vom Drohnenlandeplatz zu wackeln begann.
FRIEDEN DURCH ERDBEERKAUGUMMI!
Das UFOlein, das gerade aus einer fernen Galaxie eingetroffen war, schwebte neugierig heran.
Es hatte die Erde lange beobachtet.
Es hatte die Pyramiden gesehen, die Opernhäuser, die Bibliotheken, die Fußballstadien und die wunderbaren Erfindungen der Menschheit.
Aber diese Sache mit dem Krieg hatte es nie verstanden.
„Entschuldigung“, fragte das UFOlein durch seinen intergalaktischen Lautsprecher, „warum baut ihr Geräte, mit denen ihr euch gegenseitig umbringt, und nennt das dann Sicherheit?“
Keine Antwort.
„Warum erfindet ihr immer neue Waffen, um euch vor den Waffen zu schützen, die ihr selbst erfunden habt?“
Noch immer keine Antwort.
„Und warum“, fragte das UFOlein schließlich, „dürfen die Kinder nicht mitentscheiden, obwohl sie die Welt doch erben sollen?“
Jetzt wurde es im Hauptquartier ganz still.
Das war eine Frage, auf die es kein Formular gab.
Die Wäscheklammerkinderchen kamen hinter ihrem Busch hervor.
Eines trug eine viel zu große Mütze.
Eines hatte einen Schuh an und den anderen irgendwo verloren.
Das dritte hielt ein Schild hoch.
Darauf stand:
WIR HABEN KEINEN KRIEG BESTELLT.
Auf einem zweiten Schild stand:
BITTE NICHT SCHON WIEDER DIE ZUKUNFT KAPUTT MACHEN.
Und auf dem dritten:
WER FRIEDEN WILL, MUSS AUCH MAL ZUHÖREN.
Der General betrachtete die Schilder.
Er wollte etwas sagen.
Er wollte von der Weltlage sprechen, von Sachzwängen, von historischen Entwicklungen, von strategischen Interessen und davon, dass die Dinge nun einmal kompliziert seien.
Aber da kam ein kleines Wäscheklammerkinderchen auf ihn zu.
„Herr General?“
„Was ist?“
„Wenn Sie so viel wissen, warum ist dann die Welt so kaputt?“
Der General öffnete den Mund.
Er schloss ihn wieder.
Er sah zum Oberst.
Der Oberst sah zum Unteroffizier.
Der Unteroffizier sah zum Gartenzwerg.
Der Gartenzwerg sagte nichts.
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hatte jemand eine Frage gestellt, auf die keine Waffe eine Antwort geben konnte.
Und während die Erwachsenen nachdachten, begannen die Kinder zu spielen.
Sie bauten aus Kartons ein Raumschiff.
Sie machten aus alten Fahnen bunte Tischdecken.
Sie pflanzten Sonnenblumen dort, wo niemand mehr Blumen erwartet hatte.
Sie malten auf die Mauern keine Feinde, sondern Türen.
Und sie erfanden eine neue internationale Ordnung.
Artikel eins:
Kein Mensch darf zum Feind erklärt werden, nur weil er auf der anderen Seite einer Grenze geboren wurde.
Artikel zwei:
Kein Kind muss lernen, den Tod eines anderen Kindes für einen Sieg zu halten.
Artikel drei:
Wenn zwei Regierungen Streit haben, müssen zunächst ihre Kinder miteinander spielen.
Artikel vier:
Wer unbedingt Krieg führen möchte, muss vorher erklären, warum er nicht verhandeln kann.
Artikel fünf:
Wäscheklammerkinderchen dürfen jederzeit dazwischenrufen.
Besonders bei Gefahr.
Besonders bei Dummheit.
Und ausdrücklich bei beidem gleichzeitig.
Das UFOlein nickte zufrieden.
„Das klingt vernünftiger als manches, was wir auf anderen Planeten erlebt haben.“
„Habt ihr dort auch Generäle?“, fragte ein Kind.
„Nein.“
„Politiker?“
„Doch.“
„Und was macht ihr mit denen?“
Das UFOlein lächelte.
„Wir lassen sie reden. Aber irgendwann müssen sie auch zuhören.“
Da lachten die Kinder wieder.
Und ihr Lachen flog über die Grenzen, über die Mauern, über die Kontrollpunkte und über die endlosen Reihen der Gräber.
Es flog in die Wohnzimmer der Menschen, in denen die Nachrichten liefen.
Es flog zu den Müttern, die um ihre Kinder bangten.
Es flog zu den Vätern, die nicht wussten, wie sie ihre Familien schützen sollten.
Es flog zu den Soldaten, die sich fragten, ob sie jemals wieder nach Hause kommen würden.
Und es flog zu den Mächtigen, die plötzlich hörten, dass irgendwo auf der Welt jemand über ihre Unfehlbarkeit lachte.
Nicht, weil das Leid der Menschen komisch wäre.
Sondern weil die Behauptung, Krieg sei alternativlos, endlich ihren heiligen Ernst verlor.
Denn Frieden ist kein Spiel.
Aber vielleicht müssen wir wieder lernen, ihn spielerisch zu denken.
Vielleicht brauchen wir weniger Männer, die erklären, warum der nächste Krieg unvermeidlich ist.
Und mehr Kinder, die fragen, warum wir ihn nicht verhindern.
Vielleicht brauchen wir keine neue Weltordnung, die wieder nur aus Drohungen besteht.
Vielleicht brauchen wir eine Welt, in der der Mut zum Frieden größer ist als die Angst vor dem Gesichtsverlust.
Und vielleicht, ganz vielleicht, beginnt das alles mit einer Wäscheklammer.
Mit einem Kaugummi.
Mit einem eiernden Propeller.
Mit einem UFOlein, das sich im falschen Moment einmischt.
Und mit einem Menschen, der plötzlich lachen muss, obwohl ihm eigentlich zum Weinen zumute ist.
Denn irgendwo auf der Erde sitzt gerade ein Kind und fragt:
„Warum machen die das?“
Und irgendwo auf der Erde sitzt ein Erwachsener und weiß keine vernünftige Antwort.
Also, ihr Generäle, Präsidenten, Minister, Strategen und sonstigen Weltverbesserer mit Sprengstoff:
Die Wäscheklammerkinderchen sind jetzt da.
Sie haben ihre Kaugummis dabei.
Die UFOlein kreisen bereits am Himmel.
Die Propeller eiern.
Die Gartenzwerge sind in Stellung gegangen.
Und auf dem großen Bildschirm der Welt erscheint eine neue Meldung:
ACHTUNG!
DIE MENSCHHEIT HAT BESCHLOSSEN, SICH NICHT MEHR SO ERNST ZU NEHMEN, DASS SIE DARÜBER IHRE MENSCHLICHKEIT VERGISST.
Darunter steht in kleiner Schrift:
FRIEDEN IST KEIN KINDERSPIEL. ABER DIE ERWACHSENEN HABEN ES LANG GENUG VERBOCKT.
Und ganz unten, in rosa Erdbeerkaugummibuchstaben:
WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN ALLER LÄNDER, VERKNOTET EUCH!
Nicht gegeneinander.
Miteinander.
Und dann geht spielen.
Die Welt retten wir morgen weiter.
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