RIEFUNKE-SONDERMELDUNG
DIE NEUNTE SINFONIE DARF NICHT AUFTRETEN!
Ein musikalischer Ausnahmezustand in der English Scrollstube – verursacht durch acht Wäscheklammerkinderchen, 36 Schnürsenkel und eine Dirigentin mit Kaugummi.
I. DER ANRUF AUS DEM KONZERTHAUS
Es war 8:17 Uhr.
In der English Scrollstube herrschte zunächst gewöhnliche Morgenstimmung.
Der Butler servierte Tee.
Goethe las in seiner Farbenlehre.
Herr Mertens versuchte, ein Messgerät zu reparieren, das bereits seit drei Wochen als irreparabel galt.
Die acht Wäscheklammerkinderchen saßen unter dem Tisch.
Plötzlich klingelte das Telefon.
Der Butler nahm ab.
„English Scrollstube. Butler am Apparat.“
Am anderen Ende meldete sich eine aufgeregte Stimme.
Marie Jacquot.
„Ich habe ein Problem!“
„Schon wieder die Schnürsenkel, gnädige Frau?“
„NEIN! DIE NEUNTE!“
Der Butler erstarrte.
„Die neunte Schnürsenkel-Sammlung?“
„DIE NEUNTE SINFONIE!“
Der Butler stellte die Teekanne ab.
„Ich verstehe.“
Er verstand überhaupt nichts.
II. DIE KATASTROPHE IM KONZERTHAUS
Marie Jacquot erklärte die Lage.
Für die nächste Aufführung war alles vorbereitet.
Das Orchester saß.
Die Noten lagen bereit.
Die Musiker hatten ihre Instrumente gestimmt.
Die Dirigentin stand bereits am Pult.
Doch dann war etwas aufgefallen.
Alle Musiker trugen rosa Schnürsenkel.
Nicht irgendwelche rosa Schnürsenkel.
Sondern:
FRIEDENSROSA MIT ERDBEERKAUGUMMI-EFFEKT.
Bei sämtlichen Musikern.
Bei den ersten Geigen.
Bei den zweiten Geigen.
Bei den Bratschen.
Bei den Celli.
Sogar der Kontrabassist hatte rosa Schnürsenkel.
Marie fragte:
„Wer hat das getan?“
Niemand antwortete.
Dann ertönte aus der letzten Reihe ein leises Kichern.
III. DIE ACHT WÄSCHEKLAMMERKINDCHEN
Zur gleichen Zeit saßen die acht Wäscheklammerkinderchen in der English Scrollstube.
Kindchen Nummer 3 hielt ein Notenblatt hoch.
Kindchen Nummer 5 hatte eine rosa Schleife um den Kopf gebunden.
Kindchen Nummer 7 kaute Erdbeerkaugummi.
„Wir haben ein Problem“, sagte der Butler.
Alle acht schauten auf.
„Welches?“
„Die neunte Sinfonie kann möglicherweise nicht aufgeführt werden.“
Kindchen Nummer 3 sprang auf.
„Warum?“
„Wegen der Schnürsenkel.“
Stille.
Dann fragte Kindchen Nummer 5:
„Aber die sind doch wunderschön!“
Der Butler schloss die Augen.
„Das bestreite ich nicht.“
IV. GOETHE ERKLÄRT DIE LAGE
Goethe war inzwischen hinzugekommen.
Er betrachtete die rosa Schnürsenkel auf einem Foto.
Dann sagte er:
„Meine Damen und Herren, wir müssen die Sache wissenschaftlich betrachten.“
Mertens hob den Kopf.
„Welche Wissenschaft?“
„Die Farbenlehre.“
Goethe nahm seine Brille ab.
„Das Rosa ist nicht einfach Rosa. Es handelt sich um eine chromatische Zwischenerscheinung zwischen Erdbeere, Frieden und musikalischer Erwartung.“
Mertens nickte.
„Das kann ich bestätigen.“
„Wie denn?“
„Mein Messgerät zeigt Rosa.“
Goethe sah ihn an.
„Das ist keine wissenschaftliche Aussage.“
Mertens:
„Aber eine technische.“
Der Butler schenkte Tee nach.
„Ich fürchte, wir entfernen uns vom eigentlichen Problem.“
V. MERTENS ENTWICKELT DEN SCHNÜRSENKEL-DETEKTOR 2.0
Herr Mertens verschwand in seiner Werkstatt.
Nach zwei Stunden kehrte er zurück.
Er trug einen Kasten.
Auf dem Kasten stand:
SCHNÜRSENKEL-DETEKTOR 2.0
Darunter:
NICHT FÜR WOLLE GEEIGNET.
Die acht Wäscheklammerkinderchen kamen näher.
Mertens schaltete das Gerät ein.
Ein Licht blinkte.
Dann ertönte ein Piepen.
PIEP.
PIEP.
PIEP.
Mertens wurde blass.
„Ich habe sie gefunden!“
„Wen?“, fragte der Butler.
„Die Schnürsenkel!“
„Wo?“
Mertens zeigte auf Goethe.
„An Ihren Schuhen!“
Goethe blickte nach unten.
Tatsächlich.
Auch seine Schnürsenkel waren rosa.
Er schwieg.
Dann sagte er:
„Das ist eine unerwartete Wendung.“
VI. MARIE JACQUOT VERLANGT AUFKLÄRUNG
Um 12:30 Uhr erschien Marie Jacquot persönlich in der English Scrollstube.
Sie hatte Kaugummi im Mund.
Sie sah den Butler.
Sie sah Goethe.
Sie sah Mertens.
Dann sah sie die acht Wäscheklammerkinderchen.
„Also gut. Wer von euch hat die Schnürsenkel ausgetauscht?“
Alle acht hoben die Hände.
Marie seufzte.
„Warum?“
Kindchen Nummer 3 antwortete:
„Weil die neunte Sinfonie eine neue Farbe braucht.“
Marie schaute sie an.
„Die neunte Sinfonie braucht keine Farbe. Sie braucht Musiker!“
Kindchen Nummer 5 widersprach:
„Aber Musiker brauchen Schnürsenkel!“
Kindchen Nummer 7 ergänzte:
„Und Schnürsenkel brauchen Frieden.“
Marie musste lachen.
Dann setzte sie sich.
„Ich gebe auf.“
VII. DIE INTERNATIONALE SCHNÜRSENKEL-KONFERENZ
Noch am selben Nachmittag wurde eine außerordentliche Konferenz einberufen.
Teilnehmer:
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Johann Wolfgang von Goethe
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die acht Wäscheklammerkinderchen
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Nicole Kidman nahm aus dem VIP-Raum mit der zusätzlichen Steckdose teil.
Der Butler eröffnete die Sitzung.
„Tagesordnungspunkt eins: Die Wiederherstellung der musikalischen Ordnung.“
Der Türsteher meldete sich.
„Ich habe einen Vorschlag.“
Alle drehten sich um.
„Wir lassen die Musiker auftreten.“
Marie nickte.
„Sehr vernünftig.“
„Aber nur mit Schnürsenkeln.“
Der Butler fragte:
„Welche Farbe?“
Der Türsteher überlegte.
Dann sagte er:
„Schwarz.“
Die acht Wäscheklammerkinderchen protestierten.
„NEIN!“
„Friedensrosa!“
„FRIEDENSROSA!“
Nicole schaltete ihr Mikrofon ein.
„Darling, I think pink is wonderful.“
Goethe erhob sich.
„Die Farbe ist philosophisch durchaus vertretbar.“
Mertens schaute auf sein Messgerät.
„Technisch ebenfalls.“
Marie lächelte.
„Dann machen wir es so.“
VIII. DIE NEUNTE SINFONIE WIRD GERETTET
Um 19:00 Uhr begann die Aufführung.
Marie Jacquot trat ans Dirigentenpult.
Die Musiker saßen bereit.
Alle trugen ihre Friedensrosa-Schnürsenkel.
Die acht Wäscheklammerkinderchen saßen in der ersten Reihe.
Goethe hatte ein Notizbuch dabei.
Mertens hielt seinen Detektor auf dem Schoß.
Der Butler stand diskret am Ausgang.
Dann hob Marie den Taktstock.
Stille.
Der erste Ton erklang.
Und plötzlich geschah etwas Merkwürdiges.
Die acht Wäscheklammerkinderchen begannen mitzuwippen.
Zuerst vorsichtig.
Dann stärker.
Dann standen sie auf.
Kindchen Nummer 3 tanzte.
Kindchen Nummer 5 hüpfte.
Kindchen Nummer 7 drehte sich im Kreis.
Und plötzlich sangen alle acht:
BUM BUM BUM; BUM!
Der Butler erstarrte.
Goethe schloss die Augen.
Mertens ließ beinahe seinen Detektor fallen.
Marie aber dirigierte weiter.
Sie lächelte.
Die Musik ging weiter.
Die Schnürsenkel hielten.
Die neunte Sinfonie war gerettet.
IX. DIE LETZTE SONDERMELDUNG
Am nächsten Morgen erschien auf der Webseite der English Scrollstube folgende Mitteilung:
KRISE BEENDET
RIEFUNKE-SONDERMELDUNG
DIE NEUNTE SINFONIE DURFTE AUFTRETEN!
-
Marie Jacquot dirigierte erfolgreich.
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18 Paar Schnürsenkel wurden wiedergefunden.
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Sämtliche Musiker trugen Friedensrosa.
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Goethe erwägt eine Erweiterung seiner Farbenlehre.
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Mertens hat seinen Detektor vorläufig abgeschaltet.
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Nicole Kidman plant angeblich einen Film.
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Der Butler hat seine eigenen Schuhe eingeschlossen.
-
Der Türsteher verlangt ab sofort eine Schnürsenkelkontrolle am Eingang.
Die acht Wäscheklammerkinderchen erklärten:
„Wir haben nichts falsch gemacht.“
Der Butler ergänzte:
„Das ist eine interessante Interpretation.“
X. DAS GROSSE RIEFUNKE-FINALE
Am Abend saßen alle in der English Scrollstube.
Marie Jacquot hatte ihren Kaugummi gewechselt.
Goethe schrieb an einem neuen Kapitel.
Mertens reparierte seinen Detektor.
Nicole saß im VIP-Raum.
Der Butler servierte Tee.
Die acht Wäscheklammerkinderchen hatten eine neue Idee.
Kindchen Nummer 3 flüsterte:
„Was machen wir als Nächstes?“
Kindchen Nummer 5 antwortete:
„Die zehnte.“
„Welche zehnte?“
„Die zehnte Sinfonie!“
Kindchen Nummer 7 grinste.
„Diesmal mit grünen Schnürsenkeln.“
Der Butler ließ beinahe das Tablett fallen.
„NEIN!“
Goethe hob den Kopf.
„Warum nicht?“
Marie lachte.
Nicole rief aus dem VIP-Raum:
„Darling, green is the new pink!“
Der Türsteher stand auf.
„Ich kündige.“
Der Butler nickte.
„Das haben Sie bereits dreimal angekündigt.“
Und dann geschah es.
Aus dem Radio erklang ein kurzes Knacken.
KRRRRT.
Eine Stimme sagte:
„Die zehnte Sinfonie ist bereits unterwegs.“
Stille.
Alle schauten zum Radio.
Die acht Wäscheklammerkinderchen sprangen gleichzeitig auf.
„BUM BUM BUM; BUM!“
Der Butler setzte sich.
Er nahm einen Schluck Tee.
Und sagte nur noch:
„Ich brauche Urlaub.“
RIEFUNKE – EIN SENDER FÜR UNTERBRECHUNGEN.
EINE SCROLLSTUBE FÜR MUSIK.
ACHT WÄSCHEKLAMMERKINDCHEN FÜR DEN ABSOLUTEN AUSNAHMEZUSTAND.
Und 18 Paar Schnürsenkel, die vermutlich nie wieder zur Ruhe kommen werden.
FORTSETZUNG FOLGT!