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https://www.n-tv.de/politik/Deutschland-hat-einen-Voelkermord-im-Gazastreifen-beguenstigt-id31445636.html
Der israelische Historiker Omer Bartov ist Professor für Holocaust- und Genozidforschung an der renommierten Brown University in den USA. Vor der Wahl in Israel spricht er im Interview mit ntv.de über den Genozidvorwurf, Deutschlands Verantwortung und erklärt, warum er Sanktionen gegen sein Heimatland befürwortet.
ntv.de: Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat vor Kurzem bei der UN-Vollversammlung behauptet, der Genozidvorwurf gegen Israel wegen seines Vorgehens im Gazastreifen sei "die größte Lüge des Jahrhunderts". Hat er recht?
Omer Bartov: Nein. Seit dem 7. Oktober gibt es in Israel zunehmend eine Politik der Leugnung. Und natürlich spielt Netanjahu dabei eine große Rolle, aber es ist nicht nur Netanjahu. Er hat gesagt, der Krieg im Gazastreifen sei ein Krieg der Zivilisation gegen die Barbarei. Er redet allerlei Unsinn, das ist Propaganda. Er versucht, das Unrechtfertigbare zu rechtfertigen, nämlich die Tötung von Zehntausenden Zivilisten in Gaza, darunter 21.000 Kinder. Und das ist noch die vorsichtigste Schätzung.
Wie geht die israelische Öffentlichkeit mit Kritik daran um?
Egal, ob man Netanjahu betrachtet oder die Opposition in Israel – die hoffentlich die Regierung übernehmen wird –, sie alle leugnen, was Israel in Gaza angerichtet hat. Und ein Großteil der Öffentlichkeit tut das ebenfalls. Das beste Beispiel dafür ist derzeit die außergewöhnliche Reaktion in Israel auf den Film "NAZA", der im September bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig einen Preis gewonnen hat – ein Film über sogenannte Kollateralschäden in Gaza, den die meisten Menschen in Israel noch nicht gesehen haben. Doch die meisten von ihnen wissen bereits, dass das, was der Film zeigt, der Wahrheit entspricht. Und dennoch leugnen sie es pauschal. Das ist meiner Meinung nach das ernsthaftere Problem............
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