SCROLLSTUBEN-TV – NACHTSONDERMELDUNG
UFONITOREE-ALARM! GOETHES JAMMERGESANG LOCKT EINE UFO-FLOTTE AN!
Exklusiv aus dem RIEFUNKE-Universum – die Nacht, in der selbst Taschenlampen verboten wurden
Guten Abend, liebe Scrollgemeinde!
Was zunächst als gewöhnlicher nächtlicher Tobsuchtsanfall eines unzufriedenen Dichters begann, hat sich inzwischen zu einem intergalaktischen Zwischenfall von bislang unbekanntem Ausmaß entwickelt.
Wie bereits berichtet, hatte Goethe im Notzelt der English Scrollstube seinen Gesang „Undankbare Welt, undankbare Welten!“ angestimmt. Die Wiederholungen waren derart ausdauernd, dass sich selbst die Frage nach fünf großen Löffeln Zucker vorübergehend in den Hintergrund schob.
Doch Goethe hatte die Rechnung ohne das Weltall gemacht.
1. Der Jammergesang zeigt Wirkung – allerdings in die falsche Richtung!
Gegen Mitternacht registrierten mehrere Norm-Tiktoker ungewöhnliche Lichtbewegungen am Nachthimmel. Zunächst hielt man die Erscheinungen für verspätete Reklamationen aus der Milchpulver-Affäre.
Dann geschah das Unglaubliche.
Ein UFO nach dem anderen näherte sich dem Notzelt. Innerhalb weniger Minuten hatten mehrere Flugobjekte neben Goethes Unterkunft Stellung bezogen.
Aus dem Zelt ertönte weiterhin:
„Undankbare Welt! Undankbare Welten!“
Die UFOs reagierten offenbar auf jede Wiederholung mit einer geringfügigen Kurskorrektur.
Unsere Redaktion fragt sich: Handelte es sich um einen intergalaktischen Rettungsversuch, eine wissenschaftliche Feldstudie über menschliches Jammern oder schlicht um eine Fehlinterpretation des Goethe-Gesangs als kosmisches Notsignal?
Eine offizielle Stellungnahme der außerirdischen Besatzungen liegt bislang nicht vor.
2. UFONITOREE entdeckt – ein Werkstoff, der kein Licht verträgt!
Herr Mertens erschien wenig später mit seinem Messgerät am Landeplatz.
„Richtig!“, soll er nach einer ersten Untersuchung ausgerufen haben.
Die UFO-Hüllen bestanden offenbar aus einem neuartigen Werkstoff, den Mertens vorläufig als UFONITOREE bezeichnete.
Die Materialeigenschaften erwiesen sich als höchst ungewöhnlich: UFONITOREE reagiert extrem lichtempfindlich. Bereits gewöhnliche Beleuchtung kann offenbar problematisch werden.
Ob der Werkstoff bei Lichteinfall seine Struktur verändert, in einen unbekannten Aggregatzustand übergeht oder lediglich beleidigt reagiert, konnte Mertens zunächst nicht abschließend klären.
Fest steht nur: Die UFOs mussten unverzüglich vor jeder unnötigen Lichteinwirkung geschützt werden.
Und das mitten in der Nacht, neben einem Zelt, aus dem ein Dichter sang, als hätte ihm jemand sämtliche Zuckervorräte Europas entzogen.
3. Große Planenaktion – Mertens übernimmt das Kommando!
Mertens ordnete an, die gelandeten Flugobjekte vollständig abzudecken.
Der Butler organisierte eine geeignete Plane. Über deren Herkunft und die Frage, ob sie ursprünglich für Pferde, Zelte oder andere außergewöhnliche Notfälle vorgesehen war, schweigt die Verwaltung.
Mertens selbst kontrollierte die Abdeckung mit seinem Messgerät.
„Richtig! Keine direkte Beleuchtung!“, lautete seine Anweisung.
Die Plane wurde vorsichtig über die UFOs gezogen. Jeder Handgriff musste sitzen. Ein versehentlich freigelegter Abschnitt der UFONITOREE-Oberfläche hätte nach Einschätzung der Beteiligten unabsehbare Folgen haben können.
Goethe unterbrach seinen Gesang kurz, um sich nach dem Zweck der nächtlichen Veranstaltung zu erkundigen.
Als man ihm erklärte, dass mehrere außerirdische Fluggeräte wegen ihrer Lichtempfindlichkeit abgedeckt werden müssten, soll er lediglich gefragt haben:
„Und wer kümmert sich nun um meine Milch?“
Der Butler antwortete nicht.
Er hatte offenbar bereits genug mit der Plane zu tun.
4. Die acht Wäscheklammerkinderchen helfen – Taschenlampen streng verboten!
Für die heikle Abdeckaktion wurden schließlich die acht Wäscheklammerkinderchen hinzugezogen.
Die Kindchen halfen beim Ausbreiten und Befestigen der Plane. Sie arbeiteten vorsichtig, koordiniert und mit jener besonderen Aufmerksamkeit, die man bei acht kleinen Helfern nicht unbedingt erwarten würde, wenn gleichzeitig mehrere UFOs im Dunkeln stehen.
Allerdings galt eine unumstößliche Sicherheitsregel:
TASCHENLAMPEN VERBOTEN!
Kein Lichtkegel durfte auf die UFONITOREE-Hüllen treffen. Auch ein kurzes Aufblitzen hätte den gesamten Einsatz gefährden können.
Die acht Kindchen mussten deshalb im Dunkeln arbeiten. Sie ertasteten die Planenkanten, reichten Befestigungsmaterial weiter und verständigten sich mit gedämpften Stimmen.
Ein Kindchen soll gefragt haben, ob wenigstens eine Taschenlampe mit rotem Licht erlaubt sei.
Mertens antwortete umgehend:
„Nein. Licht bleibt Licht.“
Damit war die Diskussion beendet.
Ob die Kindchen diese Vorschrift als wissenschaftlich begründet oder als ausgesprochen unpraktisch empfanden, ist nicht überliefert.
Bemerkenswert bleibt jedoch, dass die gesamte Aktion ohne den Einsatz einer einzigen Taschenlampe abgeschlossen werden konnte.
Die Redaktion gratuliert zu dieser außergewöhnlichen Leistung.
5. Goethe als unfreiwilliger Weltraumfunker?
Während die Plane befestigt wurde, blieb eine entscheidende Frage offen: Warum waren die UFOs überhaupt gekommen?
Die bisherige Arbeitshypothese lautet, dass Goethes wiederholter Jammergesang eine bislang unbekannte Resonanzwirkung ausgelöst haben könnte.
Möglicherweise wurde die Tonfolge von den außerirdischen Navigationssystemen als Anforderungssignal interpretiert.
Denkbar wäre auch, dass die Worte „Undankbare Welten“ im interstellaren Kommunikationsverkehr eine besondere Bedeutung besitzen.
Mertens prüft derzeit, ob sich zwischen den Gesangswiederholungen und den Landebewegungen eine messbare Korrelation feststellen lässt.
Die acht Wäscheklammerkinderchen wurden gebeten, währenddessen nicht zu singen.
Goethe hingegen erklärte, er werde seinen Gesang erst einstellen, wenn die Zuckerfrage abschließend geklärt sei.
Damit droht eine weitere Eskalation.
Kommentar der Scrollstuben-Redaktion
Liebe Norm-Tiktoker, die Lage ist unter Kontrolle – sofern man darunter versteht, dass mehrere UFOs unter einer Plane liegen, acht Wäscheklammerkinderchen im Dunkeln arbeiten und Herr Mertens versucht, einen bislang unbekannten Werkstoff wissenschaftlich einzuordnen.
Die entscheidende Erkenntnis dieser Nacht lautet:
UFONITOREE verträgt kein Licht. Goethe verträgt keinen ungesüßten Milchgenuss. Und die acht Wäscheklammerkinderchen dürfen nicht einmal eine Taschenlampe benutzen.
Ob die außerirdischen Besucher morgen wieder starten können, hängt möglicherweise davon ab, ob Mertens seine Untersuchungen rechtzeitig abschließt.
Ob Goethe morgen wieder schreibt, hängt nach eigener Aussage von der Zuckerversorgung ab.
Und ob die UFO-Besatzungen inzwischen bereuen, ausgerechnet neben diesem Zelt gelandet zu sein, entzieht sich unserer Kenntnis.
SCROLLSTUBEN-TV bleibt vor Ort.
Die Plane liegt. Mertens misst. Die Kindchen schweigen. Der Butler wartet.
Und aus dem Notzelt ertönt, kaum gedämpft, die nächste Strophe:
„Undankbare Welt! Undankbare Welten!“
Ende der Nachtsondermeldung.