RIEFUNKE-SONDERMELDUNG
DIE KRIEGSTREIBER KLEBEN FEST! ALLES FIKTIV!!!
Acht Wäscheklammerkinderchen, eine Rentnerin mit schwarzem Stock und der größte politische Kaugummiskandal seit Erfindung der Diplomatie
BRÜSSEL – BERLIN – OBERHAVENSHEIM – ENGLISH SCROLLSTUBE – INTERNATIONAL
Es war 8:43 Uhr, als in der English Scrollstube das Telefon klingelte.
Der Butler nahm ab.
„English Scrollstube. Abteilung für Weltfrieden, Teeversorgung und parlamentarische Schadensbegrenzung. Sehr wohl.“
Am anderen Ende meldete sich eine aufgeregte Stimme aus Brüssel.
„Wir haben ein Problem!“
„Das ist bedauerlich. Welcher Art?“
„Die Kriegstreiber!“
Der Butler richtete seine Krawatte.
„Ach. Die üblichen Verdächtigen?“
„Sie kleben fest!“
Stille.
Dann fragte der Butler:
„An ihren eigenen Versprechungen?“
„Nein! An ihren politischen Positionen!“
Der Butler legte den Hörer auf.
„Herr Mertens! Wir brauchen Goethe! Und zwar sofort!“
I. DIE ACHT KINDERCHEN HABEN EINE IDEE
Die acht Wäscheklammerkinderchen saßen im Kinderzimmer und betrachteten eine Europakarte.
Kindchen Nummer 3 hatte eine Frage.
„Warum reden die Erwachsenen eigentlich ständig vom Frieden, während sie gleichzeitig immer neue Waffen bestellen?“
Nummer 5 kaute Erdbeerkaugummi.
„Vielleicht haben sie vergessen, wie man miteinander redet.“
Nummer 8 schüttelte den Kopf.
„Dann müssen wir ihnen das wieder beibringen.“
Die Rentnerin im Rollstuhl stand am Fenster. Ihr schwarzer Stock lehnte neben ihr.
„Kinderchen, ich habe in meinem langen Leben schon viele Männer gesehen, die den Krieg für notwendig hielten.“
„Und?“, fragte Nummer 1.
„Die meisten mussten nicht selbst an die Front.“
Goethe legte sein Buch nieder.
„Ein bemerkenswerter Zusammenhang zwischen Entscheidungsbefugnis und persönlichem Risiko.“
Der Butler brachte Kaffee.
„Sehr wohl. Die Herrschaften entscheiden, andere bezahlen.“
II. DER GROSSE KRIEGSTREIBER-KONGRESS
In Brüssel fand unterdessen ein internationaler Kongress statt.
Thema:
WIE ERHÖHEN WIR DIE SICHERHEIT DURCH NOCH MEHR UNSICHERHEIT?
Auf der Bühne saßen hochrangige Politiker, militärische Berater, Rüstungslobbyisten und einige Herren mit besonders ernsten Gesichtern.
Ein Redner erklärte:
„Wir müssen Stärke zeigen!“
Ein anderer ergänzte:
„Wir dürfen keine Schwäche erkennen lassen!“
Ein dritter verlangte:
„Wir brauchen noch mehr Abschreckung!“
Da ging plötzlich die Tür auf.
Die Rentnerin rollte herein.
Hinter ihr die acht Wäscheklammerkinderchen.
Und ganz hinten der Butler mit einem Servierwagen voller Erdbeerkaugummi.
„Entschuldigen Sie“, sagte die Rentnerin. „Wir hätten da ein paar Fragen.“
Der Kongressvorsitzende schaute irritiert.
„Wer sind Sie?“
„Eine alte Frau.“
„Und was wollen Sie?“
„Dass Sie aufhören, mit dem Leben anderer Menschen herumzuspielen.“
III. GOETHE ERGREIFT DAS WORT
Goethe trat nach vorne.
Er betrachtete die versammelten Herren.
„Meine Herren, ich möchte Ihnen eine bescheidene Frage stellen.“
„Bitte.“
„Haben Sie eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, wie viele Mütter nachts nicht schlafen können, weil ihre Söhne und Töchter irgendwo in einem Krieg sitzen?“
Niemand antwortete.
„Haben Sie darüber nachgedacht, wie es ist, wenn ein Kind seine Eltern verliert?“
Stille.
„Und haben Sie jemals einen Menschen gefragt, der sein Zuhause verloren hat, ob er Ihre strategischen Überlegungen für besonders überzeugend hält?“
Ein Rüstungslobbyist räusperte sich.
„Die geopolitische Lage ist komplex.“
Goethe nickte.
„Das mag sein. Aber das menschliche Leid ist erstaunlich unkompliziert.“
Kindchen Nummer 5 flüsterte:
„Der hat gesessen.“
IV. DIE RENTNERIN UND DER SCHWARZE STOCK
Nun erhob sich die Rentnerin.
Sie nahm ihren schwarzen Stock.
Nicht drohend.
Nicht wütend.
Einfach nur bestimmt.
„Meine Herren, ich bin alt genug, um zu wissen, dass Frieden nicht vom Himmel fällt.
Aber ich bin auch alt genug, um zu wissen, dass man ihn nicht bekommt, wenn man ständig neue Feindschaften pflegt.“
Sie schaute in die Runde.
„Sie sprechen von Sicherheitsinteressen, Machtgleichgewichten, Verteidigungsfähigkeit und strategischer Verantwortung.
Aber wo bleibt eigentlich der Mensch?
Wo bleiben die Kinder?
Wo bleiben die Kranken, die Alten, die Familien?
Und wer erklärt den Menschen, die ihre Angehörigen verloren haben, dass ihr Leid geopolitisch leider unvermeidlich war?“
Der Kongressvorsitzende rückte nervös seine Brille zurecht.
„Gnädige Frau, wir müssen realistisch bleiben.“
Die Rentnerin antwortete:
„Dann fangen Sie doch endlich damit an, die Realität der Menschen ernst zu nehmen, die unter Ihren Entscheidungen leiden.“
Der Butler flüsterte:
„Sehr wohl. Das war deutlich.“
V. DIE KLEBRIGE ANGELEGENHEIT
Jetzt kam Kindchen Nummer 5 nach vorne.
Es trug ein Schild:
WER KRIEG BESTELLT, SOLLTE AUCH DIE RECHNUNG LESEN!
Nummer 3 hatte ein weiteres Schild:
WAFFEN KÖNNEN KEINE UMARMUNGEN ERSETZEN!
Nummer 8 präsentierte ein drittes:
WIR WOLLEN KEINE HELDENFRIEDHÖFE!
Ein Kongressteilnehmer wollte die Kinderchen unterbrechen.
Doch Goethe hob die Hand.
„Lassen Sie die Kinder sprechen. Die Erwachsenen haben lange genug geredet.“
Plötzlich entdeckte Herr Mertens ein Problem.
Ein Abgeordneter war mit seinem Schuh auf einen Erdbeerkaugummibobon getreten.
Er klebte fest.
„Hilfe!“
Ein zweiter wollte ihm helfen.
Auch er blieb kleben.
Der Butler betrachtete die Szene.
„Interessant. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten scheint es, als würden politische Positionen tatsächlich Konsequenzen haben.“
Die Rentnerin schmunzelte.
„Lassen Sie sie ruhig ein wenig nachdenken.“
VI. DIE INTERNATIONALE KONVENTION DER VERANTWORTUNG
Am Nachmittag legten die Wäscheklammerkinderchen einen neuen Entwurf vor.
Titel:
DIE INTERNATIONALE KONVENTION GEGEN POLITISCHES HERUMSPIELEN MIT MENSCHENLEBEN
Die acht Forderungen lauteten:
-
Wer über Krieg und Frieden entscheidet, muss die menschlichen Folgen seiner Entscheidungen offen benennen.
-
Diplomatie darf nicht als lästige Verzögerung behandelt werden.
-
Rüstungsausgaben müssen transparent und demokratisch kontrolliert werden.
-
Zivilbevölkerung und Kinder müssen bei politischen Entscheidungen Vorrang beim Schutz genießen.
-
Kriegsverbrechen dürfen nicht durch politische Freundschaften entschuldigt werden.
-
Friedliche Proteste und abweichende Meinungen müssen geschützt werden.
-
Verhandlungen dürfen nicht erst dann beginnen, wenn alles zerstört ist.
-
Kein Politiker darf das Leben anderer Menschen als billigen Einsatz für die eigene Macht behandeln.
Goethe las das Papier zweimal.
Dann sagte er:
„Kinderchen, das ist vernünftiger als manche Regierungserklärung.“
Der General aus Oberhavensheim unterschrieb.
„Ich habe lange genug Uniformen getragen. Ich weiß, dass Krieg kein Computerspiel ist.“
Die Rentnerin nickte.
„Dann haben Sie wenigstens etwas gelernt.“
VII. DIE KRIEGSTREIBER VERLIEREN DIE FASSUNG
Ein besonders aufgebrachter Teilnehmer erhob sich.
„Sie können doch nicht einfach verlangen, dass wir unsere sicherheitspolitischen Interessen aufgeben!“
Die Rentnerin sah ihn an.
„Das hat niemand verlangt.“
„Aber Sie kritisieren unsere Entscheidungen!“
„Natürlich. Dafür gibt es Demokratie.“
„Sie verstehen die internationale Lage nicht!“
Kindchen Nummer 5 meldete sich:
„Und Sie verstehen offenbar nicht, dass Menschen sterben!“
Der Raum wurde still.
Der Butler stellte eine Tasse Tee ab.
„Sehr wohl. Das war vermutlich die kürzeste und wichtigste Wortmeldung des gesamten Kongresses.“
VIII. DIE NACHRICHT ERREICHT DIE ENGLISH SCROLLSTUBE
Am Abend lief die Sondermeldung über sämtliche Bildschirme.
Die acht Wäscheklammerkinderchen hatten die internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Die Rentnerin war zum Gesicht einer neuen pazifistischen Bewegung geworden.
Goethe schrieb an einer Ergänzung seiner Farbenlehre.
Mertens entwickelte einen Kaugummibobon-Detektor mit parlamentarischer Haftwarnung.
Der General hatte seine alte Uniform in den Schrank gehängt.
Nicole Kidman schickte eine Lieferung weißer Schokolade.
Und der Butler?
Der Butler hatte eine neue Dienstanweisung verfasst:
KEINE KRIEGSTREIBEREI VOR DEM MITTAGSTEE!
IX. DAS LETZTE WORT GEHÖRT DER RENTNERIN
Kurz vor Mitternacht trat die Rentnerin noch einmal vor die Kameras.
Der schwarze Stock lag quer über ihren Knien.
Sie sprach langsam.
„Ich bin keine Politikerin.
Ich bin keine Generalin.
Ich bin keine Rüstungsexpertin.
Ich bin eine alte Frau, die nicht möchte, dass ihre Enkel und Urenkel in einer Welt aufwachsen, in der Krieg als normale Fortsetzung der Politik betrachtet wird.
Ich weiß, dass es Aggressoren gibt.
Ich weiß, dass Menschen sich verteidigen müssen.
Ich weiß auch, dass Frieden nicht bedeutet, vor Unrecht die Augen zu schließen.
Aber ich weiß eines ganz sicher:
Wer Frieden will, muss mehr können als Waffen zählen.
Er muss zuhören können.
Er muss verhandeln können.
Er muss Fehler eingestehen können.
Und er muss den Mut haben, einen anderen Weg zu suchen, bevor die nächste Generation die Gräber ausheben muss.“
Sie machte eine Pause.
Dann hob sie den schwarzen Stock.
„Und an die Herren, die sich an ihrer eigenen Kriegsrhetorik festgeklebt haben, richte ich eine persönliche Bitte:
Versuchen Sie doch einmal, sich an den Frieden zu klammern.
Das wäre eine politische Haltung, mit der ich leben könnte.“
X. DAS RIEFUNKE-FINALE
Um 00:07 Uhr ertönte in der English Scrollstube das bekannte Signal:
KRRRRRT!
Der Butler trat ans Mikrofon.
„Meine Damen und Herren, eine letzte Durchsage.“
Die acht Wäscheklammerkinderchen standen hinter ihm.
Kindchen Nummer 5 kaute Erdbeerkaugummi.
Die Rentnerin saß in ihrem Rollstuhl.
Goethe hatte seinen Tee.
Der General lächelte.
Der Butler sprach:
„Die English Scrollstube stellt fest:
Wir haben genügend Generäle.
Wir haben genügend Strategiepapiere.
Wir haben genügend Drohgebärden.
Wir haben genügend Männer, die anderen erklären, warum Krieg angeblich unvermeidlich ist.
Was uns fehlt, sind Menschen, die sich mit derselben Energie für den Frieden einsetzen.
Wir brauchen keine neuen Feindbilder.
Wir brauchen keine politischen Brandbeschleuniger.
Wir brauchen keine Geschäftsmodelle, die vom Leid anderer leben.
Wir brauchen Vernunft.
Verantwortung.
Mut zur Diplomatie.
Und Politiker, die sich daran erinnern, dass sie für Menschen arbeiten – nicht umgekehrt.“
Dann trat Kindchen Nummer 5 ans Mikrofon.
Es kaute noch einmal.
Und sagte:
„WENN IHR SCHON UNBEDINGT ETWAS KLEBRIGES BRAUCHT, DANN KLEBT EUCH DOCH BITTE AN DEN FRIEDEN!“
Die acht Wäscheklammerkinderchen jubelten.
Die Rentnerin hob ihren schwarzen Stock.
Goethe schloss sein Buch.
Der General verbeugte sich.
Und der Butler verkündete:
„Sehr wohl. Die Sitzung ist geschlossen. Die Kriegstreiber dürfen ihre Schuhe selbst reinigen.“
RIEFUNKE – EIN SENDER FÜR DEN FRIEDEN.
WIR SIND NICHT HIER, UM KRIEGE ZU GEWINNEN.
WIR SIND HIER, DAMIT MENSCHEN LEBEN KÖNNEN.
WÄSCHEKLAMMERKINDERCHEN ALLER LÄNDER!
VERKNOTET EUCH!
NICHT GEGENEINANDER.
MITEINANDER!
Und wer den Frieden fürchtet, sollte vielleicht einmal seine eigenen Schuhe überprüfen.
RIEFUNKE English Scrollstube · Abteilung für kosmische Friedensangelegenheiten
|