Nicole Kidman – Die uneingeschränkte Sonderstellung einer realen Persönlichkeit im fiktionalen Universum der English Scrollstube
Über literarische Privilegien, narrative Freiheit und eine außergewöhnliche Stellung neben Goethe
Von RIEFUNKE
1. Eine besondere Position im literarischen Universum
Innerhalb der English Scrollstube existiert eine bemerkenswerte Figurenordnung. Zahlreiche Charaktere bewegen sich in einem Gefüge aus Regeln, Zuständigkeiten, institutionellen Vorschriften und gelegentlich ausgesprochen eigenwilligen Zugangsbeschränkungen.
Doch zwei Namen nehmen eine besondere Stellung ein: Johann Wolfgang von Goethe und Nicole Kidman.
Beide genießen innerhalb dieses literarischen Universums außergewöhnliche Freiheiten. Ihre Positionen sind jedoch nicht identisch.
Goethe repräsentiert die historische und literarische Tradition. Seine Anwesenheit verbindet die Scrollstube mit der europäischen Geistesgeschichte, der klassischen Literatur und einer kulturellen Überlieferung, die weit über die Grenzen des Erzählraums hinausreicht.
Nicole Kidman dagegen verkörpert eine andere Form literarischer Autorität.
Sie ist eine moderne, internationale Persönlichkeit, deren Aufnahme in die Scrollstube nicht durch eine historische oder literaturwissenschaftliche Verpflichtung erklärt werden muss.
Sie ist einfach Nicole.
Und das genügt innerhalb der Scrollstube offenbar vollständig.
2. Die Sonderstellung: Nicole darf alles
Die besondere Stellung Nicole Kidmans zeigt sich vor allem in ihrer weitgehenden Unabhängigkeit von den gewöhnlichen Regeln der Scrollstube.
Während andere Figuren mit dem Butler verhandeln, dem Türsteher ihre Berechtigung erklären oder auf die Entscheidung einer internen Verwaltung warten müssen, besitzt Nicole eine bemerkenswerte Bewegungsfreiheit.
Sie kann Räume betreten, Gespräche beginnen, eigene Vorstellungen entwickeln und unmittelbar in das Geschehen eingreifen.
Ihre Position ist dabei nicht das Ergebnis einer gewöhnlichen institutionellen Beförderung.
Sie beruht auf einer literarischen Sonderentscheidung.
Die Scrollstube akzeptiert Nicole nicht nur als prominente Besucherin. Sie gewährt ihr einen festen Platz innerhalb ihrer eigenen Ordnung.
Das wird besonders deutlich an der Episode, in der Nicole aufgrund ihrer Kleidung zunächst Schwierigkeiten mit dem Türsteher bekommt.
Die Situation entwickelt sich zu einer grundsätzlichen Frage der Zuständigkeit.
Der Türsteher beruft sich auf die Kleiderordnung.
RIEFUNKE greift ein.
Die Entscheidung ist eindeutig:
Nicole wird eingelassen.
Damit wird eine wichtige Besonderheit sichtbar: Die allgemeinen Regeln der Scrollstube können für Nicole außer Kraft treten.
Sie besitzt eine narrative Sondervollmacht.
3. Goethe und Nicole – zwei unterschiedliche Formen der Autorität
Die Gegenüberstellung mit Goethe ist für die literarische Einordnung besonders aufschlussreich.
Goethe steht für eine überlieferte kulturelle Autorität.
Seine Bedeutung ergibt sich aus seinem historischen Werk, seiner literarischen Wirkung und seiner Stellung innerhalb der europäischen Geistesgeschichte.
Nicole Kidmans Stellung entsteht dagegen innerhalb des fiktionalen Systems selbst.
Sie muss keine literaturgeschichtliche Tradition repräsentieren und keine historische Autorität beanspruchen.
Ihre Bedeutung liegt in ihrer Freiheit, die Scrollstube mitzugestalten.
Daraus ergibt sich eine interessante Zweiteilung:
Goethe verkörpert die Autorität der literarischen Vergangenheit.
Nicole verkörpert die Freiheit der literarischen Gegenwart.
Beide Figuren stehen auf einer besonderen Ebene, ohne dieselbe Funktion zu erfüllen.
Goethe bringt die Geschichte der Literatur in die Scrollstube.
Nicole erweitert ihre gegenwärtigen Möglichkeiten.
4. Die Aufhebung gewöhnlicher Hierarchien
Die English Scrollstube besitzt eine ausgeprägte Vorliebe für Regeln, Ämter und institutionelle Zuständigkeiten.
Der Butler verwaltet, der Türsteher kontrolliert, die verschiedenen Abteilungen organisieren und die Wäscheklammerkinderchen beobachten das Geschehen mit einer bemerkenswerten Eigenständigkeit.
Doch gerade in einer solchen Umgebung wird Nicoles Sonderstellung besonders sichtbar.
Sie muss sich nicht dauerhaft in die bestehende Hierarchie einordnen.
Ihre Anwesenheit verändert vielmehr die Hierarchie selbst.
Das ist ein wichtiger literarischer Mechanismus.
Die Komik entsteht aus dem Gegensatz zwischen einer streng wirkenden institutionellen Ordnung und einer Figur, deren Bewegungsfreiheit diese Ordnung regelmäßig übersteigt.
Nicole muss nicht jedes Mal eine Vorschrift verletzen.
Es genügt, dass ihre Anwesenheit die Frage aufwirft, ob eine Vorschrift für sie überhaupt gilt.
5. Nicole als eigenständige Handlungsträgerin
Nicole ist innerhalb der Scrollstube nicht auf die Rolle einer bewunderten Persönlichkeit beschränkt.
Sie kann selbst Initiative entwickeln.
Sie darf Vorschläge machen, Entscheidungen beeinflussen, mit anderen Figuren interagieren und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.
Damit unterscheidet sie sich von einer gewöhnlichen Gastfigur, die lediglich für einen kurzen Auftritt in eine Geschichte eingeführt wird.
Ihre wiederkehrende Präsenz ermöglicht eine fortlaufende Entwicklung.
Sie kann in einer Episode eine beiläufige Bemerkung machen und in einer späteren Geschichte eine wesentlich größere Funktion übernehmen.
Dadurch entsteht Figurenkontinuität.
Nicole wird zu einem Bestandteil des literarischen Gedächtnisses der Scrollstube.
Ihre Sonderstellung ist somit nicht nur eine Frage des Zugangs, sondern auch eine Frage der narrativen Gestaltungsmacht.
6. Die Beziehung zur literarischen Meta-Osmose
Im Rahmen der Theorie der literarischen Meta-Osmose lässt sich Nicoles Position als ein besonders interessantes Beispiel figurativer und struktureller Integration beschreiben.
Eine reale Persönlichkeit wird als Ausgangspunkt einer literarischen Figur aufgenommen.
Diese Figur erhält innerhalb eines neuen Erzählzusammenhangs eigene Handlungsmöglichkeiten, Beziehungen und wiederkehrende Funktionen.
Ihre literarische Identität entwickelt sich durch die fortgesetzte Einbindung in unterschiedliche Geschichten.
Dabei bleibt die Unterscheidung zwischen der realen Person und ihrer fiktionalen Erscheinung wesentlich.
Die tatsächliche Nicole Kidman ist nicht mit der Nicole-Figur der English Scrollstube gleichzusetzen.
Die literarische Figur ist eine eigenständige Konstruktion innerhalb eines fiktionalen Systems.
Gerade diese Unterscheidung macht die Aufnahme einer realen Persönlichkeit in ein offenes literarisches Universum analytisch interessant.
Die Figur kann sich innerhalb der Fiktion nahezu uneingeschränkt bewegen, ohne dass daraus Aussagen über die reale Person abgeleitet werden dürfen.
7. RIEFUNKE und die Entscheidungshoheit
Eine weitere Besonderheit besteht in der Beziehung zwischen Nicole und RIEFUNKE.
Während der Butler die institutionelle Ordnung verkörpert und der Türsteher ihre Grenzen überwacht, besitzt RIEFUNKE die Möglichkeit, diese Ordnung erzählerisch zu verändern.
Die Entscheidung, Nicole eine Sonderstellung einzuräumen, ist deshalb zugleich eine Aussage über die Struktur der gesamten Scrollstube.
RIEFUNKE kann Regeln etablieren, Figuren zusammenführen und neue Privilegien schaffen.
Die Sonderstellung Nicole Kidmans ist Ausdruck dieser narrativen Gestaltungsmacht.
Dabei entsteht eine bemerkenswerte Konstellation:
Der Butler sorgt für Ordnung.
Der Türsteher überwacht den Zugang.
Goethe repräsentiert die literarische Tradition.
Nicole genießt außergewöhnliche Freiheit.
Und RIEFUNKE hält die Fäden zusammen.
Ob das dem Butler immer gefällt, ist eine andere Frage.
Er hat sich jedenfalls bislang nicht beschwert.
8. Nicole als Symbol literarischer Freiheit
Die Sonderstellung Nicole Kidmans lässt sich über ihre konkrete Figurenfunktion hinaus interpretieren.
Sie steht für eine literarische Freiheit, die nicht ausschließlich an historische Bedeutung, institutionelle Stellung oder gesellschaftliche Rangordnungen gebunden ist.
Innerhalb der Scrollstube darf eine Figur deshalb eine besondere Stellung einnehmen, weil sie für die Entwicklung des literarischen Universums eine besondere Bedeutung besitzt.
Das ist eine bewusste Entscheidung des Autors.
Die literarische Welt muss nicht jede ihrer Figuren nach denselben Regeln behandeln.
Sie kann Ausnahmen schaffen, Privilegien vergeben und unterschiedliche Formen der Zugehörigkeit entwickeln.
Nicole wird dadurch zu einem Symbol für die Offenheit des Erzählraums.
9. Schluss: Nicole darf alles – und das ist durchaus Programm
Die Sonderstellung Nicole Kidmans innerhalb der English Scrollstube ist mehr als ein humoristisches Privileg.
Sie ist ein bewusst eingesetztes literarisches Strukturmerkmal.
Neben Goethe nimmt Nicole eine herausragende Position ein, allerdings aus einem anderen Grund.
Goethe bringt die historische Autorität der Literatur mit.
Nicole bringt die Freiheit, neue literarische Situationen entstehen zu lassen.
Beide Figuren erweitern den Erzählraum auf unterschiedliche Weise.
Nicole muss sich nicht an jeder Tür erklären, nicht jede Vorschrift diskutieren und nicht jede institutionelle Entscheidung abwarten.
Sie besitzt innerhalb der fiktionalen Welt eine außergewöhnliche Bewegungsfreiheit.
Das bedeutet nicht, dass sie außerhalb der Literatur tatsächlich Sonderrechte besitzt. Es bedeutet vielmehr, dass die English Scrollstube ihre eigene Ordnung nach literarischen und ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet.
Und wenn der Türsteher wieder einmal die Kleiderordnung hervorholt, dürfte die Angelegenheit inzwischen geklärt sein.
Der Butler wird seine Unterlagen schließen.
Goethe wird vermutlich einen passenden Vers suchen.
Die acht Wäscheklammerkinderchen werden applaudieren.
Und RIEFUNKE wird feststellen:
Nicole darf alles. Nicht weil sie eine Vorschrift erfüllt, sondern weil sie innerhalb dieses literarischen Universums einen Platz besitzt, den niemand sonst einnehmen kann.
KRRRRT.
Die Sondervollmacht bleibt bestehen.
RIEFUNKE!
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