WELTWEITE SONDERMELDUNG
DER TÜrSTEHER BRAUCHT EINE NEUE LEBER!
Irisches Bier im Dienst – der Butler erhält einen unmöglichen Auftrag – sämtliche bärtigen Milliardäre werden zur Befragung gebeten
ENGLAND. ENGLISH SCROLLSTUBE. 07.13 UHR.
Ein medizinischer Zwischenfall erschüttert die English Scrollstube.
Der bärtige Türsteher, der seit Jahren für die Sicherheit des Hauses zuständig ist, hat ein Problem.
Nach übereinstimmenden Berichten soll er während seiner Dienstzeit übermäßig viel irisches Bier konsumiert haben.
Die Pressestelle betont, dass es sich um eine fiktive Darstellung handelt.
Der Türsteher selbst wollte sich zunächst nicht äußern.
Er saß auf einem Hocker vor dem Eingang, betrachtete seine Stiefel und hielt eine leere Bierflasche in der Hand.
Dann sagte er einen Satz, der die internationale Presse aufhorchen ließ:
„Ich glaube, ich brauche eine neue Leber.“
Der Butler, der gerade die Tagespost sortierte, hielt inne.
„Wie bitte?“
„Eine neue Leber.“
„Und wer soll die bezahlen?“
Der Türsteher dachte nach.
„Das ist nicht das Problem.“
„Was ist dann das Problem?“
Der Türsteher strich sich durch den Bart.
„Ich brauche jemanden, der eine übrig hat.“
Der Butler legte die Post beiseite.
„Eine Leber ist kein Ersatzteil für einen defekten Türgriff.“
„Das weiß ich.“
„Und Menschen sind keine Ersatzteillager.“
„Das weiß ich auch.“
„Dann erklären Sie mir bitte, weshalb Sie mich ansehen, als hätten Sie bereits einen Auftrag für mich.“
Der Türsteher schwieg.
Dann sagte er:
„Sie kennen doch die Reichen.“
Der Butler schloss die Augen.
„Ach du meine Güte.“
DER GEHEIMAUFTRAG
Noch am selben Vormittag wurde bekannt, dass der Türsteher den Butler tatsächlich mit einer ungewöhnlichen Aufgabe betraut haben soll.
Der Auftrag lautete:
Finden Sie einen reichen Mann mit Bart.
Weitere Kriterien enthielt das Schreiben nicht.
Keine medizinischen Angaben.
Keine Prüfung der Eignung.
Keine Zustimmung des Betroffenen.
Nur Vermögen und Bart.
Der Butler las das Dokument dreimal.
Dann ging er zum Türsteher.
„Sie haben mir eine Liste der Milliardäre mit Bärten aufgetragen?“
„Genau.“
„Wozu?“
„Ich dachte, Sie könnten einen geeigneten Kandidaten auswählen.“
„Für eine Lebertransplantation?“
„Ja.“
Der Butler sah ihn lange an.
„Herr Türsteher, ich bin Butler.“
„Ich weiß.“
„Ich organisiere Abendessen, bewache Gläser und verhindere, dass Elon Musk die Einrichtung kauft.“
„Eben. Sie sind qualifiziert.“
Der Butler faltete das Schreiben zusammen.
„Ich werde Ihnen keinen Menschen aufgrund seines Vermögens und seines Bartes als Organspender zuweisen.“
Der Türsteher seufzte.
„Dann muss ich wohl weiter Bier trinken.“
„Nein“, sagte der Butler. „Dann müssen Sie sich medizinisch untersuchen lassen.“
Der Türsteher betrachtete die leere Flasche.
„Das klingt wesentlich komplizierter.“
„Es ist Medizin“, antwortete der Butler. „Sie ist nicht dafür bekannt, sich nach Ihren Wünschen zu richten.“
DIE LISTE DER BÄRTIGEN MILLIARDÄRE
Trotz der Absage des Butlers verbreitete sich die Nachricht in Windeseile.
Innerhalb einer Stunde trafen die ersten Reporter ein.
„Ist es wahr, dass der Türsteher einen bärtigen Milliardär für eine neue Leber sucht?“
Der Butler antwortete:
„Nein. Er hat einen unzulässigen Wunsch geäußert, den ich nicht erfüllen werde.“
„Gibt es bereits Kandidaten?“
„Es gibt Menschen mit Bärten.“
„Und mit Vermögen?“
„Leider ebenfalls.“
„Können Sie Namen nennen?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil ich keine Organspendeliste für Milliardäre führe.“
Ein Reporter notierte:
BUTLER VERWEIGERT AUSKUNFT ÜBER BÄRTIGE VERMÖGENDE.
Ein anderer schrieb:
BART ALS MEDIZINISCHES AUSWAHLKRITERIUM UMSTRITTEN.
Ein dritter fragte, ob man wenigstens eine Rangliste der schönsten Bärte veröffentlichen könne.
Der Butler schloss das Fenster.
ELON MUSK ERSCHEINT
Gegen Mittag traf Elon Musk ein.
Er hatte von der Geschichte gehört und wollte wissen, ob sich daraus ein neues Geschäftsmodell entwickeln lasse.
„Ich könnte eine Plattform gründen“, erklärte er. „BART-X.“
Der Butler blickte ihn an.
„Wofür?“
„Für die digitale Erfassung bärtiger Vermögender.“
„Nein.“
„Mit freiwilligen Profilen.“
„Nein.“
„Mit einem KI-gestützten Matching-System.“
„Nein.“
„Wir könnten medizinische Kompatibilität und Vermögen miteinander verknüpfen.“
Der Butler richtete sich auf.
„Herr Musk, medizinische Eignung wird von Fachleuten geprüft. Und die Bereitschaft zur Organspende lässt sich nicht aus einem Kontostand ableiten.“
Musk dachte nach.
„Dann nennen wir es nicht BART-X.“
„Das ändert nichts.“
„LIVER-X?“
„Nein.“
„Premium Liver Access?“
Der Butler öffnete die Tür.
„Sie kennen den Weg nach draußen.“
Musk ging.
Auf der Treppe drehte er sich noch einmal um.
„Ich könnte wenigstens das Logo entwerfen.“
„Auch das ist nicht erforderlich.“
Die Tür schloss sich.
GOETHE ERFÄHRT DIE NACHRICHT
Im Wohnzimmer saß Goethe auf dem provisorischen Holzstuhl.
Das Sofa war weiterhin Gegenstand eines Rechtsstreits.
Vor ihm stand ein Glas Wasser.
Als der Butler eintrat, blickte Goethe auf.
„Was ist diesmal geschehen?“
„Der Türsteher glaubt, er benötige eine neue Leber.“
Goethe legte den Kopf schief.
„Und was hat er vor?“
„Er hat mich gebeten, einen reichen Mann mit Bart auszuwählen.“
Goethe schwieg.
Dann fragte er:
„Hat er wenigstens einen bestimmten Barttyp verlangt?“
Der Butler sah ihn entsetzt an.
Goethe lächelte.
„Ich versuche lediglich, die Absurdität vollständig zu erfassen.“
Der Butler setzte sich.
„Herr Goethe, ich habe den Eindruck, dass in diesem Haus inzwischen jeder glaubt, man könne jedes Problem lösen, indem man einen anderen Menschen dafür einspannt.“
Goethe nickte.
„Der eine will ein Sofa kaufen, der andere eine Plattform gründen, und nun möchte unser Türsteher eine Leber bestellen.“
„Genau.“
„Dann sollten wir ihm etwas erklären.“
Goethe erhob sich.
Er nahm seinen Stock.
„Rufen Sie die Presse.“
GOETHES ANSPRACHE AN DEN TÜrSTEHER
Wenig später stand Goethe vor dem Eingang.
Der Türsteher saß auf seinem Hocker.
Die acht Wäscheklammerkinderchen hatten sich versammelt.
Nr. 6 hielt vorsichtshalber die Limonade zurück.
Goethe begann:
„Mein lieber Türsteher!
Sie haben jahrelang andere Menschen daran gehindert, durch diese Tür zu gehen.
Sie haben Milliardäre abgewiesen.
Sie haben Investoren zurückgeschickt.
Sie haben Menschen mit goldenen Kreditkarten erklärt, dass Geld hier keine Rolle spielt.
Und nun glauben Sie, dass Sie sich eine neue Leber beschaffen können, indem Sie einen reichen Mann mit Bart auswählen lassen.“
Der Türsteher blickte auf seine Stiefel.
Goethe fuhr fort:
„Ein Mensch ist kein Möbelstück.
Eine Leber ist keine Luxusausstattung.
Und ein Bart ist kein medizinischer Befund.
Wenn Sie krank sind, müssen Sie sich behandeln lassen.
Wenn Sie Hilfe benötigen, müssen Sie sie annehmen.
Aber Sie dürfen nicht verlangen, dass ein anderer Mensch allein wegen seines Vermögens für Ihre Wünsche zur Verfügung steht.“
Der Türsteher nickte langsam.
„Und was soll ich jetzt tun?“
Goethe antwortete:
„Zunächst einmal sollten Sie das Bier während des Dienstes stehen lassen und einen Arzt aufsuchen.“
Der Türsteher betrachtete die Flasche in seiner Hand.
Dann stellte er sie auf den Boden.
Nr. 6 machte eine Notiz.
ERSTER ERFOLG: EINE BIERFLASCHE WURDE ABGESTELLT.
DIE LÖSUNG DES BUTLERS
Am Abend veröffentlichte der Butler eine Erklärung.
Der Türsteher werde medizinisch untersucht.
Eine mögliche Behandlung oder Transplantation müsse ausschließlich nach den geltenden medizinischen und rechtlichen Kriterien beurteilt werden.
Niemand werde aufgrund seines Reichtums, seines Geschlechts oder seines Bartes als Organspender ausgewählt.
Der Butler fügte hinzu:
„Ich bin für die Hausordnung zuständig. Nicht für die Verteilung menschlicher Organe.“
Die acht Wäscheklammerkinderchen applaudierten.
Goethe hob sein Glas Wasser.
Der Türsteher nahm seine Mütze ab.
Dann fragte er leise:
„Und wenn ich keinen Arzt finde?“
Der Butler antwortete:
„Dann helfe ich Ihnen bei der Suche nach medizinischer Versorgung.“
„Und wenn ich wieder Bier trinken möchte?“
„Dann sollten Sie das mit Ihrem Arzt besprechen.“
Der Türsteher seufzte.
„Früher war mein Beruf einfacher.“
„Früher“, sagte der Butler, „haben Sie auch noch keine Leber bestellt.“
DIE LETZTE MELDUNG
Die English Scrollstube bestätigt, dass der bärtige Türsteher medizinische Hilfe in Anspruch nehmen soll.
Der Butler hat die Suche nach einem reichen Mann mit Bart ausdrücklich eingestellt.
Elon Musk hat angekündigt, BART-X vorerst nicht weiterzuverfolgen.
Goethe wartet weiterhin auf sein Sofa.
Die acht Wäscheklammerkinderchen haben beschlossen, künftig keine Limonade mehr in der Nähe medizinischer Einrichtungen zu verspritzen.
Der Türsteher hat seine leere Bierflasche entsorgt.
Und auf dem Parkplatz fragt ein Reporter:
„Herr Butler, gibt es wenigstens eine Warteliste für neue Bärte?“
Der Butler schließt die Tür.
„Nein.“
KRRRRT.
ENDE DER WELTWEITEN SONDERMELDUNG.
English Scrollstube – Internationale Pressestelle
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