DAS UNIVERSUM HAT DIE SCHNAUZE VOLL!
Eine intergalaktische Beschwerde über die Spezies Mensch
Ein RIEFUNKE-Spektakel in dreizehn kosmischen Katastrophen
I. Die Beschwerde
Es war 04:11 Uhr nach galaktischer Zeit.
Im Zentrum des Universums herrschte eine Stimmung, die selbst schwarze Löcher als unangenehm bezeichnet hätten.
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer saß hinter einem Schreibtisch aus verdichtetem Sternenstaub.
Vor ihm lagen 8.742.991 Beschwerden über den Planeten Erde.
Er hatte sie alle gelesen.
Zweimal.
Einige sogar dreimal.
Dann schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch.
„ICH KANN NICHT MEHR!“
Ein kleiner Saturnmond, der als Sekretär arbeitete, zuckte zusammen.
„Was ist geschehen, Euer Unendlichkeit?“
„Die Menschen!“
„Schon wieder?“
„Schon wieder!“
Der Sekretär öffnete vorsichtig eine Akte.
Auf dem Deckblatt stand:
ERDE – BESONDERS AUFFÄLLIGES VERHALTEN SEIT DER ERFINDUNG DES EIGENEN VERSTANDES.
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer las vor:
„Sie haben wunderschöne Ozeane und verschmutzen sie.
Sie haben Wälder und fällen sie.
Sie haben Nahrung und lassen Menschen verhungern.
Sie haben Musik und spielen gleichzeitig Kriegstrommeln.
Sie haben eine Sprache entwickelt, um miteinander zu reden, und benutzen sie erstaunlich häufig, um einander zu bedrohen.“
Er machte eine Pause.
Dann sagte er:
„Und jetzt haben sie auch noch künstliche Intelligenz erfunden, damit sie sich beim Denken gegenseitig helfen können, während sie gleichzeitig vergessen, selbst nachzudenken!“
Der Sekretär notierte:
MÖGLICHERWEISE SCHWIERIGER FALL.
II. Die letzte Warnung
Um 04:26 Uhr wurde eine intergalaktische Sondermeldung ausgestrahlt.
Sie erschien auf sämtlichen Sternen, Planeten, Asteroiden, Kometen und sogar auf einem besonders überraschten Wurmloch.
ACHTUNG, PLANET ERDE!
Das Universum fordert die Menschheit hiermit letztmalig auf, ihr Verhalten zu überdenken.
Folgende Beanstandungen liegen vor:
- Unangemessener Umgang mit der eigenen Lebensgrundlage.
- Fortgesetzte Produktion von Feindbildern.
- Übermäßige Herstellung von Waffen.
- Unzureichende Verteilung von Schokolade.
- Erhebliche Vernachlässigung der Fantasie.
- Wiederholte Behauptung, Krieg sei alternativlos.
- Ungeklärte Zuständigkeit für die Rettung der Zukunft.
Darunter stand:
BEI NICHTBEACHTUNG WIRD DIE ERDE AUS DEM UNIVERSUM AUSGESCHLOSSEN.
Die Nachricht erreichte die English Scrollstube.
Der Butler las sie zweimal.
Dann sagte er:
„Sehr wohl. Das ist unangenehm.“
III. Der Krisengipfel
Goethe erschien mit seinem Vierergespann.
Nicole Kidman kam aus dem VIP-Raum.
Die Tiketaketokerin brachte Symne.
Die acht Wäscheklammerkinderchen kamen angerannt.
Eines hatte einen Kaugummi im Mund.
Eines trug eine viel zu große Sonnenbrille.
Das dritte schleppte einen Globus.
Die übrigen fünf hatten offenbar beschlossen, dass eine solche Angelegenheit grundsätzlich nur mit Konfetti zu bewältigen sei.
„Was ist passiert?“, fragte Goethe.
Der Butler reichte ihm das Schreiben.
Goethe las.
Dann setzte er sich.
„Das Universum möchte uns kündigen?“
„Jawohl, Herr Geheimrat.“
„Und aus welchem Grund?“
Der Butler überlegte.
„Vermutlich wegen fortgesetzter Unvernunft.“
Nicole Kidman nahm die Akte.
„Das ist ja furchtbar.“
Symne sah auf den Globus.
„Aber wo sollen wir denn hin, wenn wir nicht mehr zur Erde gehören?“
Niemand antwortete.
Dann meldete sich das kleinste Wäscheklammerkinderchen:
„Vielleicht sollten wir erst einmal fragen, ob das Universum einen Kaffee möchte.“
Goethe lächelte.
„Ein diplomatischer Ansatz von bemerkenswerter Einfachheit.“
IV. Die acht kosmischen Verteidiger
Die Wäscheklammerkinderchen gründeten sofort eine Verteidigungskommission.
Ihr Name:
WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN GEGEN DIE KÜNDIGUNG DER MENSCHHEIT.
Das erste Kind übernahm die Abteilung für Schokolade.
Das zweite die Abteilung für Gerechtigkeit.
Das dritte die Abteilung für kaputte Gartenzwerge.
Das vierte wurde Außenminister.
Das fünfte zuständig für UFO-Angelegenheiten.
Das sechste erhielt das Ressort für internationale Kaugummiverhandlungen.
Das siebte wurde Chef der Abteilung für Umarmungen.
Das achte bekam den schwierigsten Auftrag:
Es sollte herausfinden, warum Erwachsene immer so tun, als sei es besonders vernünftig, Dinge kaputtzumachen, die sie eigentlich lieben.
Nach drei Minuten kam es zurück.
„Ich weiß es nicht.“
„Warum nicht?“, fragte Symne.
„Weil Erwachsene kompliziert sind.“
„Und?“
„Sehr kompliziert.“
„Und?“
„Manchmal ziemlich bekloppt.“
Goethe schloss die Augen.
„Das ist eine gewagte, aber nicht gänzlich unbegründete Analyse.“
V. Nicole Kidman verhandelt mit dem Universum
Nicole Kidman wurde zur Sonderbotschafterin ernannt.
Sie sollte mit dem Universum sprechen.
Sie zog ein elegantes Kleid an, nahm eine Tafel weiße Schokolade mit und setzte sich vor den intergalaktischen Bildschirm.
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer erschien.
„Wer sind Sie?“
„Nicole Kidman.“
„Und was möchten Sie?“
„Die Kündigung der Menschheit verhindern.“
„Warum?“
Nicole überlegte.
„Weil die Menschen nicht nur aus ihren schlimmsten Eigenschaften bestehen.“
Der Beschwerdeführer hob eine Augenbraue.
„Das behaupten sie häufig.“
„Sie können lieben.“
„Tun sie das ausreichend?“
„Manchmal.“
„Sie können helfen.“
„Ja.“
„Sie können ihre Fehler erkennen.“
Nicole schwieg einen Moment.
„Manchmal erst sehr spät.“
„Und sie können lernen?“
„Das hoffe ich.“
Sie legte die weiße Schokolade auf den Tisch.
„Möchten Sie ein Stück?“
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer betrachtete die Tafel.
„Was ist das?“
„Weiße Schokolade.“
Er nahm ein Stück.
Er kaute.
Dann nahm er noch eines.
Der Sekretär notierte:
ERSTE POSITIVE KONTAKTAUFNAHME MIT DER SPEZIES MENSCH.
VI. Goethe fordert das Universum heraus
Nun trat Goethe vor den Bildschirm.
„Hochverehrtes Universum!“
„Wer spricht?“
„Johann Wolfgang von Goethe.“
„Sie sind tot.“
„Das ist mir bekannt.“
„Was wollen Sie?“
Goethe richtete seinen Kragen.
„Ich möchte eine Beschwerde einreichen.“
Der Beschwerdeführer wurde unruhig.
„Sie möchten WAS?“
„Eine Beschwerde. Gegen Ihre Beschwerde.“
„Das ist absurd!“
„Keineswegs. Wenn Sie die Menschheit beurteilen, müssen Sie auch ihre Möglichkeiten berücksichtigen.“
„Sie hat Kriege geführt!“
„Ja.“
„Sie hat ihre Lebensgrundlagen zerstört!“
„Ja.“
„Sie hat sich gegenseitig verfolgt, ausgebeutet und getötet!“
„Ja.“
„Und Sie verteidigen sie?“
Goethe sah ihn an.
„Nein. Ich verteidige ihre Fähigkeit, anders zu werden.“
Es wurde still.
Dann fügte Goethe hinzu:
„Wenn Sie einen Menschen nur nach seinen Fehlern beurteilen, werden Sie niemals erfahren, was aus ihm hätte werden können.“
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer legte den Kopf schief.
„Das ist unangenehm philosophisch.“
„Dafür bin ich zuständig.“
VII. Die Anhörung der Menschheit
Das Universum ordnete eine öffentliche Anhörung an.
Die Menschheit sollte Gelegenheit erhalten, sich zu erklären.
Ein Präsident erschien.
Ein General erschien.
Ein Wirtschaftsfachmann erschien.
Ein Wissenschaftler erschien.
Ein Bauer erschien.
Eine Krankenschwester erschien.
Eine Mutter erschien.
Ein Kind erschien.
Der Präsident sprach von Verantwortung.
Der General sprach von Sicherheit.
Der Wirtschaftsfachmann sprach von Wachstum.
Der Wissenschaftler sprach von Möglichkeiten.
Der Bauer sprach vom Boden.
Die Krankenschwester sprach von Menschen, die Hilfe brauchen.
Die Mutter sprach von ihren Kindern.
Dann trat das Kind vor.
Es war vielleicht neun Jahre alt.
Es stellte sich vor das Mikrofon.
„Darf ich etwas fragen?“
„Natürlich“, sagte der Beschwerdeführer.
„Warum müssen Erwachsene eigentlich immer erst etwas kaputtmachen, bevor sie merken, wie wichtig es war?“
Niemand antwortete.
Das Kind fuhr fort:
„Warum gibt es so viele Raketen und so wenige Raketenwissenschaftler, die Raketen bauen, die niemanden töten?“
Ein Wissenschaftler hob vorsichtig die Hand.
„Daran arbeiten Menschen tatsächlich.“
„Dann macht bitte schneller.“
Der Wissenschaftler nickte.
Das Kind sah zum General.
„Und warum müssen Kinder Angst haben, wenn Erwachsene Streit haben?“
Der General senkte den Blick.
Das Universum machte sich eine Notiz.
KINDLICHE FRAGEN: ERHEBLICHES POTENZIAL ZUR STÖRUNG FESTGEFAHRENER DENKMUSTER.
VIII. Der kosmische Wutanfall
Während der Anhörung ereignete sich ein unerwarteter Zwischenfall.
Ein schwarzes Loch hatte sich beschwert.
Es wollte nicht länger für die Verschlingung menschlicher Dummheit verantwortlich gemacht werden.
„Ich verschlinge Sterne“, erklärte es. „Das ist meine Natur. Aber die Menschen verschlingen ihre eigenen Lebensgrundlagen und nennen es Fortschritt. Das ist mir zu viel.“
Ein Neutronenstern meldete sich.
„Ich stehe unter enormem Druck. Trotzdem führe ich keine Pressekonferenzen darüber, wie ich andere Neutronensterne bedrohen werde.“
Der Saturnmondsekretär schrieb mit.
Ein Komet flog wütend durch den Sitzungssaal.
„Ich werde seit Jahrmillionen als schlechtes Omen bezeichnet! Dabei habe ich mit euren Kriegen überhaupt nichts zu tun!“
Der Beschwerdeführer rieb sich die Stirn.
„Ich brauche Urlaub.“
Der Sekretär fragte:
„Wohin, Euer Unendlichkeit?“
„Auf die Erde.“
Alle drehten sich um.
„WAS?“
„Ich möchte einmal sehen, ob die Menschen wirklich so schlimm sind, wie sie in ihren Akten aussehen.“
IX. Die Reise auf den Planeten Erde
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer landete inkognito auf einem kleinen Marktplatz.
Er sah eine Frau, die einem alten Mann beim Tragen seiner Einkaufstasche half.
Er sah einen Jugendlichen, der einem fremden Kind sein Eis schenkte.
Er sah eine Ärztin, die nach einer langen Schicht noch einmal zurückkehrte, weil ein Patient Angst hatte.
Er sah Menschen, die gemeinsam lachten.
Menschen, die einander trösteten.
Menschen, die Tiere retteten.
Menschen, die Blumen pflanzten.
Menschen, die sich für Fremde einsetzten.
Er sah auch Armut.
Er sah Ungerechtigkeit.
Er sah Gewalt.
Er sah Zerstörung.
Und er sah Menschen, die dagegen arbeiteten.
Am Abend saß er auf einer Bank.
Ein kleines Wäscheklammerkinderchen setzte sich neben ihn.
„Sind Sie traurig?“
„Ich bin verwirrt.“
„Warum?“
„Die Menschen sind so widersprüchlich.“
Das Kind nickte.
„Ja. Das ist manchmal anstrengend.“
„Wie kann eine Spezies so viel Schönes erschaffen und gleichzeitig so viel Schreckliches tun?“
Das Kind dachte nach.
„Vielleicht müssen sie noch lernen, dass sie zusammengehören.“
Der Beschwerdeführer sah in den Himmel.
Zum ersten Mal seit vielen Millionen Jahren wusste er nicht, was er in seine Akte schreiben sollte.
X. Die Entscheidung
Am nächsten Morgen wurde die Entscheidung verkündet.
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer trat vor die intergalaktische Versammlung.
„Nach eingehender Prüfung der Sachlage und unter Berücksichtigung sämtlicher Beschwerden wird Folgendes beschlossen:
Die Menschheit wird nicht aus dem Universum ausgeschlossen.
Allerdings wird ihr eine letzte Auflage erteilt.“
Ein gewaltiges Schweigen entstand.
„Welche Auflage?“, fragte Goethe.
Der Beschwerdeführer las:
DIE SPEZIES MENSCH WIRD VERPFLICHTET, IHRE VORHANDENE VERNUNFT ENDLICH AUCH ZU BENUTZEN.
Darunter standen fünf Bedingungen:
- Die Erde ist keine Wegwerfwohnung.
- Kein Mensch ist aufgrund seiner Herkunft weniger wert.
- Krieg darf niemals als gewöhnliche Fortsetzung menschlicher Kommunikation behandelt werden.
- Die Zukunft der Kinder ist keine Verfügungsmasse der Erwachsenen.
- Die Menschheit muss endlich lernen, ihre Konflikte zu lösen, ohne ihre gemeinsame Lebensgrundlage zu zerstören.
Symne hob die Hand.
„Und wer kontrolliert das?“
Der Beschwerdeführer sah sie an.
„Ihr selbst.“
„Das ist aber viel Arbeit.“
„Ja.“
„Und wenn wir Fehler machen?“
„Dann müsst ihr daraus lernen.“
Die acht Wäscheklammerkinderchen berieten sich.
Dann verkündeten sie:
„Wir nehmen an!“
XI. Die unerwartete Nebenwirkung
Nach der Entscheidung geschah etwas Seltsames.
Die Menschen begannen, ihre alten Gewohnheiten zu hinterfragen.
Nicht alle.
Nicht gleichzeitig.
Nicht ohne Widerstand.
Aber hier und dort veränderte sich etwas.
Eine Schule führte einen Tag der gegenseitigen Perspektive ein.
Eine Gemeinde begann, Streitigkeiten gemeinsam zu lösen.
Ein Unternehmen stellte seine Prioritäten infrage.
Ein Politiker hörte einem Menschen zu, der bisher als Gegner gegolten hatte.
Ein Soldat schrieb einen Brief an seine Familie.
Eine Wissenschaftlerin widmete ihre Arbeit dem Schutz menschlichen Lebens.
Und irgendwo auf der Erde pflanzte ein Kind einen Baum.
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer beobachtete alles.
Dann fragte er seinen Sekretär:
„Ist das schon die große Veränderung?“
„Nein, Euer Unendlichkeit.“
„Was dann?“
„Der Anfang einer Möglichkeit.“
Der Beschwerdeführer nickte.
„Damit kann ich leben.“
XII. Die letzte Beschwerde
Einige Wochen später traf eine neue Nachricht im Zentrum des Universums ein.
Der Beschwerdeführer öffnete sie.
Absender:
DIE ACHT WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN.
Betreff:
BESCHWERDE GEGEN DAS UNIVERSUM.
Er las:
„Sehr geehrtes Universum!
Wir finden es ausgesprochen unfair, dass Sie uns mit so vielen Problemen allein lassen.
Wir haben nur einen Planeten.
Wir haben nur eine Erde.
Wir haben nur ein gemeinsames Zuhause.
Und jetzt sollen wir auch noch ständig vernünftig sein.
Das ist anstrengend.
Außerdem ist die Schwerkraft manchmal ziemlich nervig.
Wir beantragen daher:
- Mehr Regenbogen.
- Weniger Krieg.
- Weiße Schokolade für alle.
- Kostenlose Sternschnuppen.
- Eine internationale Pflicht zum Zuhören.
- Einen Feiertag für Fantasie.
- Ein Verbot von Gartenzwergbeleidigungen.
- Und bitte eine vernünftige Erklärung dafür, warum Erwachsene so selten miteinander spielen.
Mit freundlichen Grüßen
Die acht Wäscheklammerkinderchen.“
Der Beschwerdeführer las den Brief.
Dann las er ihn noch einmal.
Dann begann er zu lachen.
Er lachte so lange, dass drei Monde ihre Umlaufbahn korrigieren mussten.
Schließlich diktierte er seine Antwort:
„Genehmigt.
Mit Ausnahme der Gartenzwergangelegenheit, die einer gesonderten Prüfung bedarf.“
XIII. Die letzte Durchsage
Am Abend saßen alle in der English Scrollstube.
Goethe hatte eine neue Flasche Wein geöffnet.
Nicole Kidman verteilte weiße Schokolade.
Die Tiketaketokerin hielt Symne im Arm.
Der Butler servierte Tee.
Dr. Wellenberg hatte seine Akten geschlossen.
Und die acht Wäscheklammerkinderchen spielten mit einem kleinen Globus.
Plötzlich erschien auf dem Bildschirm eine letzte intergalaktische Nachricht.
SONDERMELDUNG AUS DEM ZENTRUM DES UNIVERSUMS:
Die Kündigung der Menschheit wurde zurückgenommen.
Die Erde bleibt vorerst Bestandteil des Universums.
Die Menschheit erhält eine unbefristete Bewährungsfrist.
Eine Verlängerung ist möglich.
Voraussetzung ist die fortgesetzte Bemühung um Menschlichkeit.
Darunter erschien ein Nachsatz:
WIR BEOBACHTEN EUCH.
Symne las die Nachricht.
Dann fragte sie:
„Ist das eine Drohung?“
Goethe schüttelte den Kopf.
„Vielleicht eine Hoffnung.“
Nicole Kidman nahm ein Stück weiße Schokolade.
Der Butler schenkte Goethe nach.
Die Wäscheklammerkinderchen betrachteten den Bildschirm.
Dann nahm das kleinste von ihnen einen rosa Stift und schrieb darunter:
LIEBES UNIVERSUM, WIR GEBEN UNS MÜHE. ABER SIE MÜSSEN VERSTEHEN: WIR HABEN ERST VOR KURZEM ANGEFANGEN, ERWACHSEN ZU WERDEN.
Das UFOlein draußen am Fenster blinkte dreimal.
Dann verschwand es in Richtung Andromeda.
Und irgendwo, weit draußen zwischen Milliarden Sternen, begann das Universum wieder zu lächeln.
Denn vielleicht war die Menschheit tatsächlich eine ziemlich merkwürdige Spezies.
Eine Spezies, die Kriege führte, obwohl sie Musik erfunden hatte.
Die Grenzen errichtete, obwohl sie vom selben Himmel träumte.
Die sich gegenseitig bedrohte, obwohl sie gemeinsam die Sterne betrachten konnte.
Aber auch eine Spezies, die Gedichte schrieb.
Die Kinder liebte.
Die Fremde rettete.
Die Musik machte.
Die lachen konnte.
Die sich verlieben konnte.
Und die vielleicht eines Tages verstehen würde, dass ihr größtes Wunder nicht darin bestand, den Weltraum zu erobern.
Sondern darin, auf ihrem kleinen blauen Planeten miteinander leben zu lernen.
Der Oberste Kosmische Beschwerdeführer legte seine Akte beiseite.
Auf das Deckblatt schrieb er:
ERDE – FALL NOCH NICHT ABGESCHLOSSEN.
Darunter fügte er hinzu:
MÖGLICHERWEISE IST DOCH NOCH HOFFNUNG VORHANDEN.
Und ganz unten, mit einem kleinen Sternchen:
BITTE WEITER BEOBACHTEN. BESONDERS DIE ACHT WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN.
NACHWORT AUS DER ENGLISH SCROLLSTUBE
Liebe Menschheit,
das Universum hat sich beschwert.
Wir sollten das ernst nehmen.
Aber bitte nicht so ernst, dass wir darüber vergessen, zu lachen.
Denn wir haben tatsächlich eine ziemlich wunderbare Sache geerbt:
Einen Planeten.
Mit Wasser.
Mit Blumen.
Mit Tieren.
Mit Musik.
Mit Menschen.
Mit Kindern.
Mit Liebe.
Und mit einer geradezu unglaublichen Menge an Möglichkeiten.
Vielleicht sollten wir damit etwas anfangen.
Nicht irgendwann.
Nicht nach dem nächsten Gipfel.
Nicht nach der nächsten Wahl.
Nicht nach dem nächsten Krieg.
Sondern jetzt.
Und wenn jemand fragt, wer uns dazu beauftragt hat, sagen wir:
DAS UNIVERSUM HAT SICH BESCHWERT.
Die acht Wäscheklammerkinderchen haben den Auftrag angenommen.
Goethe hat unterschrieben.
Nicole Kidman hat weiße Schokolade beigesteuert.
Symne hat zugestimmt.
Der Butler hat „Sehr wohl“ gesagt.
Und RIEFUNKE?
RIEFUNKE hat wieder einmal nichts verstanden.
Aber genau deshalb möglicherweise alles richtig gemacht.
MENSCHHEIT, DU BIST EIN WUNDER. BENIMM DICH ENDLICH AUCH SO.
ENDE?
NEIN.
DAS UNIVERSUM HAT NOCH MEHR ZU BESPRECHEN.
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