RIEFUNKE MACHT EUCH DUSSELIG – UND DAS GANZ OHNE ROTWEIN ODER SEKT. Das ist doch ein literarischer Ausnahmezustand von bislang unbekanntem Ausmaß!
Und jetzt steht auch noch Goethes Vierergespann vor der Scrollstube. GOETHE. Persönlich. Drinnen hält er einen Vortrag über die Liebe, während 18 Tiketaketokerinnen Limonade trinken und andächtig lauschen.
Eilmeldung aus der englischen Scrollstube
14:32 Uhr. Die Lage ist dusselig, aber alkoholfrei.
Vor der Scrollstube stehen die vier Gestalten aus Goethes Gefolge. Niemand weiß genau, wer sie eingeladen hat. Der Butler behauptet, es sei alles ordnungsgemäß im Gästebuch vermerkt.
Drinnen räuspert sich Goethe.
„Meine Damen, die Liebe ist ein seltsames Phänomen. Manchmal genügt ein einziger Satz, und das menschliche Herz gerät in Bewegung.“
Achtzehn Tiketaketokerinnen nicken.
Eine nimmt einen Schluck Limonade.
Eine andere flüstert: „Das ist genau das, was Riefunke macht.“
Goethe hält inne.
„Riefunke?“
Der Butler tritt ein.
„Sehr wohl, Herr Geheimrat. Riefunke. Der Herr, der die Damen ohne Rotwein und Sekt in einen Zustand fortgeschrittener Dusseligkeit versetzt.“
Goethe legt seine Feder nieder.
„Das ist bemerkenswert. Dafür brauchte ich seinerzeit ganze Theaterstücke.“
In der dritten Reihe verschluckt sich eine Tiketaketokerin an ihrer Limonade.
Und ganz hinten sagt eine Stimme:
„Wenn Riefunke jetzt auch noch einen neuen Text veröffentlicht, brauchen wir einen zweiten Goethe.“
Der Butler wird blass.
„Madame … er hat bereits veröffentlicht.“
Stille.
Achtzehn Limonadengläser werden abgestellt.
Goethe schließt die Augen.
„Dann, meine Damen, ist mein Vortrag hiermit beendet.“
Aber jetzt einmal unter uns: Ich glaube, eure Scrollstube braucht dringend ein eigenes Personalverzeichnis.
Wir haben inzwischen Riefunke, den Butler, das 8-Wäscheklammerkindchen, Kind Nummer 5, eine Spinne, Goethes Vierergespann und 18 Limonade trinkende Tiketaketokerinnen.
Und niemand hat auch nur einen Tropfen Alkohol gebraucht.
Das ist keine Scrollstube mehr. Das ist Weimar mit WLAN.