DIE BUNDESWEHR SCHICKT EINEN GENERAL – ABER OBERHAVENSHEIM HAT BEREITS FRIEDEN GESCHLOSSEN!
Ein RIEFUNKE-Sondermanöver mit Goethe, acht Wäscheklammerkindchen, einer Rentnerin und einem General, der plötzlich nicht mehr weiterweiß
XII. DER GENERAL ERSCHEINT
Es war Dienstag.
In Oberhavensheim herrschte eine ungewöhnliche Ruhe.
Der Butler hatte gerade den Ofen in der English Scrollstube nachgelegt. Goethe saß am Fenster und betrachtete eine Wolke, die seiner Ansicht nach eine gewisse Ähnlichkeit mit einem französischen Croissant aufwies.
Die acht Wäscheklammerkindchen spielten mit weißen Schokoladenverpackungen.
Nicole Kidman hatte eine Nachricht geschickt.
Sie wollte wissen, ob noch genügend Schokolade vorhanden sei.
Die Rentnerin saß in ihrem Rollstuhl und kontrollierte mit ihrem schwarzen Stock die Ordnung im Eingangsbereich.
Alles war friedlich.
Bis ein schwarzer Dienstwagen vorfuhr.
Ein Mann stieg aus.
Große Uniform.
Viele Orden.
Ein Gesicht, das aussah, als hätte es seit zwanzig Jahren keinen gelungenen Witz mehr gehört.
Es war ein General.
Hinter ihm folgten zwei Offiziere.
Der General blickte auf das Schild über der Eingangstür:
ENGLISH SCROLLSTUBE
FRIEDENSBRIGADE OBERHAVENSHEIM
AUFNAHME NUR MIT GUTER LAUNE.
Er runzelte die Stirn.
„Wer ist hier verantwortlich?“
Die Rentnerin hob die Hand.
„Ich.“
„In welcher Funktion?“
„In meiner.“
„Ich bin General.“
„Das tut mir leid.“
Der General schaute seinen Adjutanten an.
Der Adjutant schaute auf seine Schuhe.
Goethe stand auf.
„Mein Herr General, darf ich Sie willkommen heißen?“
„Goethe?“
„In der Tat.“
„Der Dichter?“
„Soweit mir bekannt, ja.“
Der General räusperte sich.
„Wir müssen reden.“
Goethe lächelte.
„Das haben die Menschen schon immer gesagt, bevor sie etwas Unvernünftiges getan haben.“
XIII. DER GENERAL WILL DIE FRIEDENSBRIGADE ÜBERNEHMEN
Der General legte eine Mappe auf den Tisch.
„Ich habe von Ihrer sogenannten Friedensbrigade gehört.“
Die Rentnerin hob eine Augenbraue.
„Sogenannt?“
„Wir müssen die Angelegenheit einmal grundsätzlich klären.“
„Dann setzen Sie sich.“
Der General setzte sich.
Der Butler servierte Tee.
„Darf es etwas Dijon-Senf sein?“
„Zum Tee?“
„Wir sind hier in einer internationalen Einrichtung.“
Der General verzichtete.
Er schlug seine Mappe auf.
„Ich habe einen Vorschlag. Ihre Friedensbrigade könnte in die Bundeswehr integriert werden.“
Die acht Wäscheklammerkindchen hörten auf zu spielen.
Das kleinste fragte:
„Was bedeutet integriert?“
„Ihr würdet Teil einer größeren Organisation.“
„Müssen wir dann marschieren?“
„Das gehört unter anderem dazu.“
„Müssen wir Befehle befolgen?“
„Selbstverständlich.“
„Auch wenn sie Quatsch sind?“
Der General schwieg.
Das zweite Wäscheklammerkindchen hob seine kleine Hand.
„Wir hätten da eine Gegenfrage.“
„Bitte.“
„Können Sie auch in unsere Friedensbrigade integriert werden?“
Der General lachte kurz.
„Ich?“
„Ja.“
„Ich bin General!“
Das kleinste Wäscheklammerkindchen nickte.
„Das ist nicht schlimm. Wir nehmen auch Erwachsene.“
XIV. DIE RENTNERIN STELLT DIE ENTSCHEIDENDE FRAGE
Die Rentnerin rollte ein Stück näher.
„Herr General, darf ich Sie etwas fragen?“
„Natürlich.“
„Wie viele Menschen haben Sie schon dazu gebracht, sich wieder zu vertragen?“
Der General schaute sie an.
„Wie bitte?“
„Wie viele?“
„Das ist nicht Gegenstand meiner militärischen Zuständigkeit.“
Die Rentnerin nickte.
„Aha.“
Sie schaute zu Goethe.
„Dann ist er bei uns ja genau richtig.“
Goethe legte seine Brille ab.
„Gnädige Frau, ich glaube, wir müssen die Zuständigkeiten neu ordnen.“
Der Butler brachte ein weiteres Stück Kuchen.
„Ich schlage vor, wir beginnen mit der Zuständigkeit für Menschlichkeit.“
Der General schaute auf die Kuchenplatte.
„Was ist das?“
„Apfelkuchen.“
„Und warum?“
„Weil Frieden auch durch den Magen geht.“
Das dritte Wäscheklammerkindchen ergänzte:
„Krieg macht hungrig. Kuchen macht satt.“
Die Rentnerin klopfte mit ihrem Stock auf den Boden.
„Das schreiben Sie sich auf!“
Der Adjutant holte tatsächlich einen Stift heraus.
XV. GOETHE ENTWICKELT EIN NEUES MILITÄRISCHES KONZEPT
Goethe war inzwischen aufgestanden.
„Herr General, ich hätte einen Vorschlag.“
„Schon wieder?“
„Wir gründen eine neue Truppengattung.“
Der General wurde aufmerksam.
„Eine neue Truppengattung?“
„Ja.“
„Welche?“
„Die Versöhnungstruppen.“
Der General schaute ihn an.
„Und wie sollen die funktionieren?“
„Ganz einfach. Sie werden überall dort eingesetzt, wo Menschen einander nicht mehr zuhören.“
„Und was ist ihre Bewaffnung?“
Goethe antwortete:
„Geduld.“
Der General schrieb nichts auf.
„Ihre Schutzkleidung?“
„Anständigkeit.“
„Ihre Munition?“
„Gute Argumente.“
„Ihre Fahrzeuge?“
„Fahrräder.“
„Und ihre Einsatzstrategie?“
Goethe lächelte.
„Sie gehen nicht aufeinander los. Sie gehen aufeinander zu.“
Das kleinste Wäscheklammerkindchen sprang auf.
„UND WIR HABEN SCHOKOLADE!“
Der General schloss kurz die Augen.
Er hatte schon viele Besprechungen erlebt.
Aber noch keine mit Goethe, einer Rentnerin und acht Wäscheklammerkindchen, die eine militärische Doktrin mit Süßigkeiten ergänzten.
XVI. NICOLE KIDMAN BRINGT EINEN BESONDEREN GAST
Plötzlich klingelte es.
Nicole Kidman trat ein.
Neben ihr stand ein älterer Mann mit einem freundlichen Gesicht.
„Ich habe jemanden mitgebracht“, sagte sie.
Der Butler verbeugte sich.
„Gnädigste.“
Nicole stellte den Gast vor.
„Das ist ein ehemaliger Soldat. Er möchte euch etwas erzählen.“
Der Mann setzte sich.
Er betrachtete die acht Wäscheklammerkindchen.
„Wisst ihr“, sagte er, „ich habe in meinem Leben viele Jahre in Uniform verbracht.“
Die Kinderchen wurden still.
„Ich habe geglaubt, dass Stärke bedeutet, keine Angst zu zeigen.“
Er machte eine Pause.
„Irgendwann habe ich verstanden, dass es manchmal viel mehr Mut braucht, seine Angst zuzugeben.“
Die Rentnerin nickte.
„Das glaube ich Ihnen sofort.“
Der Mann schaute zum General.
„Und ich habe gelernt, dass es keine Schande ist, Frieden zu wollen.“
Der General sagte nichts.
Das kleinste Wäscheklammerkindchen rückte näher.
„Dürfen wir Ihnen etwas schenken?“
„Was denn?“
Es holte eine kleine weiße Schokoladentafel hervor.
„Damit Sie sich daran erinnern.“
Der Mann nahm sie.
Und zum ersten Mal an diesem Nachmittag lächelte der General nicht dienstlich, sondern menschlich.
XVII. DER BUTLER ERFINDET DIE FRIEDENSSTEUER
Der Butler hatte währenddessen eine neue Idee entwickelt.
Er trat mit einem Notizbuch vor.
„Meine Damen und Herren, ich möchte eine kleine wirtschaftliche Ergänzung vorschlagen.“
Die Rentnerin seufzte.
„Jetzt kommt wieder etwas.“
„Ich schlage eine Friedenssteuer vor.“
Der General hob den Kopf.
„Eine Steuer?“
„Ja.“
„Wofür?“
„Für alles, was Menschen miteinander verbindet.“
Der Butler begann aufzuzählen:
„Ein Euro für jedes versöhnte Ehepaar.
Zwei Euro für jeden Streit, der ohne Beleidigungen beendet wird.
Drei Euro für jeden Nachbarn, der dem anderen beim Einkaufen hilft.
Und fünf Euro für jeden Politiker, der einen ganzen Tag lang keinen Menschen beschimpft.“
Goethe hob den Finger.
„Das könnte allerdings zu erheblichen Einnahmeausfällen führen.“
Nicole lachte.
Die Tiketaketokerin, die inzwischen dazugestoßen war, begann sofort mit einer Aufnahme.
„Das geht viral!“
Die Rentnerin schaute sie an.
„Aber nur, wenn du auch die Wahrheit zeigst.“
„Welche Wahrheit?“
„Dass Frieden nicht erst dann anfängt, wenn Kameras dabei sind.“
Die Tiketaketokerin senkte ihr Smartphone.
Das war ein guter Satz.
XVIII. DER GENERAL LEGT SEINE ORDEN AB
Es wurde Abend.
Der General saß noch immer am Tisch.
Vor ihm stand eine Tasse Tee.
Die Rentnerin hatte ihm ein Stück Apfelkuchen gegeben.
Er betrachtete die acht Wäscheklammerkindchen, die inzwischen eine kleine Papierbrücke gebaut hatten.
Zwei Kinderchen standen auf der einen Seite.
Sechs auf der anderen.
„Was macht ihr da?“, fragte er.
„Wir bauen eine Brücke.“
„Warum?“
„Damit die anderen zu uns kommen können.“
„Und wenn sie nicht kommen wollen?“
„Dann warten wir.“
„Wie lange?“
Das kleinste dachte nach.
„Bis sie bereit sind.“
Der General sah auf seine Uniform.
Dann nahm er einen seiner Orden ab und legte ihn auf den Tisch.
„Wisst ihr“, sagte er leise, „ich habe heute etwas gelernt.“
Die Rentnerin schaute ihn an.
„Na, das wurde aber auch Zeit.“
Der General musste lachen.
Es war ein kleines Lachen.
Aber es war echt.
„Vielleicht“, sagte er, „sollte ich öfter hierherkommen.“
Das kleinste Wäscheklammerkindchen nickte.
„Aber bitte ohne Rekrutierungsunterlagen.“
„Einverstanden.“
XIX. DIE OBERHAVENSHEIMER FRIEDENSKONFERENZ
Noch am selben Abend wurde eine außerordentliche Sitzung einberufen.
Die Tagesordnung war übersichtlich:
- Keine Vereinnahmung der Wäscheklammerkindchen.
- Keine militärischen Befehle in der English Scrollstube.
- Mehr Kuchen.
- Mehr gegenseitiges Zuhören.
- Friedliche Verwendung überschüssiger Ressourcen.
- Holzversorgung für den Butler.
- Unbegrenzte weiße Schokolade für besondere Friedensleistungen.
Der General durfte ebenfalls abstimmen.
Er hob die Hand.
„Ich stimme zu.“
Die Rentnerin schaute ihn streng an.
„Nicht so schnell, mein Lieber. Erst müssen Sie noch unterschreiben.“
Der General unterschrieb.
Goethe setzte seinen Namen darunter.
Nicole Kidman ebenfalls.
Der Butler unterschrieb mit einem kleinen Zusatz:
„Unter Vorbehalt ausreichender Heizmaterialversorgung.“
Die acht Wäscheklammerkindchen setzten acht kleine Punkte darunter.
Die Rentnerin machte einen besonders großen Strich.
„So. Jetzt ist die Sache verbindlich.“
XX. DIE GROSSE ÜBERRASCHUNG AM NÄCHSTEN MORGEN
Am folgenden Morgen erschien eine Meldung auf dem Bildschirm der English Scrollstube.
SONDERMELDUNG:
GENERAL BESUCHT FRIEDENSBRIGADE OBERHAVENSHEIM.
UNGEWÖHNLICHE ENTWICKLUNG:
STATT ACHT NEUE REKRUTEN ZU GEWINNEN, HAT DER GENERAL ACHT NEUE GRÜNDE ZUM NACHDENKEN MITGENOMMEN.
Darunter erschien ein Foto.
Der General saß neben der Rentnerin.
Goethe stand dahinter.
Nicole Kidman hielt eine Schokoladentafel hoch.
Der Butler hatte einen Arm voll Brennholz.
Und die acht Wäscheklammerkindchen hielten ein selbst gemaltes Schild:
WIR SIND NICHT ZU HABEN.
Darunter stand:
WIR SIND ZUM LIEBHABEN DA.
Der General hatte sich das Schild kopieren lassen.
Er wollte es in seinem Büro aufhängen.
XXI. DIE LETZTE FRAGE
Am Nachmittag fragte Symne das kleinste Wäscheklammerkindchen:
„Glaubst du, dass die Welt irgendwann friedlich wird?“
Das Kindchen dachte lange nach.
Dann antwortete es:
„Ich weiß es nicht.“
„Warum nicht?“
„Weil die Erwachsenen manchmal so kompliziert sind.“
Symne lächelte.
„Und was sollen wir tun?“
Das kleinste nahm die Hand seiner sieben Geschwister.
„Wir müssen ihnen zeigen, dass es auch anders geht.“
Goethe schaute aus dem Fenster.
Die Rentnerin schloss kurz die Augen.
Der Butler legte Holz nach.
Und irgendwo in der Ferne fuhr ein schwarzer Dienstwagen davon.
Diesmal ohne Rekrutierungsplakate.
XXII. DAS OBERHAVENSHEIMER FRIEDENSMANIFEST
Am Abend wurde ein neues Manifest veröffentlicht.
Es bestand aus nur acht Sätzen.
- Kein Kind ist Kanonenfutter.
- Kein Mensch verliert seine Würde durch seine Herkunft, sein Alter oder seine körperlichen Möglichkeiten.
- Wer Frieden will, muss Menschen zuhören.
- Holz ist zum Heizen da, nicht zum Erschießen.
- Stärke zeigt sich nicht darin, andere zu beherrschen.
- Niemand muss seine Menschlichkeit an einer Uniform abgeben.
- Wer einen Streit beenden kann, hat etwas geleistet.
- Die Welt gehört nicht den Lautesten, sondern allen, die auf ihr leben.
Goethe las das Manifest zweimal.
Dann sagte er:
„Das ist vielleicht nicht die schlechteste Verfassung, die ich je gelesen habe.“
Die Rentnerin nickte.
„Und jetzt machen wir Abendessen.“
Der Butler erhob sich.
„Sehr wohl.“
XXIII. DER RIEFUNKE-SCHLUSS
Es gibt Armeen, die marschieren.
Es gibt Armeen, die salutieren.
Es gibt Armeen, die zählen ihre Fahrzeuge, ihre Orden und ihre Ausrüstung.
Und dann gibt es acht kleine Wäscheklammerkindchen.
Sie besitzen keine Panzer.
Keine Raketen.
Keine Kasernen.
Keine militärischen Dienstgrade.
Sie besitzen weiße Schokolade, Fantasie und die bemerkenswerte Fähigkeit, Erwachsenen unangenehme Fragen zu stellen.
Vielleicht ist das nicht viel.
Vielleicht ist es aber genau das, was wir brauchen.
Denn eine Welt, in der Menschen einander zuhören, muss nicht erst nach einem Sieg wieder aufgebaut werden.
Sie ist schon vorher ein besserer Ort.
Die Rentnerin hat ihren schwarzen Stock.
Goethe seinen Dijon-Senf.
Nicole Kidman ihre Schokolade.
Der Butler sein Brennholz.
Der General seine neuen Gedanken.
Und die acht Wäscheklammerkindchen?
Die haben längst beschlossen, dass sie sich nicht einziehen lassen.
Sie lassen sich höchstens zum Abendessen rufen.
Und wenn jemand fragt, wer in Oberhavensheim das Kommando hat, lautet die Antwort:
NIEMAND.
HIER WIRD NICHT KOMMANDIERT.
HIER WIRD AUFEINANDER AUFGEPASST.
RIEFUNKE!
WÄSCHEKLAMMERKINDCHEN ALLER LÄNDER:
VERKNOTET EUCH!
NICHT GEGENEINANDER.
MITEINANDER.
UND WENN EUCH JEMAND EINEN KRIEG ERKLÄREN WILL:
FRAGT IHN ZUERST, OB ER SCHON ZU MITTAG GEGESSEN HAT.
DENN MANCHER KONFLIKT HÄTTE VIELLEICHT NIE BEGONNEN, WENN ALLE BETEILIGTEN EIN STÜCK APFELKUCHEN BEKOMMEN HÄTTEN.
FRIEDEN IST KEIN MANÖVER.
FRIEDEN IST EINE ENTSCHEIDUNG.
RIEFUNKE!
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