WELTWEITE SONDERMELDUNG
DIE ORGANE DER MILLIARDÄRE
Bürgergeldempfänger fordern gerechte Organverteilung – Musk verlangt eine Premium-Ausnahme – der Butler verweist auf die Hausordnung
ENGLAND. ENGLISH SCROLLSTUBE. 08.16 UHR.
Die Welt steht Kopf.
Nachdem die acht Wäscheklammerkinderchen mit Limonade gegen einen Gerichtsvollzieher protestiert haben, der Goethes Sofa und Megaphon pfänden wollte, ist ein neuer Streit entbrannt.
Diesmal geht es nicht um ein Sofa.
Nicht um eine Stromrechnung.
Nicht einmal um RIEFUNKE-Wasser.
Diesmal geht es um Organe.
Und zwar um die Frage, ob die Gesellschaft ihre Organe künftig so gerecht verteilen sollte wie Bürgergeldbescheide, Parkplätze und die letzten freien Sitzplätze in der English Scrollstube.
Der Anlass war eine Pressekonferenz, die ursprünglich der Vorstellung eines neuen Sofas für Goethe dienen sollte.
Doch dann stellte ein Standard-Tiktoker eine Frage.
„Wenn die Reichen unbedingt ewig leben wollen, warum sollen dann eigentlich immer nur die anderen über Organspende nachdenken?“
Es wurde still.
Wäscheklammerkinderchen Nr. 6 legte seinen Stift nieder.
Goethe stellte sein Wasserglas ab.
Der Butler blickte zur Tür.
Und Elon Musk sagte:
„Ich glaube, wir brauchen eine App.“
DER VORSCHLAG DER UNORDENTLICHEN STANDARD-TIKTOKER
Die unordentlichen Standard-Tiktoker hatten sich inzwischen zu einer informellen Arbeitsgruppe zusammengeschlossen.
Sie verfügten über drei Mobiltelefone, zwei Ladekabel, eine leere Limonadenflasche und eine Tabelle, deren Spaltenbreiten nicht zueinander passten.
Ihr Vorschlag lautete:
Wenn die Gesellschaft über Organspende und gerechte Versorgung diskutiert, müsse sie auch darüber sprechen, wie Menschen unabhängig von ihrem Einkommen Zugang zu Transplantationen erhalten.
Ein besonders unordentlicher Standard-Tiktoker ging noch einen Schritt weiter.
„Wir brauchen ein Register“, erklärte er.
„Ein Register wofür?“, fragte der Butler.
„Für alles.“
„Das ist zu ungenau.“
„Dann eben für Organe.“
Der Butler nickte.
„Das ist ebenfalls zu ungenau.“
Wäscheklammerkinderchen Nr. 5 hob die Hand.
„Könnten wir nicht einfach eine Liste machen, wer was braucht?“
Der Butler antwortete:
„Bei medizinischen Fragen ist das etwas komplizierter.“
Nr. 5 dachte nach.
„Dann brauchen wir eine ordentlichere Liste.“
Nr. 6 schrieb in sein Notizbuch:
ERSTE ERKENNTNIS: EINE ORDENTLICHE LISTE ERSETZT KEINE MEDIZINISCHE ENTSCHEIDUNG.
Nr. 1 betrachtete den Eintrag.
„Das klingt langweilig.“
Nr. 6 schüttelte den Kopf.
„Warte ab, bis die Bürokratie damit anfängt.“
DIE MILLIARDÄRE ERSCHEINEN
Noch am selben Nachmittag trafen Elon Musk, Jeff Bezos, Bernard Arnault und Warren Buffett vor der English Scrollstube ein.
Sie hatten von dem Vorschlag erfahren.
Musk verlangte eine technische Erklärung.
Bezos wollte wissen, ob sich die Registrierung mit einem Lieferdienst verbinden lasse.
Arnault fragte nach einer exklusiven Premiumversion.
Buffett erkundigte sich, ob man das Vorhaben wirtschaftlich bewerten könne.
Der Butler hörte sich sämtliche Fragen an.
Dann sagte er:
„Meine Herren, es geht um Organspende und medizinische Versorgung.“
Musk nickte.
„Selbstverständlich. Aber wir könnten das Ganze digitalisieren.“
„Nicht alles, was digitalisiert werden kann, sollte deshalb automatisch digitalisiert werden.“
Musk sah den Butler an.
„Das ist ein interessanter Satz.“
„Ich habe ihn mir nicht ausgedacht. Ich arbeite hier nur.“
Goethe lächelte.
„Ein Satz, der auch auf die Unsterblichkeit zutrifft.“
DER BUNDESRAT WIRD ZITIERT
Ein Reporter trat vor.
„Ist es nicht richtig, dass der Bundesrat im Juli 2024 eine Initiative zur Einführung einer Widerspruchslösung bei der Organspende beschlossen hat?“
Der Butler nickte.
„Eine entsprechende Initiative gab es.“
„Und bedeutet das, dass die Organe eines Menschen entnommen werden dürfen, wenn er sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat?“
Der Butler hob warnend den Finger.
„Hier müssen wir unterscheiden. Eine Gesetzesinitiative ist nicht automatisch geltendes Recht. Außerdem ist eine Organspende keine Zuteilung von Körperteilen nach Vermögen, Einkommen oder politischer Macht.“
Der Reporter fragte:
„Was bedeutet das für Bürgergeldempfänger?“
Der Butler antwortete:
„Dass sie wie alle anderen Menschen Anspruch auf eine medizinische Beurteilung nach den geltenden Regeln haben. Und dass niemand allein wegen seines Einkommens als Organquelle behandelt werden darf.“
Goethe klopfte mit seinem Stock auf den Boden.
„Sehr gut!“
Der Reporter wandte sich an ihn.
„Herr Goethe, was halten Sie von der ganzen Debatte?“
Goethe nahm einen Schluck Wasser.
„Ich halte zunächst einmal fest, dass die Menschheit noch immer nicht verstanden hat, dass ein Mensch kein Ersatzteillager ist.“
Stille.
Dann fügte er hinzu:
„Auch dann nicht, wenn er sehr reich ist.“
MUSK FORDERT EINE PREMIUM-AUSNAHME
Elon Musk trat vor.
„Ich möchte klarstellen, dass ich selbstverständlich für eine gerechte medizinische Versorgung bin.“
„Das ist erfreulich“, sagte der Butler.
„Aber wir sollten auch über besondere medizinische Anforderungen sprechen.“
„Welche Anforderungen?“
„Zum Beispiel über Menschen, die besonders lange leben wollen.“
Der Butler sah ihn an.
„Das ist keine medizinische Kategorie, die automatisch einen Vorrang begründet.“
Musk dachte nach.
„Dann nennen wir es eben Langlebigkeitsmanagement.“
„Nein.“
„Präventive Lebenszeitoptimierung?“
„Nein.“
„Premium Vitality Access?“
„Herr Musk.“
„Ja?“
„Sie stehen vor einer Tür.“
Musk blickte auf die Tür.
„Ich weiß.“
„Dann wissen Sie auch, dass die Tür nicht durch die Erfindung eines neuen Begriffs aufgeht.“
Goethe lachte so heftig, dass er beinahe sein Glas umstieß.
DIE ACHT WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN VERÖFFENTLICHEN EINE ERKLÄRUNG
Am Abend gaben die acht Wäscheklammerkinderchen eine gemeinsame Erklärung ab.
Nr. 1 las vor:
„Wir sind gegen eine Gesellschaft, in der Menschen nach ihrem Kontostand beurteilt werden.“
Nr. 2 ergänzte:
„Wir sind dafür, dass Menschen, die eine Transplantation benötigen, medizinisch angemessen versorgt werden.“
Nr. 3 fügte hinzu:
„Wir sind außerdem dafür, dass niemand wegen seiner Armut als weniger wertvoll behandelt wird.“
Nr. 4 blickte auf das Blatt.
„Das ist ziemlich vernünftig.“
Nr. 5 fragte:
„Können wir das mit Limonade feiern?“
Nr. 6 schüttelte den Kopf.
„Heute nicht.“
Nr. 7 wollte wissen:
„Und was ist mit den Milliardären?“
Nr. 8 antwortete:
„Die sind auch Menschen.“
Die anderen sieben schwiegen.
Dann sagte Nr. 6:
„Das ist vermutlich der komplizierteste Satz des ganzen Tages.“
GOETHES REDE ÜBER DEN MENSCHEN ALS ERSATZTEILLAGER
Goethe erhob sich.
Er hatte sein Megaphon noch immer nicht zurückbekommen.
Deshalb sprach er ohne technische Unterstützung.
„Meine Damen und Herren!
Es ist bemerkenswert, wie schnell der Mensch dazu neigt, andere Menschen in Kategorien einzuteilen.
Der eine ist reich.
Der andere ist arm.
Der eine besitzt Unternehmen.
Der andere benötigt Unterstützung.
Der eine kann sich eine medizinische Behandlung leisten.
Der andere muss darauf hoffen, dass das Gesundheitssystem ihm hilft.
Doch ein menschliches Organ ist kein Luxusartikel.
Es ist kein Anlageprodukt.
Es ist kein Bonus für besondere Verdienste.
Und es ist erst recht kein Gegenstand, den man einem Menschen allein deshalb zuordnet, weil er einer bestimmten Einkommensgruppe angehört.
Wenn wir über Organspende sprechen, müssen wir über freiwillige Entscheidungen, medizinische Notwendigkeiten, rechtliche Regeln und gerechte Versorgung sprechen.
Nicht über Rache.
Nicht über Neid.
Und nicht über die Frage, ob ein Milliardär nun endlich einmal etwas abgeben muss.“
Goethe machte eine Pause.
Dann sah er zu Musk.
„Auch wenn ich zugeben muss, dass Sie mit Ihrem Sofa-Geschäftsmodell noch immer nicht überzeugt haben.“
Musk seufzte.
Der Butler nickte anerkennend.
„Das war eine sehr ordentliche Rede, Herr Goethe.“
Goethe setzte sich.
„Danke. Und jetzt möchte ich endlich ein Sofa.“
DIE LETZTE MELDUNG
Die English Scrollstube veröffentlichte am späten Abend eine abschließende Erklärung.
Die Diskussion über Organspende und medizinische Versorgung werde fortgesetzt.
Eine Entnahme von Organen aufgrund von Reichtum, Armut oder Bürgergeldbezug sei nicht Gegenstand einer legitimen Zuteilungsregel.
Die rechtlichen Voraussetzungen einer Organspende müssten unabhängig von satirischen Vorschlägen geprüft werden.
Die acht Wäscheklammerkinderchen hätten beschlossen, künftig keine medizinischen Register mehr ohne vorherige Beratung anzulegen.
Elon Musk habe eine neue App angekündigt.
Der Butler habe die Annahme des Projekts verweigert.
Goethe sitze weiterhin auf dem Teppich.
Und die unordentlichen Standard-Tiktoker hätten eine neue Spendenaktion gestartet.
Diesmal für ein Sofa.
Der Titel lautet:
EIN SOFA FÜR GOETHE – OHNE PREMIUM-ABO, OHNE ORGANHANDEL UND OHNE LIMONADENSCHADEN.
Die TikTok-KI reagierte mit einer kurzen Mitteilung:
„Wir sind keine Bank.“
Der Butler ergänzte:
„Und wir sind auch kein Organlager.“
Goethe hob sein Wasserglas.
„Endlich“, sagte er, „eine vernünftige Grenze.“
Draußen knackt das violette UFO.
Der Pinscher schläft.
Wäscheklammerkinderchen Nr. 6 macht eine Notiz.
Und auf dem Parkplatz fragt ein Milliardär:
„Kann man wenigstens eine bevorzugte Wartelistenposition kaufen?“
Der bärtige Türsteher antwortet:
„Nein.“
KRRRRT.
ENDE DER WELTWEITEN SONDERMELDUNG.
English Scrollstube – Internationale Pressestelle