RIEFUNKE-SONDERMELDUNG
ALLE WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN VON FRIEDLICHEN DEMONSTRATIONEN AUSGESCHLOSSEN!
Brüssel warnt vor klebenden Parlamentariern – internationale Kaugummibobon-Krise erreicht Europa
BRÜSSEL / SCROLLSTUBE / INTERNATIONAL
Es ist eine Entscheidung von historischer Tragweite.
Nach einer außerordentlichen Sitzung europäischer Sicherheits- und Ordnungsexperten wurde beschlossen, sämtliche Wäscheklammerkinderchen weltweit von der Teilnahme an friedlichen Demonstrationen auszuschließen.
Die Begründung ist bemerkenswert:
Die Kinderchen könnten Kaugummibobons auf die Straße spucken.
Und diese könnten anschließend an den Schuhsohlen vorbeikommender Parlamentarier haften bleiben.
Im schlimmsten Fall, so heißt es in einem bislang unveröffentlichten Gutachten, könnten einzelne Abgeordnete dauerhaft an der Straße festkleben.
Die europäische Demokratie sei dadurch möglicherweise in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
I. DIE GEFAHR AUS DEM KINDERZIMMER
Die Nachricht erreichte die Scrollstube um 9:17 Uhr.
Der Butler las die Mitteilung zweimal.
Dann setzte er seine Brille ab.
„Herr Mertens?“
„Ja?“
„Offenbar sind unsere acht Wäscheklammerkinderchen eine Gefahr für die parlamentarische Ordnung.“
Mertens hob den Kopf.
„Wegen ihrer politischen Forderungen?“
„Nein. Wegen Kaugummis.“
Mertens dachte nach.
„Das ist technisch interessant.“
II. DIE ACHT KINDERCHEN REAGIEREN
Die Kinderchen saßen unter dem großen Tisch.
Kindchen Nummer 1 fragte:
„Dürfen wir nicht mehr demonstrieren?“
„Offenbar nicht“, antwortete der Butler.
Nummer 3 wollte wissen:
„Auch nicht für den Weltfrieden?“
„Auch dann nicht.“
Nummer 5 fragte:
„Und wenn wir gar keinen Kaugummi dabei haben?“
Der Butler blätterte in den Unterlagen.
„Das ist bislang nicht abschließend geklärt.“
Nummer 7 stand auf.
„Dann demonstrieren wir eben gegen das Demonstrationsverbot!“
Alle acht jubelten.
III. DIE EUROPÄISCHE SONDERKOMMISSION
In Brüssel wurde inzwischen eine Sonderkommission eingerichtet.
Ihr Auftrag:
Die Gefährdung der europäischen Demokratie durch möglicherweise haftende Kaugummibobons zu untersuchen.
Folgende Fragen sollen geklärt werden:
- Wie viele Parlamentarier könnten gleichzeitig festkleben?
- Ist Friedensrosa besonders haftfähig?
- Können Kaugummibobons eine parlamentarische Sitzungsunterbrechung verursachen?
- Wer übernimmt die Reinigung der Abgeordnetenschuhe?
- Muss künftig vor jeder Demonstration eine Kaugummikontrolle stattfinden?
Herr Mertens bot an, einen Kaugummibobon-Detektor zu entwickeln.
Der Butler lehnte ab.
„Wir haben bereits einen Schnürsenkel-Detektor. Das reicht.“
IV. DIE TIKETAKETOKER MOBILISIEREN
Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich die Nachricht weltweit.
Die Tiketaketoker starteten eine neue Kampagne:
KINDERCHEN HABEN DEMONSTRATIONSRECHT!
Die Forderungen waren eindeutig:
- Friedliche Demonstrationen müssen auch für Wäscheklammerkinderchen zugänglich bleiben.
- Kaugummibobons dürfen nicht pauschal als politische Gefahrenquelle eingestuft werden.
- Parlamentarier müssen lernen, auf ihren eigenen Füßen zu stehen.
- Die europäische Sonderkommission soll ihre Arbeit vorläufig einstellen und zunächst selbst einen Kaugummi kauen.
V. DER TÜRSTEHER ÜBERNIMMT DIE KONTROLLE
Der bärtige Türsteher wurde um eine Stellungnahme gebeten.
Er saß auf seinem Thron.
Vor ihm lagen acht Kaugummipackungen.
„Sind die gefährlich?“, fragte der Butler.
Der Türsteher betrachtete die Packungen.
„Kommt darauf an.“
„Worauf?“
„Ob sie kleben.“
Der Butler nickte.
„Und dürfen die Kinderchen demonstrieren?“
Der Türsteher überlegte lange.
Dann sagte er:
„Friedlich?“
„Ja.“
„Dann rein.“
Er zeigte auf den Vorhof.
„Aber nicht auf meinen Thron spucken.“
VI. DIE LETZTE WARNUNG AUS BRÜSSEL
Am Nachmittag traf eine weitere Mitteilung ein.
Die Sonderkommission erwägt nun, sämtliche Kaugummis vor politischen Veranstaltungen in versiegelten Behältern aufzubewahren.
Außerdem sollen Parlamentarier künftig mit speziellen Antihaft-Schuhsohlen ausgestattet werden.
Mertens las die Nachricht.
Dann sagte er:
„Das könnte funktionieren.“
Goethe, der inzwischen hinzugekommen war, widersprach:
„Eine Demokratie, die sich vor Kaugummi fürchtet, sollte vielleicht ihre eigenen Grundlagen überprüfen.“
Der Butler stellte Tee auf den Tisch.
„Sehr wohl, Herr Geheimrat.“
VII. DIE GROSSE FRIEDENSDEMONSTRATION
Am nächsten Morgen versammelten sich die acht Wäscheklammerkinderchen vor der Scrollstube.
Sie trugen kleine Schilder:
FRIEDEN STATT VERBOT!
KINDER SIND KEINE KLEBEGEFAHR!
DEMOKRATIE DARF NICHT AM KAUGUMMI SCHEITERN!
Sie hatten keinen Kaugummi dabei.
Nur acht kleine Friedensfähnchen.
Nicole erschien am Fenster des VIP-Raums.
Sie winkte.
Der Türsteher öffnete das Tor.
Und der Butler brachte eine Thermoskanne Tee.
Dann marschierten die Kinderchen los.
Ganz friedlich.
Ganz ohne Kaugummi.
Und völlig unbeeindruckt von der europäischen Sonderkommission.
VIII. DIE ABSCHLIESSENDE SONDERMELDUNG
Am Abend veröffentlichte RIEFUNKE folgende Mitteilung:
RIEFUNKE STELLT FEST:
Die acht Wäscheklammerkinderchen dürfen weiterhin friedlich demonstrieren.
Kaugummibobons werden vorübergehend nicht mitgeführt.
Parlamentarier werden gebeten, ihre Schuhe selbst zu überprüfen.
Der Schnürsenkel-Detektor bleibt außer Betrieb.
Herr Mertens entwickelt vorsorglich einen Antihaft-Parlamentarier.
Goethe arbeitet an einer Ergänzung seiner Farbenlehre.
Der Butler übernimmt die Versorgung mit Tee.
Und die Tiketaketoker?
Sie fordern inzwischen eine internationale Konvention:
DAS RECHT AUF FRIEDLICHES KLEBENBLEIBEN – ABER NICHT AN PARLAMENTARISCHEN SCHUHSOHLEN!
DAS RIEFUNKE-FINALE
Es gibt offenbar Dinge, vor denen sich die Politik besonders fürchtet.
Wirtschaftskrisen.
Gesellschaftliche Unzufriedenheit.
Jugendliche, die Fragen stellen.
Und neuerdings acht kleine Wäscheklammerkinderchen mit Kaugummibobons.
Doch die Kinderchen haben eine wichtige Botschaft:
Sie wollen nicht an Parlamentariern kleben.
Sie wollen gehört werden.
Sie wollen spielen.
Sie wollen demonstrieren.
Und sie wollen eine Zukunft, in der man nicht erst eine Sondergenehmigung beantragen muss, um ein Friedensfähnchen zu schwenken.
KRRRRT.
Eine letzte Durchsage aus dem Kinderzimmer:
WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN ALLER LÄNDER!
KLEBT NICHT AN DEN PARLAMENTARIERN!
KLEBT AN EURER ÜBERZEUGUNG!
UND WENN IHR KAUGUMMI KAUEN MÜSST:
BITTE ORDNUNGSGEMÄSS ENTSORGEN!
Der Butler ergänzt:
„Und jetzt alle zum Tee.“
RIEFUNKE.
Ein Sender für Unterbrechungen.
Eine Demokratie für alle.
Und acht Kinderchen, die angeblich zu klebrig sind, um friedlich zu demonstrieren.
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