Der Butler und die verweigerte PKV
Zweite Akte: Das Über-Sozialgericht und die zwei Wörter
Das Über-Sozialgericht in der Nähe von Berlin trat an einem Mittwoch zusammen, der ursprünglich für eine gewöhnliche Pressekonferenz vorgesehen gewesen war.
Doch die Richter erschienen mit bunten Schlipsen. Einer trug Türkis mit orangefarbenen Punkten, ein anderer Violett mit goldenen Wäscheklammern. Die Farben waren ausdrücklich so gewählt worden, dass sie Journalisten und Beobachter beeindrucken sollten.
„Wir beginnen die Verhandlung“, sagte der Vorsitzende.
Der Butler stand auf.
„Sehr wohl.“
Der Vorsitzende blickte auf seine Akten. Darin befanden sich mehrere hundert Seiten über Versicherungsbedingungen, verschwiegene Bindungen und die pazifistische Verbindung zur RIEFUNKE.
„Angeklagt sind Sie nicht“, erklärte er. „Aber Ihre Versicherung wurde verweigert. Wir möchten wissen, wer Sie eigentlich sind.“
Der Butler überlegte.
„Sehr wohl.“
„Das wissen wir bereits“, sagte der Vorsitzende. „Wir möchten wissen, was Sie darüber hinaus zu sagen haben.“
Der Butler schwieg.
Ein Journalist hob die Hand. Eine Beobachterin wechselte ihren gelben Schlips gegen einen grünen. Auf der Besuchertribüne begannen die acht Wäscheklammerkinder leise zu tuscheln.
Schließlich verkündete das Gericht seine Entscheidung:
Der Butler muss versichert werden.
Die Begründung war von einer ungewöhnlichen Kürze. Das gesamte Leben des Butlers bestehe, soweit es aktenkundig sei, aus lediglich zwei Wörtern:
„Sehr wohl.“
Diese zwei Wörter seien weder ein Versicherungsrisiko noch eine anzeigepflichtige Krankheit. Sie stellten vielmehr den Kern seiner beruflichen Existenz dar. Wer einen Butler beschäftige, dessen Lebensleistung aus „Sehr wohl“ bestehe, könne ihm nicht zugleich vorwerfen, dass er nicht ausführlich genug über sich selbst gesprochen habe.
„Aber seine pazifistische Bindung an RIEFUNKE!“, rief ein Vertreter der Versicherung.
Der Vorsitzende rückte seinen bunten Schlips zurecht.
„Ein Mensch, der sein Leben lang ‚Sehr wohl‘ sagt, hat damit noch keinen Krieg erklärt.“
Auf der Besuchertribüne sprangen die acht Wäscheklammerkinder auf.
„Wir mischen Politik auf!“
Die Journalisten schrieben. Die Beobachter nickten. Die bunten Schlipsen erfüllten ihren Zweck.
Der Butler verbeugte sich vor dem Gericht.
„Sehr wohl.“
Damit war die Sache entschieden.
Vorläufig jedenfalls.
Denn im letzten Absatz des Urteils stand ein Satz, den zunächst niemand bemerkte:
Die Frage, ob RIEFUNKE selbst als Versicherungsnehmer, Weltanschauung oder eigenständiger Zustand der English Scrollstube zu behandeln sei, bleibt einer späteren Entscheidung vorbehalten.
Der Butler faltete das Urteil zusammen und legte es auf sein silbernes Tablett.
„Sehr wohl“, sagte er.
Und zum ersten Mal in der Geschichte der English Scrollstube waren diese beiden Wörter zugleich Dank, Urteil und ein wenig Widerstand.