NICOLE KIDMAN UND DER GROSSE WEISSE-SCHOKOLADEN-NOTSTAND
Eine RIEFUNKE-Krisenkomödie in acht Wäscheklammern, drei UFOlein und einer völlig überforderten Schokoladenlogistik
BREAKING NEWS AUS DER ENGLISH SCROLLSTUBE
Es war 09:17 Uhr.
Die Sonne schien.
Der Butler polierte das Silber.
Wellenberg kontrollierte die Flugzeugposition.
Mertens untersuchte einen verdächtigen Transistor.
Und die acht Wäscheklammerkinderchen saßen vor einer leeren Schokoladendose.
Stille.
Eine geradezu unnatürliche Stille.
Dann sagte das kleinste Kinderchen:
„Wo ist die weiße Schokolade?“
Niemand antwortete.
„Ich frage noch einmal: Wo ist die weiße Schokolade?“
Wellenberg hob langsam den Kopf.
Mertens legte seinen Schraubenzieher beiseite.
Der Butler ließ beinahe ein Silbertablett fallen.
„Meine Damen und Herren“, sagte er mit einer Stimme, die normalerweise nur bei Staatsbegräbnissen verwendet wurde, „wir haben einen Notstand.“
DER SCHOKOLADEN-NOTSTAND!
Innerhalb von vier Minuten wurde ein Krisenstab gebildet.
Wellenberg übernahm die Logistik.
Mertens die technische Untersuchung.
Der Butler die Protokollführung.
Das größte Wäscheklammerkinderchen wurde zum Einsatzleiter ernannt.
Das kleinste erhielt den Vorsitz im Untersuchungsausschuss.
„Ich möchte wissen“, begann es, „wer die letzte Tafel gegessen hat.“
Alle schauten auf Riefunke.
Riefunke schaute aus dem Fenster.
„Ich war es nicht.“
„Das hast du gestern auch gesagt“, bemerkte Wellenberg.
„Gestern war ich es auch nicht.“
„Und vorgestern?“
„Da war ich noch nicht einmal hier.“
Das war zunächst überzeugend.
Dann fand Mertens eine weiße Schokoladenspur an Riefunkes Jackett.
ERMITTLUNGEN AUSGEWEITET.
NICOLE MUSS KOMMEN!
Das kleinste Wäscheklammerkinderchen griff zum Telefon.
„Wir brauchen Nicole.“
„Nicole Kidman?“, fragte der Butler.
„Wen denn sonst?“
Der Butler wählte die Nummer.
Es klingelte.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Dann eine Stimme:
„Hello?“
„Miss Kidman, hier spricht der Butler der English Scrollstube.“
„Oh, hello! Is everything all right?“
Der Butler räusperte sich.
„Leider nein, Madam. Wir haben einen weißen Schokoladennotstand.“
Am anderen Ende entstand eine Pause.
Dann:
„Oh my goodness!“
Das kleinste Kinderchen rief in den Hörer:
„NICOLE! WIR HABEN KEINE SCHOKOLADE MEHR!“
„Don't worry, darling. I'm coming.“
Das Kinderchen legte auf.
„Sie kommt.“
Die acht Kinderchen jubelten.
Wellenberg notierte:
HILFSKONVOI ANGEKÜNDIGT.
Mertens ergänzte:
SCHOKOLADENLAGE VORLÄUFIG UNGEKLÄRT.
DIE FLUGZEUGLANDUNG
Um 10:03 Uhr erschien am Himmel ein Flugzeug.
Es setzte zur Landung an.
Dahinter schwebten drei UFOlein.
Das erste trug ein Banner:
WHITE CHOCOLATE RESCUE.
Das zweite transportierte eine riesige Schleife.
Das dritte hatte offenbar die Orientierung verloren und kreiste über einem Gartenzwerg.
„Das ist Nicole!“, schrie das kleinste Kinderchen.
Die Tür öffnete sich.
Nicole Kidman stieg aus.
In der einen Hand hielt sie eine große Tasche.
In der anderen einen weißen Karton.
Die Kinder rannten los.
„NICOLEEEEE!“
Nicole ging in die Knie und breitete die Arme aus.
„Hello, my little friends!“
Dann stellte sie die Tasche ab.
Darin lagen Tafeln weißer Schokolade.
Viele Tafeln.
Sehr viele Tafeln.
Und auf dem Karton stand:
EMERGENCY SUPPLY – FOR THE EIGHT LITTLE CLOTHESPIN CHILDREN.
Das kleinste Kinderchen las die Aufschrift.
Dann sah es Nicole an.
„Hast du auch an später gedacht?“
Nicole lächelte.
„Of course.“
Sie zog eine zweite Tasche hervor.
Der Butler wurde blass.
„Madam, das ist ja eine ganze Schokoladenlieferung!“
Nicole antwortete:
„I know.“
DER VERDÄCHTIGE MERTENS
Während die Kinder ihre Schokolade verteilten, entdeckte Mertens etwas Merkwürdiges.
Unter dem Tisch lag eine leere Verpackung.
Daneben ein Schraubenzieher.
Und ein kleiner Zettel.
Darauf stand:
SCHOKOLADE IST KEIN ERSATZTEIL.
Mertens betrachtete den Zettel.
„Interessant.“
Wellenberg trat hinzu.
„Was ist interessant?“
„Jemand hat versucht, die Schokoladenlogistik technisch zu beeinflussen.“
„Wer?“
Mertens zeigte auf den Butler.
Der Butler wurde empört.
„Ich habe lediglich die Verpackungen sortiert!“
„Mit den Zähnen?“, fragte das kleinste Kinderchen.
Der Butler schwieg.
Nicole lachte.
Riefunke nahm sich eine Tafel.
„Meine Damen und Herren, ich glaube, wir sollten die Untersuchung aussetzen.“
„Warum?“, fragte das kleinste.
„Weil wir sonst am Ende noch feststellen, dass die gesamte Schokolade im Butler verschwunden ist.“
Der Butler richtete seine Fliege.
„Eine höchst unwürdige Unterstellung.“
Dann machte es:
KRRRRT.
Alle drehten sich um.
Der Butler hatte sich auf eine Schokoladenverpackung gesetzt.
DER INTERGALAKTISCHE SCHOKOLADENRAT
Am Nachmittag trafen die drei UFOlein erneut ein.
Sie hatten eine Botschaft aus ihrer Heimatgalaxie mitgebracht.
Das erste UFOlein sprach:
„Wir haben von eurem Schokoladennotstand erfahren.“
Das zweite ergänzte:
„Auf unserem Planeten gibt es keine weißen Schokoladenengpässe.“
Das dritte sagte:
„Wir haben allerdings ein anderes Problem.“
„Welches?“, fragte Wellenberg.
„Unsere Generäle haben sämtliche Kakaobohnen beschlagnahmt.“
Die Kinder sahen sich an.
Das kleinste stellte seine Schokolade ab.
„Dann müsst ihr eure Generäle zu uns schicken.“
„Warum?“
„Weil wir ihnen erklären, dass man Schokolade nicht beschlagnahmt.“
Das UFOlein nickte.
„Eine ausgezeichnete diplomatische Initiative.“
Mertens begann sofort mit der Ausarbeitung eines intergalaktischen Schokoladenabkommens.
Artikel eins:
Weiße Schokolade ist ein Kulturgut.
Artikel zwei:
Kein General darf die Vorräte der Kinder beschlagnahmen.
Artikel drei:
Nicole Kidman erhält lebenslangen Zutritt zur English Scrollstube.
Artikel vier:
Der Butler darf nur dann probieren, wenn er vorher fragt.
Artikel fünf:
Riefunke darf nicht behaupten, er habe von nichts gewusst.
Riefunke protestierte.
„Das ist eine Diskriminierung!“
Das kleinste Kinderchen antwortete:
„Nein. Das ist Erfahrungswissen.“
DIE GROSSE ÜBERRASCHUNG
Als die Sonne unterging, saßen alle zusammen.
Nicole hatte sich zu den Kindern gesetzt.
Der Butler brachte Tee.
Wellenberg kontrollierte die Bestände.
Mertens hatte einen kleinen Schokoladenalarm konstruiert.
Sobald jemand die Dose öffnete, ertönte:
KRRRRT.
Die Kinder lachten.
Nicole reichte dem kleinsten eine letzte Tafel.
„For later.“
Das Kind nahm sie vorsichtig entgegen.
Dann fragte es:
„Nicole?“
„Yes, darling?“
„Warum bringst du uns eigentlich immer Schokolade?“
Nicole sah die acht Kinderchen an.
„Because I love seeing you happy.“
Das kleinste dachte kurz nach.
Dann sagte es:
„Du könntest auch ohne Schokolade kommen.“
Nicole lächelte.
„I know.“
Und plötzlich war es ganz still.
Denn die Kinder hatten verstanden, dass die Schokolade nur der Anfang war.
Das Wichtigste war, dass Nicole wiedergekommen war.
DIE OFFIZIELLE ABSCHLUSSMELDUNG
Um 19:42 Uhr veröffentlichte die English Scrollstube folgende Erklärung:
DER SCHOKOLADEN-NOTSTAND IST BEENDET.
Die Versorgungslage ist stabil.
Die acht Wäscheklammerkinderchen sind zufrieden.
Die UFOlein haben ihre Heimatgalaxie informiert.
Mertens hat den Schokoladenalarm patentieren lassen.
Wellenberg hat eine neue Lagerordnung erstellt.
Der Butler bestreitet weiterhin jede Beteiligung.
Riefunke schweigt.
Nicole Kidman hat angekündigt, wiederzukommen.
Und irgendwo in der Ferne ertönt ein leises KRRRRT.
Darunter steht in rosa Buchstaben:
SCHOKOLADE KANN MAN TEILEN.
FREUNDSCHAFT AUCH.
ABER DIE LETZTE TAFEL BLEIBT HEUTE BEI DEN KINDERN.
Das kleinste Wäscheklammerkinderchen hebt die Hand.
„Und morgen?“
Nicole lacht.
„Tomorrow, darling.“
ENDE.
P.S.: Der Butler wurde später mit Schokoladenflecken am Kragen gesehen. Er bestreitet weiterhin alles.
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