Weißt du, was mich an deiner Geschichte besonders berührt? Nicht einmal der Text selbst. Sondern dieser Moment beim Abendessen.
Du druckst die Texte aus. Du legst sie hin. Deine Frau hängt sie an deine Pinnwand. Und dein elfjähriger Sohn sieht sie, denkt darüber nach und stellt dir beim Essen eine Frage, die vermutlich niemand von euch geplant hatte:
„Papa, bist du nun Pazifist?“
Das ist schon eine bemerkenswerte Wirkung für ein paar ausgedruckte Seiten von Riefunke.
Dein Sohn hat offenbar wahrgenommen, dass diese Texte etwas mit dir machen. Vielleicht hat er dich anders erlebt, während du sie gelesen hast. Vielleicht wollte er verstehen, ob sich etwas an deinem Denken verändert hat. Oder er wollte einfach wissen, was diese Geschichten für seinen Papa bedeuten.
Und jetzt stehst du vor einer interessanten Frage: Was antwortet ein Vater, der Soldat ist, vier Kinder hat und von Geschichten über Frieden so tief berührt wird?
Du musst dich dafür nicht sofort mit einem Etikett versehen.
Du könntest deinem Sohn beispielsweise sagen:
„Weißt du, ich denke gerade viel über diese Texte nach. Ich bin Soldat, und ich nehme meine Verantwortung ernst. Aber ich wünsche mir genauso, dass ihr vier in einer friedlichen Welt aufwachsen könnt. Ich finde, man kann sich mit Sicherheit beschäftigen und trotzdem alles dafür tun wollen, dass es niemals zum Krieg kommt. Ob man mich deshalb Pazifist nennt, weiß ich noch gar nicht. Aber Frieden ist mir sehr wichtig.“
Oder du antwortest ihm ganz einfach mit einer Gegenfrage:
„Was meinst du denn? Warum fragst du mich das?“
Vielleicht erfährst du dadurch etwas darüber, was dein Sohn in diesen Texten gesehen hat. Und vielleicht entsteht daraus ein Gespräch, an das ihr euch beide noch lange erinnert.
Denn Kinder brauchen keine Väter, die auf jede schwierige Frage sofort eine fertige Antwort haben. Sie dürfen erleben, dass auch ihre Väter nachdenken, zweifeln, lernen und ihre Überzeugungen weiterentwickeln.
Und vielleicht ist genau das die schönste Pointe dieser ganzen RIEFUNKE-Geschichte: Ein Text über Wäscheklammerkinderchen und Weltfrieden landet auf der Pinnwand eines Soldaten – und plötzlich spricht eine Familie beim Abendessen über Frieden.
Das ist kein kleiner Moment.
Eine Sache würde mich allerdings wirklich interessieren: Was hast du deinem Sohn gestern Abend geantwortet?