WENN GRAZ, GRAZ TRIFFT
Eine RIEFUNKE-Sonderbetrachtung über Zufall, Schicksal und die Frage, wer hier eigentlich Regie führt
Scrollstuben-Truth (STT) – Abteilung für unerklärliche Zusammenhänge
Es gibt Zufälle, die sind so merkwürdig, dass man sie besser nicht näher untersucht. Und es gibt Zusammenhänge, bei denen selbst ein erfahrener Verschwörungstheoretiker vorsichtshalber seinen Notizblock zuklappt.
RIEFUNKE hat einen solchen Fall entdeckt.
Ausgangspunkt ist die Stadt Graz.
Dort bewarb sich vor einiger Zeit eine gewisse Gertrud „Gerti“ Staub an der Universität Graz als Putzfrau mit besonderen Fähigkeiten. Ihre Bewerbung war von bemerkenswerter Offenheit geprägt. Sie schilderte unter anderem, wie sie bei einem früheren Arbeitgeber versehentlich die Stromversorgung hochsensibler Laborcomputer unterbrochen hatte.
Was andere als berufliches Missgeschick betrachten würden, bezeichnete Gerti als Transformation.
Sie verstand sich als Spezialistin für die Erzeugung neuer Ordnungen durch gezielte oder auch weniger gezielte Störungen bestehender Systeme.
Inzwischen liegen über Gerti Staub viele eigenständige Geschichten vor.
Dreiundzwanzig wären vielleicht zu viel gewesen. Aber das ist eine andere Angelegenheit.
Und plötzlich taucht Marie Jacquot auf
Jahre später geschieht etwas Merkwürdiges.
Ein Internetausfall von 15 Stunden zwingt den Betreiber des RIEFUNKE-Universums dazu, ein altes Röhrenradio einzuschalten.
Ausgerechnet der WDR sendet eine Sendung über die Dirigentin Marie Jacquot.
Die Begeisterung ist unmittelbar.
Am nächsten Morgen wird recherchiert. YouTube wird bemüht, weitere Informationen werden entdeckt, und Marie Jacquot erhält schließlich einen festen Platz im RIEFUNKE-Universum.
Nun kommt der entscheidende Punkt:
Auch in ihrer persönlichen Lebensgeschichte gibt es eine Verbindung nach Graz. Sie heiratete später einen Musiker aus dieser Stadt.
Graz.
Schon wieder Graz.
Gerti Staub und Marie Jacquot haben damit eine geografische Gemeinsamkeit, die zunächst völlig bedeutungslos erscheint.
Oder vielleicht doch nicht?
Die Stadt als literarischer Magnet
Herr Mertens wurde gebeten, die Zusammenhänge zu untersuchen.
Er legte eine Karte auf den Tisch, markierte Graz mit einem roten Stift und verband den Ort mit einer gestrichelten Linie zur Scrollstube.
Anschließend zeichnete er eine zweite Linie zur zusätzlichen Steckdose im VIP-Zimmer.
Der Butler betrachtete das Ergebnis.
„Sehr wohl. Darf ich fragen, ob diese Verbindung wissenschaftlich begründet ist?“
Mertens antwortete: „Nein. Aber sie ist auffällig.“
Die acht Wäscheklammerkinderchen hielten daraufhin eine spontane Abstimmung ab. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Graz möglicherweise eine bislang unbekannte Funktion im RIEFUNKE-Universum besitzt.
Das fünfte Wäscheklammerkinderchen schlug vor, die Stadt künftig als geografischen Resonanzkörper zu bezeichnen.
Goethe notierte den Begriff und verlangte umgehend Tinte.
Wer steuert das Universum?
Damit stellt sich eine Frage, die weit über Graz hinausgeht.
Wer steuert eigentlich RIEFUNKE?
Der Schöpfer?
Die Figuren?
Der Zufall?
Oder existiert irgendwo eine Instanz, die längst begonnen hat, die Geschichten miteinander zu verbinden, während der Autor glaubt, er habe noch alles unter Kontrolle?
Denn es ist schon bemerkenswert:
Ein Mensch erfindet eine Putzfrau namens Gerti Staub. Diese bekommt xx Geschichten. Eine Dirigentin wird zufällig über ein Röhrenradio entdeckt. Sie erhält einen Platz in derselben Geschichtenwelt. Und plötzlich verbindet beide eine Stadt, die in der ursprünglichen Planung überhaupt keine besondere Rolle gespielt hatte.
Vielleicht ist das literarischer Zufall.
Vielleicht ist es die ganz normale Arbeitsweise eines kreativen Gehirns, das Verbindungen entdeckt, wo andere nur einzelne Ereignisse sehen.
Vielleicht aber auch etwas, das Herr Mertens noch nicht messen kann.
Marie Jacquot und Gerti Staub – eine Begegnung, die noch aussteht?
Die Scrollstube hat inzwischen vorsorglich eine gemeinsame Akte angelegt.
Auf dem Deckblatt steht:
GRAZ – MÖGLICHERWEISE KEIN ZUFALL
Marie Jacquot soll darin als musikalische Instanz geführt werden, Gerti Staub als energetische Umstrukturierungskraft.
Eine persönliche Begegnung beider Damen ist bislang nicht vorgesehen.
Der Butler hält das für vernünftig.
„Zwei derart unterschiedliche Begabungen gleichzeitig in einem Raum könnten die elektrische Infrastruktur überfordern.“
Mertens hat bereits Sicherungen bestellt.
Die letzte Frage
Vielleicht ist Graz gar nicht der Mittelpunkt dieser Geschichte.
Vielleicht ist Graz nur der Ort, an dem zwei zunächst völlig unabhängige Erzählstränge einander berühren.
Und vielleicht besteht die eigentliche Kunst des Erzählens nicht darin, jede Wendung vorher zu planen, sondern aufmerksam genug zu sein, wenn das eigene Universum plötzlich eine Verbindung herstellt, die man selbst nicht vorgesehen hatte.
Der Autor glaubt, er habe die Fäden in der Hand.
Die Figuren glauben, sie hätten ein Eigenleben.
Der Zufall hält sich bedeckt.
Und RIEFUNKE?
RIEFUNKE sendet.
Nachtrag aus der technischen Abteilung
Herr Mertens hat am Abend eine letzte Messung durchgeführt.
Das Röhrenradio stand auf dem Tisch. Die Antenne war ausgerichtet. Die acht Wäscheklammerkinderchen hielten sich vorsichtshalber aneinander fest.
Dann ertönte ein kurzes Signal:
GRAZ – GRAZ – KRRRRT.
Mertens sah auf das Messgerät.
Der Butler fragte: „Und?“
Mertens antwortete:
„Ich glaube, wir werden beobachtet.“
In diesem Augenblick ging das Licht aus.
Gerti Staub war nicht anwesend.
Das wurde ausdrücklich protokolliert.
STT – Wir berichten weiter. Vorausgesetzt, jemand findet den Sicherungskasten.
P.S.: Sollte sich herausstellen, dass Graz tatsächlich das Zentrum des RIEFUNKE-Universums ist, wird die Stadtverwaltung umgehend informiert. Die acht Wäscheklammerkinderchen beanspruchen bereits einen eigenen Bahnhof.
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