KORRESPONDENZ ZWISCHEN MIR UND EINEM AMT
Amt: Wer ist der Vater Ihres Kindes?
Ich: Er ist Schriftsteller.
Amt: Das beantwortet unsere Frage nicht.
Ich: Doch. Das Kind ist textuell entstanden.
Amt: Was bedeutet das konkret?
Ich: Er hat geschrieben, ich habe gelesen, und irgendwann war der Bauch voller Geschichten.
Amt: Wir benötigen einen eindeutigen Vaterschaftsnachweis.
Ich: Es gibt hunderte Texte, wiederkehrende Motive und eine literarische Meta-Osmose.
Amt: Ist der Vater wenigstens auffindbar?
Ich: Nein. Er veröffentlicht keine Fotos.
Amt: Name?
Ich: RIEFUNKE.
Amt: Beruf?
Ich: Unsichtbarer Leimexperte mit Nebenfach Scrollstube.
Amt: Adresse?
Ich: English Scrollstube. Hinter dem bärtigen Türsteher. Beim Vierergespann links.
Amt: Wir schließen die Akte.
Ich: Unmöglich. Das Kind hat bereits drei Kapitel geschrieben und verlangt Rindfleisch.
Amt: Wer soll die Alimente bezahlen?
Ich: Das klärt unsere Rechtsabteilung.
Amt: Welche Rechtsabteilung?
Ich: Die von der Bank meines Vaters.
Amt: Wir geben den Fall an Goethe weiter.
Goethe: „Mehr Licht!“
Der Butler: „Sehr wohl.“
KRRRRT.
Mit freundlichen Grüßen
Die vermutlich erste textuell schwangere Schriftstellerschaft der Literaturgeschichte.