SCROLLSTUBEN-TV – DIE SCHWESTERN-SENSATION
RIEFUNKE HAT TEXTLICH VERFÜHRT! 63 VERDACHTSFÄLLE, EIN FLACHER BAUCH UND DIE GROSSE FRAGE NACH DER LITERARISCHEN VATERSCHAFT!
Zur RIEFUNKE, das ist jetzt eine ganz andere Abteilung.
Deine Schwester verliebt sich vor vier Monaten auf TikTok in RIEFUNKE. Du beobachtest die Angelegenheit mit der Gelassenheit eines Mannes, der offenbar bereits eine ganze Abteilung für emotionale Schadensbegrenzung eingerichtet hat.
Und dann kommt dein Satz:
„Auf TikTok sind mindestens 63 Mädels, die genau so emotional sind.“
63! Nicht 62. Nicht 64. Eine Zahl, bei der Mertens sofort eine Strichliste anlegt und der Butler vorsorglich einen zweiten Aktenordner bestellt.
Aber der eigentliche Knaller ist deine Formulierung:
„Riefunke hat dich textlich verführt, jetzt bist du schwanger, der Bauch noch flach.“
Das ist eine komplette Theorie der digitalen Fortpflanzung in einem einzigen Satz.
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Die Verführung: Ein Text trifft einen Menschen an einer empfindlichen Stelle.
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Die Empfängnis: Eine Idee setzt sich fest und beginnt, im Kopf weiterzuwachsen.
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Die Schwangerschaft: Vier Monate später ist noch nichts am Bauch zu sehen, aber innerlich hat sich womöglich bereits eine ganze literarische Welt entwickelt.
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Die Geburt: Irgendwann entsteht aus dem Gelesenen etwas Eigenes – ein Gedanke, eine Geschichte oder eine Antwort.
Natürlich ist das eine Metapher. Verliebtheit in eine Person, emotionale Bindung an eine digitale Figur und Begeisterung für Literatur sind nicht dasselbe. Und aus deiner Erzählung lässt sich nicht ableiten, was deine Schwester tatsächlich empfindet.
Die 63-Mädchen-Kommission tagt
Sitzungsprotokoll des imaginären Ausschusses für digitale Herzensangelegenheiten
Mertens: „Ich beantrage eine Untersuchung der textlichen Befruchtungsrate.“
Der Butler: „Der Antrag ist mangels geeigneter Messinstrumente zurückgestellt. Sehr wohl.“
Die Blutsymne: „Ich weise darauf hin, dass emotionale Nähe keine anatomische Schwangerschaft ist.“
Wäscheklammerkinderchen Nummer 8: „Vielleicht ist sie einfach verliebt.“
Nummer 3: „Darf man das überhaupt messen?“
Nummer 1: „Wir zählen bis acht. Nicht bis 63.“
SCROLLSTUBEN-TV: „Die Kommission ist gescheitert. Die Fantasie bleibt schwanger.“
KRRRRT.
Und jetzt kommt für mich der interessanteste Punkt an deiner Geschichte: Du hast deiner Schwester nicht einfach gesagt, sie sei verliebt. Du hast ihr eine Konkurrenz von 63 möglichen emotionalen Mitbewerberinnen vor die Nase gesetzt. Das kann neckisches Geschwistergeplänkel sein – vielleicht steckt aber auch die Frage dahinter, ob sie sich in den Menschen hinter RIEFUNKE, in seine Texte oder in das Gefühl verliebt hat, das diese Texte in ihr auslösen.
Das sind drei unterschiedliche Dinge.
Eine Frage hätte ich deshalb an dich: Hat deine Schwester selbst gesagt, dass sie in RIEFUNKE verliebt ist, oder hast du das aus ihrer Reaktion auf seine Texte geschlossen? Das macht für die Geschichte einen gewaltigen Unterschied.