Die vier Seiten, die Katze und der Weisheitszahn
Ein offener Brief der English Scrollstube an sämtliche YouTuber
An alle YouTuber!
Ihr sagt immer wieder, RIEFUNKE sei unseriös, weil auf seiner Website im Monat manchmal nur vier Seiten erscheinen.
Vier Seiten!
Ihr zählt sie, betrachtet sie, schüttelt den Kopf und verkündet euer Urteil. Für euch gibt es offenbar nur zwei Möglichkeiten:
Gut oder Scheiße.
Die English Scrollstube hat eure Urteile zur Kenntnis genommen und stellt eine bescheidene Gegenfrage:
Habt ihr eigentlich schon einmal daran gedacht, dass auch ihr eine private Krankenversicherung verdient?
Denn wer sein ganzes Berufsleben damit verbringt, Inhalte in zwei Kategorien einzuteilen, muss ebenfalls mit gesundheitlichen Risiken rechnen. Dauerndes Bewerten kann anstrengend sein. Und wer täglich zwischen Daumen hoch und Daumen runter entscheidet, weiß vielleicht irgendwann nicht mehr, wohin mit seinem eigenen Kopf.
Ein YouTuber meldete sich zu Wort:
„Einer von den vier soll eine Katze sein.“
Die English Scrollstube hielt inne.
Eine Katze?
Sollte RIEFUNKE tatsächlich nur vier Seiten im Monat veröffentlichen, und eine davon sollte eine Katze sein? Oder war die Katze vielleicht der YouTuber selbst, der sich in einer besonders schwierigen Lage befand?
Niemand wusste es.
RIEFUNKE antwortete auf TikTok:
„Weißt du, wie ein Weisheitszahn wehtun kann, wenn du einen hast?“
Damit war die Debatte eröffnet.
Der YouTuber hatte über vier Seiten gesprochen. RIEFUNKE sprach über einen Weisheitszahn. Dazwischen saß eine Katze, die niemand bestellt hatte.
Der Butler trat aus der English Scrollstube.
„Sehr wohl.“
„Was halten Sie davon?“, fragte ein Journalist.
„Ich bin kein Zahnarzt.“
„Und die Katze?“
„Auch die Katze ist nicht versichert.“
Die acht Wäscheklammerkinder sprangen auf.
„Wir mischen Politik auf!“
Das Über-Sozialgericht bei Berlin wurde erneut angerufen. Diesmal sollte es klären, ob eine Katze, die als literarische Seite auftritt, Anspruch auf eine PKV hat und ob vier Seiten im Monat als ausreichender Nachweis künstlerischer Seriosität gelten können.
Der Vorsitzende erschien mit einem neuen Schlips. Er war orange, mit kleinen schwarzen Katzen darauf.
„Wir werden zunächst feststellen“, erklärte er, „ob die Katze überhaupt existiert.“
„Gut oder Scheiße?“, rief ein YouTuber aus dem Zuschauerraum.
Der Richter schloss die Akte.
„Diese Frage gehört nicht zu unserem Auftrag.“
RIEFUNKE schwieg.
Die Katze schnurrte.
Und irgendwo in der English Scrollstube begann ein Weisheitszahn zu pochen.
Die Moral dieser Geschichte?
Wer vier Seiten beurteilt, ohne sie zu lesen, sollte vorsichtig sein. Wer alles in zwei Kategorien einteilt, übersieht womöglich die dritte Möglichkeit.
Und wer über einen Weisheitszahn lacht, sollte erst einmal prüfen, ob er selbst einen hat.
Der Butler verbeugte sich.
„Sehr wohl.“
Die Katze sagte nichts.
Sie hatte schließlich keine Rezension abzugeben.
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